Gnitze
GTierart – Insekten > Zweiflügler
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ceratopogonidae (Familie)
- Ordnung: Zweiflügler (Diptera)
- Unterordnung: Mücken (Nematocera)
- Familie: Gnitzen (Ceratopogonidae)
- Gattungen (Auswahl): Culicoides, Leptoconops, Forcipomyia, Atrichopogon
- Lebensraum: Feuchtgebiete, Gewässerufer, Weideland, Wälder – weltweit verbreitet
- Größe: 1–4 mm Körperlänge
- Gewicht: unter 1 mg
- Lebenserwartung: wenige Wochen bis etwa zwei Monate (Imagines)
- Artenzahl: weltweit über 6.000 beschriebene Arten, davon rund 300 in Mitteleuropa
Aussehen & Merkmale
Gnitzen gehören zu den kleinsten blutsaugenden Insekten überhaupt. Mit einer Körperlänge von meist nur 1 bis 3 Millimetern sind sie deutlich kleiner als Stechmücken und werden deshalb häufig übersehen. Der Körperbau ist gedrungen, der Kopf rundlich und mit relativ großen Facettenaugen versehen. Die Antennen sind bei beiden Geschlechtern deutlich gegliedert, wobei die der Männchen auffällig buschig behaart sind – ein bei vielen Mücken verbreitetes Merkmal, das der akustischen Wahrnehmung der Weibchen dient.
Die Flügel sind breit, oft gefleckt oder gemustert und werden in Ruhe flach über dem Hinterleib getragen. Einige Arten besitzen ein charakteristisches Flügelgeäder, das bei der Artbestimmung unter dem Mikroskop herangezogen wird. Der Thorax ist kräftig ausgebildet und trägt ein einzelnes Flügelpaar; die Hinterflügel sind – wie bei allen Diptera – zu Schwingkölbchen (Halteren) umgewandelt, die als Gleichgewichtsorgane dienen. Die Beine sind verhältnismäßig kurz. Der Stechapparat der Weibchen besteht aus stilettartigen Mundwerkzeugen, die in die Haut des Wirts einschneiden, sodass ein kleiner Blutpool entsteht, aus dem die Gnitze saugt (Telmophagie).
Lebensraum & Verbreitung
Gnitzen kommen auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von tropischen Regenwäldern bis in subarktische Tundren. In Mitteleuropa besiedeln sie bevorzugt feuchte Habitate wie Flussauen, Moorlandschaften, Feuchtwiesen und Uferzonen stehender Gewässer. Manche Arten treten auch auf Weideflächen und in lichten Wäldern auf, sofern dort geeignete Brutstätten vorhanden sind.
Die Larven entwickeln sich in feuchten bis nassen Substraten: im Schlamm von Gewässerrändern, in wassergesättigtem Boden, in verrottendem Pflanzenmaterial, unter Baumrinde oder in Kuhdung. Einige Gattungen wie Culicoides bevorzugen salzhaltige Küstenböden und Mangrovensümpfe. Die Bindung an feuchte Biotope ist für die Larvalentwicklung zwingend, da die Larven austrocknungsempfindlich sind.
Ernährung
Die Ernährung unterscheidet sich deutlich zwischen den Geschlechtern und den Entwicklungsstadien. Adulte Männchen und Weibchen nehmen Nektar und andere zuckerhaltige Pflanzensäfte auf. Nur die Weibchen der blutsaugenden Gattungen – allen voran Culicoides und Leptoconops – benötigen zusätzlich eine Blutmahlzeit, um die Eireifung (Vitellogenese) abzuschließen. Als Wirte dienen Säugetiere, Vögel und gelegentlich Reptilien. Einige Arten sind auf bestimmte Wirtsgruppen spezialisiert, andere saugen opportunistisch an verschiedenen Vertebraten, einschließlich des Menschen.
Nicht alle Gnitzen sind Blutsauger. Arten der Gattung Forcipomyia ernähren sich als Adulte ausschließlich von Nektar und spielen eine ökologische Rolle als Bestäuber, etwa bei der Bestäubung von Kakao (Theobroma cacao). Die Larven der verschiedenen Arten leben je nach Gattung räuberisch von anderen Kleinstorganismen, von Algen oder von zerfallendem organischem Material.
Verhalten & Lebensweise
Gnitzen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei die Aktivitätsmuster artabhängig variieren. An windstillen, warmen Abenden bilden Männchen vieler Arten Schwärme, die über markanten Landschaftsstrukturen tanzen. Diese Schwarmflüge dienen der Partnerfindung: Weibchen fliegen in den Schwarm ein und werden dort von Männchen ergriffen. Die Paarung erfolgt im Flug oder kurz nach der Landung.
Der Flug der Gnitzen ist wendig, aber relativ langsam. Wind mit Geschwindigkeiten über 5–8 km/h unterdrückt die Flugaktivität weitgehend, weshalb die Tiere bei stärkerem Wind kaum in Erscheinung treten. Wirtsfindende Weibchen orientieren sich anhand von CO₂-Gradienten, Körperwärme und Geruchsstoffen (Kairomone) ihrer potenziellen Wirte. In manchen Regionen, etwa in den schottischen Highlands oder skandinavischen Fjällgebieten, treten Gnitzen in enormer Individuendichte auf und werden dort als erhebliche Plage wahrgenommen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Nach der Blutmahlzeit reifen die Eier im Abdomen des Weibchens innerhalb weniger Tage heran. Die Eiablage erfolgt in feuchtes Substrat, wobei je nach Art zwischen 30 und 200 Eier in kleinen Gelegen abgesetzt werden. In gemäßigten Breiten durchlaufen viele Arten zwei bis drei Generationen pro Jahr; in den Tropen kann die Fortpflanzung ganzjährig stattfinden.
Die Larven sind wurmförmig, beinlos und durchlaufen vier Larvenstadien. Sie leben im Substrat und ernähren sich von Mikroorganismen, Detritus oder räuberisch von anderen Invertebraten.