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Bohrfliege

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tephritidae (Familie mit über 5.000 beschriebenen Arten)
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
  • Familie: Bohrfliegen (Tephritidae)
  • Lebensraum: Wiesen, Obstplantagen, Agrarflächen, Waldränder – weltweit in gemäßigten bis tropischen Klimazonen
  • Größe: 2–10 mm Körperlänge, je nach Art
  • Gewicht: wenige Milligramm
  • Lebenserwartung: wenige Wochen bis mehrere Monate (Imagines); der gesamte Lebenszyklus erstreckt sich je nach Art und Klima über 1–12 Monate

Aussehen & Merkmale

Bohrfliegen sind kleine bis mittelgroße Zweiflügler mit einem kompakten, oft leicht gedrungenen Körperbau. Ihr auffälligstes Erkennungsmerkmal sind die gemusterten Flügel: Viele Arten tragen dunkle Bänder, Flecken oder netzartige Zeichnungen auf den ansonsten transparenten Flügeln, was sie von den meisten anderen Fliegen unterscheidet. Die Grundfärbung des Körpers variiert von gelblich über orange bis bräunlich oder schwarz, häufig mit kontrastierenden Zeichnungen auf Thorax und Abdomen.

Der Kopf ist breit und beweglich, die Facettenaugen häufig grünlich oder rötlich schimmernd. Die Fühler (Antennen) sind kurz und dreigliedrig, wie es für Brachycera typisch ist. Ein wichtiges morphologisches Merkmal der Weibchen ist der Ovipositor – ein verlängertes, sklerotisiertes Legerohr am Hinterleibsende, mit dem die Eier gezielt in Pflanzengewebe eingebohrt werden. Form und Länge dieses Legeapparats sind artspezifisch und spiegeln die jeweilige Wirtspflanze wider. Das Flügelgeäder zeigt gattungstypische Merkmale, die für die taxonomische Bestimmung herangezogen werden.

Lebensraum & Verbreitung

Die Familie Tephritidae ist nahezu weltweit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Besonders artenreich sind tropische und subtropische Regionen, doch auch in der gemäßigten Zone Europas kommen zahlreiche Arten vor. In Mitteleuropa sind rund 150 Arten nachgewiesen.

Als Habitat bevorzugen Bohrfliegen Biotope mit reichem Pflanzenbewuchs: Streuobstwiesen, landwirtschaftliche Kulturflächen, Gärten, Waldränder und Ruderalfluren. Entscheidend für die Wahl des Lebensraums ist das Vorkommen geeigneter Wirtspflanzen, denn die Larvenentwicklung ist eng an bestimmte Pflanzenorgane – insbesondere Früchte, Blütenköpfe oder Stängel – gebunden. Einige Arten leben oligophag an wenigen verwandten Pflanzenarten, andere sind stärker spezialisiert und monophag an eine einzige Wirtspflanzenart gebunden.

Ernährung

Die Ernährung der Bohrfliegen unterscheidet sich grundlegend zwischen Larven und adulten Tieren. Die Larven (Maden) entwickeln sich im Inneren pflanzlicher Gewebe und ernähren sich vom Fruchtfleisch, von Samenanlagen, Blütenböden oder Stängelmark. Sie sind damit phytophag und häufig endophytisch lebend – sie verbringen ihre gesamte Larvalentwicklung innerhalb der Wirtspflanze.

Adulte Bohrfliegen nehmen mit ihrem leckend-saugenden Mundwerkzeug Nektar, Honigtau, Pflanzensäfte und Bakterienbeläge auf Blattoberflächen auf. Proteinreiche Nahrung ist besonders für die Reifung der Eier bei den Weibchen von Bedeutung. Manche Arten lecken an Vogelkot oder verrottenden organischen Substanzen, um den Eiweißbedarf zu decken.

Verhalten & Lebensweise

Bohrfliegen sind überwiegend tagaktiv. Viele Arten zeigen ein charakteristisches Balzverhalten, bei dem die Männchen ihre gemusterten Flügel in ritualisierter Weise bewegen – langsames Auf- und Abschlagen oder seitliches Spreizen. Diese Flügelsignale dienen sowohl der Arterkennung als auch der Rivalenabwehr. Bei einigen Gattungen verteidigen Männchen kleine Reviere auf Wirtspflanzen oder Früchten und versuchen, andere Männchen durch Imponierverhalten zu verdrängen.

Ein außergewöhnliches Phänomen betrifft Arten der Gattung Rhagoletis und verwandter Gattungen: Ihre Flügelzeichnung ähnelt dem Habitus von Spinnen, und die typische Flügelbewegung imitiert das Laufen einer Spinne. Ob dieses Verhalten tatsächlich als Mimikry gegenüber Fressfeinden wirkt, wird in der Forschung diskutiert. Weitere Verhaltensweisen umfassen die Markierung bereits belegter Früchte mit Pheromonen durch die Weibchen, was Mehrfachbelegung reduziert und intraspezifische Konkurrenz der Larven minimiert.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung bohrt das Weibchen mit seinem Ovipositor ein kleines Loch in das Gewebe der Wirtspflanze – je nach Art in eine reifende Frucht, einen Blütenkopf oder einen Pflanzenstängel – und legt dort ein oder mehrere Eier ab. Die Eier sind länglich und weißlich. Die schlüpfenden Larven durchlaufen in der Regel drei Larvenstadien (L1–L3) innerhalb der Wirtspflanze, bevor sie sich verpuppen.

Die Verpuppung findet bei vielen Arten im Boden statt: Die ausgewachsene Larve verlässt die Frucht, lässt sich zu Boden fallen und bildet ein Tönnchenpuparium in den oberen Erdschichten. Je nach Klima und Art überwintert die Puppe im Boden, und die adulte Fliege schlüpft im folgenden Frühjahr oder Sommer. In tropischen Regionen können mehrere Generationen pro Jahr (multivoltin) auftreten, während Arten gemäßigter Breiten häufig univoltin sind, also nur eine Generation pro Jahr hervorbringen.

Bedrohung & Schutzstatus