Brasilianische Wanderspinne
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Phoneutria nigriventer (häufigste Art der Gattung)
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Familie: Kammspinnen (Ctenidae)
- Gattung: Phoneutria (griech. „Mörderin")
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder Südamerikas, sekundär auch in menschlichen Siedlungen
- Körperlänge: 3–5 cm (Körper ohne Beine); Beinspannweite bis 15 cm
- Gewicht: ca. 1–3 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre
- Anzahl der Arten in der Gattung: 9 beschriebene Arten (Stand 2024)
Aussehen & Merkmale
Die Brasilianische Wanderspinne gehört zu den größten Vertretern der Familie der Kammspinnen. Ihr Körper – bestehend aus Prosoma (Vorderleib) und Opisthosoma (Hinterleib) – ist dicht mit kurzen, bräunlich-grauen Haaren bedeckt. Die Grundfärbung variiert je nach Art zwischen olivbraun, dunkelbraun und graubraun. Auf dem Opisthosoma zeigen sich bei vielen Arten undeutliche dunkle Fleckenzeichnungen, während die Beinpaare auffällige dunkle Ringmuster tragen.
Charakteristisch ist die Stellung der acht Augen: Sie sind in drei Reihen angeordnet, wobei die mittleren Augen deutlich vergrößert sind – ein typisches Merkmal der Ctenidae. Die kräftigen Cheliceren (Kieferklauen) sind an ihrer Basis auffällig rot bis rotorange gefärbt, was bei der Drohstellung gut sichtbar wird. Die vier Beinpaare sind lang und kräftig gebaut, was die Spinne zu einer schnellen Läuferin macht. Anders als viele netzbauende Spinnen besitzt die Wanderspinne keine ausgeprägten Spinnwarzen zur Herstellung von Fangnetzen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Phoneutria erstreckt sich über weite Teile Südamerikas. Der Schwerpunkt liegt in Brasilien, wo mehrere Arten vorkommen – darunter P. nigriventer, P. keyserlingi und P. fera. Weitere Arten bewohnen Gebiete in Kolumbien, Peru, Ecuador, Bolivien und Argentinien.
Das bevorzugte Habitat sind tropische und subtropische Regenwälder, insbesondere der Atlantische Küstenregenwald (Mata Atlântica) und das Amazonasbecken. Dort halten sich die Tiere am Waldboden, unter Totholz, in Bromelien und zwischen Blattstreu auf. Da die Spinnen kein festes Fangnetz anlegen, wechseln sie ihren Aufenthaltsort regelmäßig – daher der Name „Wanderspinne".
Eine erhebliche Rolle spielt die Nähe zu menschlichen Siedlungen. Die Tiere dringen häufig in Häuser, Garagen, Scheunen und Lagerhallen ein. Besonders bekannt sind Funde in Bananenstauden und Obstkisten, weshalb Phoneutria-Arten gelegentlich auch als „Bananenspinnen" bezeichnet werden. Vereinzelt gelangen Exemplare über den internationalen Obsthandel nach Europa und Nordamerika.
Ernährung
Die Brasilianische Wanderspinne ernährt sich als aktive Jägerin vorwiegend von Insekten wie Grillen, Schaben und Käfern. Gelegentlich werden auch andere Gliederfüßer, kleine Frösche und sogar kleine Eidechsen erbeutet. Die Jagd erfolgt ohne Fangnetz: Die Spinne lauert am Boden oder in der niedrigen Vegetation und überwältigt ihre Beute durch einen schnellen Angriff mit den Cheliceren, bei dem sie Gift injiziert. Das Toxin wirkt neurotoxisch und lähmt die Beute innerhalb von Sekunden. Anschließend wird die Nahrung durch Verdauungssekrete außerhalb des Körpers vorverdaut und in flüssiger Form aufgenommen – ein für Spinnen typischer extraintestinaler Verdauungsvorgang.
Verhalten & Lebensweise
Wanderspinnen der Gattung Phoneutria sind strikt nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in dunklen, feuchten Verstecken. Nach Einbruch der Dämmerung beginnen sie ihre Streifzüge auf der Suche nach Beute. Die Tiere sind Einzelgänger und verteidigen keinen festen Revierbereich, da sie nomadisch leben.
Auffällig ist das ausgeprägte Drohverhalten: Fühlt sich eine Wanderspinne bedroht, richtet sie den Vorderkörper steil auf, streckt die beiden vorderen Beinpaare weit nach oben und präsentiert die rot gefärbten Cheliceren. Diese Drohstellung dient der Abschreckung und geht einem Biss häufig voraus. Die Aggressivität gegenüber potenziellen Feinden ist im Vergleich zu vielen anderen Spinnenarten hoch, was neben der Giftwirkung zur Gefährlichkeit für den Menschen beiträgt.
Das Gift von Phoneutria nigriventer enthält ein komplexes Gemisch aus Neurotoxinen, darunter das gut untersuchte PhTx3. Es wirkt auf Natriumionenkanäle des Nervensystems und kann beim Menschen starke Schmerzen, Schwellungen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen und in seltenen Fällen Atemlähmung verursachen. Todesfälle sind dokumentiert, betreffen aber überwiegend Kleinkinder und gesundheitlich vorbelastete Personen. In Brasilien steht ein wirksames Antiserum zur Verfügung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung wird durch das Männchen eingeleitet, das sich dem Weibchen mit vorsichtigen Vibrationssignalen nähert. Die Balz ist risikoreich: Weibchen reagieren häufig aggressiv, und das Männchen wird nicht selten vor, während oder nach der Kopulation angegriffen und getötet. Zur Spermienübertragung nutzt das Männchen seine umgewandelten Pedipalpen, die es zuvor mit einem Spermanetz beladen hat.
Nach erfolgreicher Begattung fertigt das Weibchen einen oder mehrere Eikokons an,