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Dasselfliege

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Oestridae (Familie); bedeutende Gattungen: Hypoderma, Gasterophilus, Oestrus, Dermatobia
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
  • Familie: Dasselfliegen (Oestridae), mit mehreren Unterfamilien
  • Lebensraum: Weltweit verbreitet, bevorzugt in der Nähe von Weidetieren; Habitate reichen von gemäßigten Graslandschaften bis zu tropischen Regenwäldern
  • Größe: 8–18 mm Körperlänge je nach Art
  • Gewicht: Wenige Milligramm (adulte Fliegen); Larven können im Endstadium bis zu 1 g erreichen
  • Lebenserwartung: Adulte Fliegen leben nur wenige Tage bis etwa zwei Wochen; der gesamte Lebenszyklus einschließlich Larvenstadium erstreckt sich über mehrere Monate bis zu einem Jahr

Aussehen & Merkmale

Dasselfliegen sind mittelgroße, gedrungen gebaute Zweiflügler, die auf den ersten Blick an Hummeln oder kleine Pelzbienen erinnern. Ihr Körper ist dicht mit feinen Haaren bedeckt, die je nach Art gelblich, bräunlich oder schwärzlich gefärbt sein können. Diese dichte Behaarung verleiht ihnen ein pelziges Erscheinungsbild, das sie deutlich von den meisten anderen Fliegenarten unterscheidet.

Der Kopf ist breit und trägt große, gut entwickelte Facettenaugen. Die Mundwerkzeuge sind bei den adulten Tieren stark rückgebildet oder vollständig funktionslos – ein entscheidendes Merkmal der gesamten Familie. Die Flügel sind transparent, breit und ermöglichen einen schnellen, wendigen Flug. Der Thorax ist kräftig bemuskelt, was den Tieren ein hohes Flugvermögen verleiht. Die Beine sind relativ kurz und kräftig. Die Larven (Maden) sind weißlich bis gelblich, tonnenförmig und mit Reihen kleiner Dornen besetzt, die der Fortbewegung im Wirtsgewebe dienen. Im dritten und letzten Larvenstadium können sie eine Länge von 25–30 mm erreichen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Dasselfliegen umfasst alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die einzelnen Arten sind dabei eng an das Vorkommen ihrer jeweiligen Wirtstiere gebunden. Die Große Dasselfliege (Hypoderma bovis) und die Kleine Dasselfliege (Hypoderma lineatum) kommen in der gesamten Paläarktis vor und sind überall dort anzutreffen, wo Rinder gehalten oder wildlebende Huftiere wie Rothirsche und Rehe vorkommen. Ihr Habitat sind offene Weidelandschaften, Almwiesen und lichte Wälder.

Die Magendasselfliegen der Gattung Gasterophilus begleiten Pferde und Esel und sind in Europa, Asien und Nordafrika verbreitet. Die Nasendasselfliege (Oestrus ovis) parasitiert Schafe und Ziegen und kommt weltweit in Gebieten mit Schafhaltung vor. In den Tropen Mittel- und Südamerikas lebt die Torsalofliege (Dermatobia hominis), die als eine der wenigen Arten auch den Menschen als Wirt nutzen kann. Die Hautdasselfliege der Rentiere (Hypoderma tarandi) besiedelt die arktischen und subarktischen Biotope Skandinaviens, Sibiriens und Nordamerikas.

Ernährung

Adulte Dasselfliegen nehmen keine Nahrung zu sich. Ihre Mundwerkzeuge sind so stark reduziert, dass eine Nahrungsaufnahme nicht möglich ist. Die gesamte Energie für Flug, Paarung und Eiablage stammt aus Fettreserven, die während des Larvenstadiums angelegt wurden. Diese Tatsache erklärt die kurze Lebensspanne der erwachsenen Fliegen.

Die Larven hingegen ernähren sich als obligate Endoparasiten von Körpergewebe, Gewebeflüssigkeiten und Sekreten ihrer Wirtstiere. Hypoderma-Larven durchwandern das Bindegewebe und die Muskulatur von Rindern und ernähren sich dabei von Zellflüssigkeit und abgestorbenem Gewebe. Gasterophilus-Larven heften sich an die Magenschleimhaut von Pferden und leben dort von Schleimhautsekreten. Oestrus ovis-Larven entwickeln sich in den Nasennebenhöhlen von Schafen und ernähren sich von Nasensekret und Schleimhautgewebe.

Verhalten & Lebensweise

Dasselfliegen sind tagaktive Insekten. Die adulten Fliegen zeigen ein ausgeprägtes Suchflugverhalten, bei dem sie gezielt potenzielle Wirtstiere aufspüren. Die Weibchen der Gattung Hypoderma fliegen dabei in schnellem, tiefem Flug dicht über dem Boden auf Rinderherden zu. Dieses charakteristische Anflugverhalten löst bei den Wirtstieren häufig panische Fluchtreaktionen aus – ein Phänomen, das als „Biesen" oder „Dassellauf" bekannt ist. Die Tiere rennen dabei mit hochgestrecktem Schwanz über die Weide, was zu Verletzungen und Ertragseinbußen führen kann.

Die Torsalofliege (Dermatobia hominis) zeigt eine ungewöhnliche Strategie: Sie fängt andere Insekten, etwa Stechmücken, und heftet ihre Eier an deren Körper. Setzt sich die Stechmücke anschließend auf einen Warmblüter, schlüpfen die Dassellarven und bohren sich in die Haut des Wirts. Diese als Phoresie bezeichnete Übertragungsmethode ist unter Insekten selten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung der Dasselfliegen ist eng an den Lebenszyklus im Wirt gekoppelt. Nach der Paarung, die in der Regel im Flug oder auf Vegetation stattfindet, legen die Weibchen ihre Eier artspezifisch ab. Hypoderma bovis-Weibchen kleben einzelne Eier an die Haare der H