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Fleischfliege

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Sarcophaga carnaria (Linnaeus, 1758)
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
  • Familie: Fleischfliegen (Sarcophagidae)
  • Gattung: Sarcophaga
  • Lebensraum: Offenland, Siedlungsgebiete, Wälder, Weiden – überall dort, wo tierische Substanzen verfügbar sind
  • Größe: 10–18 mm Körperlänge
  • Gewicht: ca. 20–60 mg
  • Lebenserwartung: Adulte Tiere etwa 2–4 Wochen; Gesamtentwicklung (Ei bis Imago) ca. 3–5 Wochen

Aussehen & Merkmale

Die Fleischfliege gehört zu den mittelgroßen bis großen Vertretern der Zweiflügler. Ihr Körperbau ist kräftig und gedrungen. Der Thorax (Brustabschnitt) zeigt eine charakteristische Zeichnung aus drei deutlichen schwarzen Längsstreifen auf grauem Grund – ein Merkmal, das die Fleischfliege von vielen anderen Fliegenarten unterscheidet. Das Abdomen trägt ein schachbrettartiges Muster aus hellen und dunklen Flecken, das je nach Lichteinfall changiert und durch die Anordnung unterschiedlich ausgerichteter Mikrohärchen entsteht.

Die Komplexaugen sind bei Männchen auf der Stirnoberseite eng zusammenstehend (holoptisch), bei Weibchen durch einen breiten Stirnstreifen getrennt (dichoptisch). Die Augenfarbe ist dunkelrot bis rotbraun. Der gesamte Körper ist mit steifen Borsten (Makrochaeten) besetzt, die an Thorax und Abdomen besonders ausgeprägt sind und bei der Artbestimmung eine Rolle spielen. Die Flügel sind transparent mit einer leicht gelblich-braunen Tönung an der Basis. Wie bei allen Diptera ist das hintere Flügelpaar zu Schwingkölbchen (Halteren) reduziert, die als Gleichgewichtsorgane dienen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Grauen Fleischfliege erstreckt sich über die gesamte Paläarktis. Sie kommt in Europa, Nordafrika und weiten Teilen Asiens vor. In Mitteleuropa ist sie von der Ebene bis in montane Lagen anzutreffen. Als synanthrope Art besiedelt sie bevorzugt Habitate in der Nähe menschlicher Siedlungen – Gärten, Bauernhöfe, Schlachthöfe, Abfalldeponien und Kompostanlagen bieten ideale Bedingungen.

Daneben findet man Fleischfliegen in offenen Biotopen wie Wiesen, Waldrändern und Lichtungen. Entscheidend für das Vorkommen ist das Vorhandensein tierischer Substanzen, insbesondere von Kadavern, Exkrementen oder faulendem Fleisch. Die Art ist in ihrem Habitatanspruch wenig spezialisiert und zeigt eine hohe ökologische Plastizität, was ihre weite Verbreitung erklärt.

Ernährung

Adulte Fleischfliegen ernähren sich von zuckerhaltigen Flüssigkeiten – Nektar, Honigtau, überreifem Obst und austretenden Baumsäften. Daneben nehmen sie proteinreiche Nahrung auf, indem sie Fleischsäfte, Wundsekrete oder verflüssigte Substanzen von Kadavern aufsaugen. Wie alle höheren Fliegen besitzen sie einen Leckrüssel (Labellum), mit dem sie Nahrung zunächst durch Speichelabgabe verflüssigen und anschließend aufsaugen (extraorale Verdauung).

Die Larven (Maden) sind obligate Saprophagen. Sie ernähren sich von totem tierischem Gewebe, Aas und gelegentlich von Exkrementen. Durch die Absonderung proteolytischer Enzyme zersetzen sie das umliegende Gewebe und nehmen die verflüssigte Masse auf. In seltenen Fällen parasitieren Larven einiger Sarcophagidae-Arten auch in lebenden Wirten, etwa in Regenwürmern, Schnecken oder anderen Insekten – ein Verhalten, das als Parasitoide-Lebensweise bezeichnet wird.

Verhalten & Lebensweise

Fleischfliegen sind tagaktive Insekten, die vor allem bei warmem, sonnigem Wetter hohe Aktivität zeigen. Sie sind schnelle und wendige Flieger. Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten: Sie besetzen sonnenbeschienene Sitzwarten auf Zaunpfählen, Blättern oder Steinen und verteidigen diese gegenüber Artgenossen in kurzen, schnellen Verfolgungsflügen.

Die Fliegen nehmen Kadaver und andere geeignete Substrate über Geruchsrezeptoren an den Antennen und Tarsen (Fußgliedern) wahr. Sie können bereits geringste Konzentrationen von Aminen und Schwefelverbindungen detektieren, die bei der Zersetzung tierischen Gewebes entstehen. Dadurch gehören Fleischfliegen zu den frühesten Besiedlern von Kadavern – oft treffen sie innerhalb weniger Minuten nach dem Tod eines Tieres ein.

Bei kühlen Temperaturen und während der Nacht ruhen die Tiere an geschützten Stellen wie Blattunterseiten, in Mauerritzen oder unter Dachvorsprüngen. Die Überwinterung erfolgt in der Regel als Puppe im Boden, gelegentlich auch als Larve im dritten Stadium.

Fortpflanzung & Aufzucht

Ein herausstehendes Merkmal der Sarcophagidae ist ihre larvipare Fortpflanzung. Anders als Schmeißfliegen (Calliphoridae) oder Stubenfliegen (Muscidae) legen Fleischfliegen keine Eier ab, sondern setzen bereits lebende Larven im ersten Larvenstadium (L1) direkt auf dem Substrat ab. Die Embryonalentwicklung findet also im Uterus des Weibchens statt – eine Form der Ovoviviparie.

Ein Weibchen setzt pro Ablage etwa 40–80 Larven ab und kann dies im Laufe ihres Lebens mehrfach wiederholen. Die Larvenablage erfolgt bevorzugt auf Kadavern, frischem Fleisch oder in offenen Wunden von Tieren. Die Maden durchlaufen drei Larvenstadien innerhalb von 5–10 Tagen, je nach Temperatur und Nahrungsverfügbarkeit. Im