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Bremse

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Tierart – Insekten > Zweiflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Tabanidae (Familie)
  • Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
  • Unterordnung: Fliegen (Brachycera)
  • Familie: Bremsen (Tabanidae)
  • Gattungen (Auswahl): Tabanus, Chrysops, Haematopota, Hybomitra
  • Verbreitungsgebiet: Weltweit, mit Ausnahme der Polargebiete und einiger ozeanischer Inseln
  • Lebensraum: Feuchtgebiete, Wälder, Weiden, Uferzonen
  • Größe: 6–30 mm Körperlänge, je nach Art
  • Gewicht: ca. 20–200 mg
  • Lebenserwartung: Imagines wenige Wochen; gesamter Lebenszyklus einschließlich Larvalstadium ein bis mehrere Jahre
  • Artenzahl: Weltweit etwa 4.500 beschriebene Arten, davon rund 160 in Mitteleuropa

Aussehen & Merkmale

Bremsen gehören zu den kräftig gebauten Zweiflüglern. Der Körper ist gedrungen, breit und oft abgeflacht. Die Grundfärbung variiert je nach Gattung von unauffälligem Graubraun – typisch für die Regenbremse (Haematopota pluvialis) – bis zu auffälligem Gelbschwarz bei der Goldaugenbremse (Chrysops relictus). Einige Arten tragen helle Binden oder Flecken auf dem Hinterleib, die eine grobe Bestimmung im Feld ermöglichen.

Ein besonders auffälliges Merkmal sind die großen Facettenaugen, die bei vielen Arten schillernde Farbbänder in Grün, Violett oder Gold aufweisen. Bei Männchen stoßen die Augen auf der Kopfoberseite zusammen (holoptisch), während sie bei Weibchen durch eine deutliche Stirnleiste getrennt sind (dichoptisch) – ein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter.

Die Mundwerkzeuge der Weibchen sind als stechend-saugende Organe ausgebildet. Ein Paar klingenartiger Mandibeln und Maxillen schneidet die Haut auf, woraufhin Blut aus der entstehenden Wunde aufgesogen wird. Dieser Mechanismus wird als Poolfeeding oder Telmophagie bezeichnet und unterscheidet Bremsen deutlich von Stechmücken, die mit ihrem feinen Stechrüssel direkt Blutgefäße anstechen. Die Flügel sind breit, meist hyalin oder mit artspezifischen Bändermustern versehen, und werden in Ruhe flach über dem Körper getragen.

Lebensraum & Verbreitung

Bremsen kommen auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von tropischen Regenwäldern bis in gemäßigte und subarktische Zonen. In Mitteleuropa sind sie vor allem an feuchten Habitaten wie Flussauen, Moorgebieten, Waldrändern, Feuchtwiesen und Viehweiden anzutreffen. Die Nähe zu Wasserstellen ist entscheidend, da die Larven für ihre Entwicklung auf feuchtes Substrat angewiesen sind. Besonders hohe Populationsdichten treten in der Umgebung von Weidetierbeständen auf, wo die Weibchen leicht Blutmahlzeiten finden.

Ernährung

Beide Geschlechter ernähren sich von Nektar und anderen zuckerhaltigen Pflanzensäften, die als Energiequelle für den Flug dienen. Ausschließlich die Weibchen sind zusätzlich auf Blutmahlzeiten angewiesen. Das im Blut enthaltene Protein ist für die Reifung der Eier (Vitellogenese) notwendig. Als Wirte dienen Rinder, Pferde, Hirsche und andere große Säugetiere; gelegentlich werden auch Menschen gestochen. Die Wirtsfindung erfolgt über eine Kombination aus visuellen Reizen – dunkle, sich bewegende Objekte – sowie über CO₂-Konzentrationen und Körperwärme. Einige Arten der Gattung Chrysops werden zudem durch den Kontrast heller und dunkler Flächen angezogen.

Die Blutentnahme ist für den Wirt schmerzhaft und kann zu spürbarem Blutverlust führen, wenn viele Bremsen gleichzeitig an einem Tier saugen. Bei starkem Befall von Weidevieh sind tägliche Blutentnahmen von bis zu 200 ml pro Tier dokumentiert worden.

Verhalten & Lebensweise

Bremsen sind überwiegend tagaktiv. Ihre Flugaktivität erreicht an warmen, schwülen Tagen ihren Höhepunkt, weshalb die Regenbremse im Volksmund auch als „Gewitterfliege" bezeichnet wird. Bei starkem Wind, Regen oder niedrigen Temperaturen stellen die meisten Arten ihre Aktivität weitgehend ein. Im Gegensatz zu vielen anderen blutsaugenden Insekten nähern sich Bremsen ihren Wirten geräuscharm und landen häufig unbemerkt – ihr Stich wird allerdings durch die grobe Gewebeverletzung sofort wahrgenommen.

Bremsen bilden keine sozialen Verbände. Die Männchen zeigen ein ausgeprägtes Territorialverhalten an sogenannten Schwärmplätzen – sonnenbeschienenen Stellen an Waldrändern oder über Gewässern –, wo sie auf vorbeifliegende Weibchen warten.

Als Krankheitsüberträger (Vektoren) haben Bremsen veterinärmedizinische und humanmedizinische Bedeutung. Sie können mechanisch Erreger wie den Milzbrandbazillus (Bacillus anthracis), Francisellen (Tularämie) sowie verschiedene Trypanosomen und Filarien übertragen. In Zentral- und Westafrika ist die Gattung Chrysops der Hauptvektor des Augenwurms Loa loa.

Fortpflanzung & Aufzucht

Nach der Paarung, die oft im Flug stattfindet, legt das Weibchen mehrere Hundert Eier in kompakten, geschichteten Gelegen an Pflanzenteilen über feuchtem Boden oder direkt an Gewässerrändern ab. Die spindelförmigen Eier sind zunächst hell und dunkeln innerhalb weniger Stunden nach. Die Larven schlüpfen nach etwa einer W