Goldfliege
GTierart – Insekten > Zweiflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lucilia sericata (Meigen, 1826)
- Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
- Familie: Schmeißfliegen (Calliphoridae)
- Gattung: Lucilia
- Lebensraum: Offenland, Siedlungsgebiete, Weiden, Waldränder
- Größe: 6–11 mm Körperlänge
- Gewicht: ca. 20–40 mg
- Lebenserwartung: Imagines ca. 2–4 Wochen; gesamter Lebenszyklus je nach Temperatur 2–6 Wochen
Aussehen & Merkmale
Die Goldfliege verdankt ihren deutschen Trivialnamen dem auffällig metallisch glänzenden Körper. Kopf, Thorax und insbesondere das Abdomen schimmern in einem intensiven Gold- bis Kupfergrün, das je nach Lichteinfall bläuliche oder messingfarbene Reflexe zeigt. Dieser Metallglanz entsteht durch mehrschichtige Strukturen der Kutikula, die einfallendes Licht interferenzartig brechen.
Der Kopf trägt große, rotbraune Komplexaugen, die beim Männchen fast zusammenstoßen (holoptisch), während sie beim Weibchen durch eine breitere Stirn (Frons) deutlich getrennt sind (dichoptisch). Die kurzen, dreigliedrigen Antennen enden in einer gefiederten Arista. Die Mundwerkzeuge sind als leckend-saugender Rüssel ausgebildet – ein typisches Merkmal vieler Schmeißfliegen.
Die Flügel sind hyalin, also weitgehend durchsichtig, mit einer bräunlichen Aderung. Wie bei allen Dipteren sind die Hinterflügel zu Schwingkölbchen (Halteren) umgebildet, die als Gyroskope der Flugstabilisierung dienen. Die Beine sind dunkel gefärbt und tragen an den Tarsen Haftpolster sowie Klauen, mit denen sich die Fliege auf glatten Oberflächen halten kann.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Lucilia sericata erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis, Afrotropis und Nearktis. Die Art kommt in ganz Europa, Nordafrika, weiten Teilen Asiens sowie – durch anthropogene Verschleppung – auch in Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland vor. Sie gilt als eine der am weitesten verbreiteten Schmeißfliegenarten weltweit.
Als Habitat bevorzugt die Goldfliege offene bis halboffene Landschaften. Typische Biotope sind Weiden mit Viehbestand, ländliche Siedlungen, Gärten, Kompostanlagen, Schlachthöfe und Mülldeponien. In Mitteleuropa tritt sie vor allem im Tiefland und in mittleren Höhenlagen auf. Die Art ist wärmeliebend (thermophil) und erreicht ihre höchste Populationsdichte in den Sommermonaten von Mai bis September.
Ernährung
Adulte Goldfliegen ernähren sich von zuckerhaltigen Substanzen wie Nektar, Honigtau und Pflanzensäften. Sie besuchen regelmäßig Blüten – insbesondere Doldenblütler (Apiaceae) – und treten dabei gelegentlich als Bestäuber auf. Daneben nehmen die Imagines proteinreiche Nahrung auf, etwa Wundsekrete, Schweiß oder Flüssigkeiten, die auf verwesendem organischem Material entstehen.
Die Larven (Maden) sind saprophag und ernähren sich primär von totem oder nekrotischem Gewebe. Sie besiedeln Tierkadaver, Abfälle oder – unter bestimmten Bedingungen – Wunden lebender Tiere. Die Larven sondern proteolytische Enzyme ab, die das Gewebe vorverdauen (extraintestinale Verdauung), bevor sie den verflüssigten Nahrungsbrei aufnehmen.
Verhalten & Lebensweise
Die Goldfliege ist tagaktiv und zeigt eine hohe Flugaktivität bei warmem, sonnigem Wetter. Bei Temperaturen unter 12 °C oder bei starkem Wind stellt sie ihre Aktivität weitgehend ein. Die Fliegen sind schnelle und wendige Flieger, die durch die Halteren eine hohe Manövrierfähigkeit erreichen.
Weibchen orientieren sich bei der Suche nach geeigneten Eiablageplätzen olfaktorisch: Sie folgen dem Geruch von Ammoniak, Schwefelwasserstoff und anderen flüchtigen Verbindungen, die bei der Zersetzung organischen Materials entstehen. Ein Weibchen kann solche Geruchsquellen über Entfernungen von mehreren hundert Metern wahrnehmen.
Die Art lebt solitär; es gibt keine Staaten- oder Rudelbildung. An ergiebigen Nahrungsquellen – etwa einem Kadaver – aggregieren jedoch häufig zahlreiche Individuen, was den Eindruck eines gemeinschaftlichen Verhaltens erwecken kann.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet meist in der Nähe von Nahrungsquellen oder Eiablageplätzen statt. Eine eigentliche Balz existiert nicht; die Männchen versuchen, sich direkt an fliegende oder sitzende Weibchen zu koppeln. Nach der Kopulation legen die Weibchen ihre Eier bevorzugt in Bündeln von 150 bis 200 Stück an Kadavern, Fleischabfällen oder in Wunden lebender Tiere ab. Im Laufe ihres Lebens kann ein einzelnes Weibchen bis zu 2.000 Eier produzieren.
Die Eier sind weißlich, länglich-oval und etwa 1,5 mm lang. Bei warmer Witterung (ca. 25 °C) schlüpfen die Larven bereits nach 12 bis 24 Stunden. Die Larvalentwicklung umfasst drei Stadien (L1–L3) und dauert je nach Temperatur und Nahrungsangebot zwischen vier und zehn Tagen. Die ausgewachsenen Larven verlassen das Substrat, wandern in den Boden und verpuppen sich dort in einem Tönnchenpuparium. Die Puppenruhe dauert etwa sechs bis vierzehn Tage, bevor die adulte Fliege schlüpft. In Mitteleuropa entwickeln sich pro Jahr zwei bis vier Generationen; die Überwinterung erfolgt im Puppenstadium im Boden.
Bedrohung & Schutzstatus
Luc