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Braune Einsiedlerspinne

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Tierart – Spinnentiere > Giftspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Loxosceles reclusa
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Sicariidae (Sechsaugige Sandspinnen)
  • Gattung: Loxosceles
  • Lebensraum: Trockene, geschützte Verstecke in Gebäuden, unter Steinen, in Holzstapeln
  • Körperlänge: 6–20 mm (ohne Beine)
  • Beinspannweite: bis ca. 40 mm
  • Gewicht: ca. 0,2–0,5 g
  • Lebenserwartung: 2–4 Jahre, unter günstigen Bedingungen bis 7 Jahre

Aussehen & Merkmale

Die Braune Einsiedlerspinne ist eine mittelgroße Spinne von unauffälliger, gleichmäßig hell- bis dunkelbrauner Färbung. Ihr Prosoma (Vorderkörper) trägt eine charakteristische, dunkler gefärbte Zeichnung in Form einer Geige, deren „Hals" zur Hinterseite des Kopfbruststücks zeigt. Dieses Merkmal hat der Art im englischsprachigen Raum den Beinamen „Fiddleback Spider" oder „Violin Spider" eingetragen.

Ein taxonomisch entscheidendes Unterscheidungsmerkmal gegenüber den meisten anderen Spinnen ist die Augenanordnung: Loxosceles reclusa besitzt lediglich sechs Augen, die in drei Paaren (Dyaden) angeordnet sind – ein Merkmal, das die gesamte Familie der Sicariidae teilt. Die Mehrzahl der Webspinnen verfügt dagegen über acht Augen.

Das Opisthosoma (Hinterleib) ist einheitlich gefärbt, ohne auffällige Muster oder Bänderung. Die Beine sind lang, dünn und gleichmäßig behaart, ohne Dornen oder Stacheln. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind vergleichsweise klein, aber funktional hoch wirksam bei der Giftinjektion.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Braunen Einsiedlerspinne erstreckt sich über die süd-zentralen Vereinigten Staaten – von Nebraska im Norden bis Texas im Süden, von Georgia im Osten bis zu den östlichen Ausläufern der Rocky Mountains im Westen. Fundmeldungen außerhalb dieses Kernareals beruhen häufig auf Fehlbestimmungen, da die Gattung Loxosceles weltweit rund 140 Arten umfasst, von denen mehrere ein ähnliches Erscheinungsbild aufweisen. Verwandte Arten wie Loxosceles laeta (Chilenische Winkelspinne) kommen in Südamerika vor, während Loxosceles rufescens (Mittelmeer-Einsiedlerspinne) im Mittelmeerraum und vereinzelt auch in Mitteleuropa nachgewiesen wurde.

Das bevorzugte Habitat der Braunen Einsiedlerspinne sind trockene, ungestörte Rückzugsräume. In der Natur besiedelt sie Spalten unter Felsen, lose Rindenstücke und Nagetierbauten. Als ausgesprochener Kulturfolger hat sie sich jedoch stark an menschliche Siedlungsräume angepasst. In Gebäuden findet man sie in Kellern, Dachböden, Abstellräumen, hinter Möbelstücken, in selten getragener Kleidung und in Kartonagen. Einzelne Gebäude können Hunderte bis Tausende Individuen beherbergen, ohne dass die Bewohner dies bemerken.

Ernährung

Die Braune Einsiedlerspinne ernährt sich von kleinen Gliederfüßern – vorwiegend Insekten wie Schaben, Silberfischchen, Grillen und anderen Spinnen. Sie ist eine aktive Jägerin, die kein geordnetes Fangnetz baut. Zwar produziert sie Spinnseide für ihren Rückzugsbereich und Eierkokons, doch zum Beutefang nutzt sie diese nicht systematisch. Die Beute wird durch einen Giftbiss überwältigt und anschließend extraintestinal verdaut: Die Spinne injiziert Verdauungsenzyme in die Beute und saugt den verflüssigten Inhalt auf.

Verhalten & Lebensweise

Loxosceles reclusa ist streng nachtaktiv. Tagsüber verbirgt sie sich in ihrem unregelmäßig gesponnenen, flächigen Gespinst, das keinem typischen Radnetz ähnelt, sondern eher einer lockeren, klebrigen Matte. Nachts verlässt sie dieses Retreat, um auf Beutesuche zu gehen.

Ihrem Namen entsprechend lebt die Art einzelgängerisch und meidet Konfrontationen. Bei Störung flüchtet sie in aller Regel. Bisse an Menschen ereignen sich fast ausschließlich, wenn die Spinne unbeabsichtigt eingeklemmt wird – etwa in Schuhen, Handschuhen oder Bettwäsche. Trotz der mitunter hohen Populationsdichten in Wohnhäusern sind Bissvorfälle insgesamt selten.

Die Art zeigt eine ausgeprägte Trockenheitstoleranz und kann mehrere Monate ohne Nahrung und Wasser überleben. Temperaturen zwischen 20 und 35 °C sind optimal; Kälteperioden übersteht sie in geschützten Mikrohabitaten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit liegt in den wärmeren Monaten zwischen Mai und Juli. Das Männchen nähert sich dem Weibchen vorsichtig und leitet die Balz durch rhythmisches Vibrieren der Beine und des Vorderkörpers ein. Nach der Kopulation, bei der das Männchen Sperma mittels seiner Pedipalpen überträgt, trennen sich die Geschlechter. Das Männchen wird – anders als bei vielen anderen Spinnenarten – nicht regelmäßig vom Weibchen gefressen.

Das Weibchen produziert im Laufe seines Lebens bis zu fünf Eierkokons, die jeweils 20 bis 50 Eier enthalten. Die weißlichen, rundlichen Kokons werden im Gespinst befestigt und vom Weibchen bewacht. Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Jungspinnen (Nymphen), die insgesamt acht Häutungen durchlaufen, bevor sie nach rund einem Jahr die Geschlechtsreife erreichen. Das Exoskelett wird bei jeder Häutung (Ecdysis) abgestreift