T Tierlexikon.net
← Lexikon

Rotrückenspinne

R

Tierart – Spinnentiere > Giftspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Latrodectus hasselti
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
  • Gattung: Echte Witwen (Latrodectus)
  • Lebensraum: Trockene, warme Habitate; urban und suburban geprägte Gebiete, Buschland, Wüstenränder
  • Größe: Weibchen 10–14 mm Körperlänge (ohne Beine), Männchen 3–4 mm
  • Gewicht: Weibchen ca. 0,5–1 g, Männchen deutlich unter 0,1 g
  • Lebenserwartung: Weibchen 2–3 Jahre, Männchen wenige Monate

Aussehen & Merkmale

Die Rotrückenspinne gehört zu den am leichtesten erkennbaren Spinnenarten weltweit. Das Weibchen besitzt einen kugelförmigen, glänzend schwarzen Hinterleib (Opisthosoma), der auf der Oberseite einen auffälligen roten bis orangeroten Längsstreifen trägt. Dieser dorsale Streifen, der sich sanduhrförmig auch auf die Bauchseite erstrecken kann, dient als Warnsignal gegenüber potenziellen Fressfeinden – ein klassisches Beispiel für aposematische Färbung. Der Vorderkörper (Prosoma) ist ebenfalls schwarz und trägt acht Augen in zwei Reihen, die typisch für die Familie der Haubennetzspinnen angeordnet sind.

Männchen sind erheblich kleiner als Weibchen und zeigen eine weniger kontrastreiche Färbung. Ihr Hinterleib ist braun bis grau mit helleren Flecken und gelegentlich einem angedeuteten roten Streifen. Juvenile Tiere beider Geschlechter tragen zunächst eine helle Zeichnung, die sich mit zunehmenden Häutungen verändert. Die Beine sind lang, dünn und bei Weibchen einheitlich schwarz; bei Männchen heller gebändert. Wie alle Spinnentiere besitzt die Rotrückenspinne vier Beinpaare, Cheliceren (Kieferklauen) mit Giftdrüsen sowie Pedipalpen, die beim Männchen zu Begattungsorganen umgebildet sind.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Rotrückenspinne liegt in Australien, wo sie auf dem gesamten Kontinent einschließlich Tasmaniens vorkommt. Als ausgesprochen synanthrope Art hat sie sich stark an menschliche Siedlungsräume angepasst. Typische Fundorte sind Schuppen, Garagen, Briefkästen, Gartenmöbel, unter Steinen, in Regenrinnen und zwischen gestapeltem Material. In natürlichen Biotopen bewohnt sie trockenes Buschland, lichte Waldränder und aride Gebiete.

Durch internationalen Warenverkehr wurde Latrodectus hasselti in zahlreiche Regionen verschleppt. Etablierte Populationen existieren in Teilen Südostasiens – insbesondere in Japan, wo sich die Art seit den 1990er-Jahren in der Region Osaka ausgebreitet hat. Einzelfunde sind aus Neuseeland, Belgien, Großbritannien, Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten dokumentiert. In Europa konnten sich bislang keine dauerhaften Populationen etablieren, doch mit dem Klimawandel wird eine weitere Ausbreitung nicht ausgeschlossen.

Ernährung

Die Rotrückenspinne ernährt sich als Generalprädator von einer breiten Palette an Arthropoden. Zu den regelmäßigen Beutetieren zählen Käfer, Fliegen, Ameisen, Schaben und andere Spinnen. Gelegentlich werden auch größere Tiere wie kleine Eidechsen, Mäuse oder Schlangen im Netz gefangen – ein Verhalten, das auf die Effektivität ihres Fangnetzes zurückgeht.

Das Netz der Rotrückenspinne ist ein unregelmäßig gebautes, dreidimensionales Haubennetz. Es besteht aus einem oberen, verwirrten Fadengespinst und vertikal zum Boden gespannten Fangfäden, die mit klebrigen Tröpfchen besetzt sind. Berührt ein Beutetier einen dieser Bodenfäden, löst sich dieser vom Substrat und zieht die Beute nach oben. Die Spinne eilt herbei, umwickelt das Opfer mit Seide und injiziert ein neurotoxisches Gift, das die Beute lähmt und vorverdaut. Die eigentliche Nahrungsaufnahme erfolgt durch extraorale Verdauung: Die Spinne saugt die verflüssigten Körperinhalte auf.

Verhalten & Lebensweise

Rotrückenspinnen sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in einem röhrenförmigen Rückzugsbereich innerhalb ihres Netzes. Das Weibchen ist weitgehend standorttreu und verteidigt sein Netz gegenüber artfremden Eindringlingen, zeigt aber kein ausgeprägtes Revierverhalten gegenüber Artgenossen – mehrere Netze können dicht nebeneinander bestehen.

Die Art ist wenig aggressiv gegenüber Menschen und beißt in der Regel nur bei direktem Kontakt oder Druck auf den Körper. Das Gift enthält Alpha-Latrotoxin, ein Neurotoxin, das die Freisetzung von Neurotransmittern an den Nervenenden auslöst. Ein Biss kann beim Menschen das sogenannte Latrodektismus-Syndrom verursachen, das sich durch starke lokale Schmerzen, Schweißausbrüche, Übelkeit, Muskelkrämpfe und in schweren Fällen systemische Symptome äußert. Seit der Einführung eines spezifischen Antivenoms in Australien im Jahr 1956 sind keine gesicherten Todesfälle durch Rotrückenspinnen mehr dokumentiert worden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung der Rotrückenspinne gehört zu den am besten untersuchten Beispielen für sexuellen Kannibalismus im Tierreich. Das Männchen nähert sich dem Netz des Weibchens und signalisiert seine Anwesenheit durch rhythmisches Zupfen an den Fäden. Die eigentliche Kopulation erfolgt über die spezialisierten Pedipalpen des Männchens, die Sperma in die Geschlechtsöffnung (Epigyne) des Weibchens übertragen.

In etwa 65 % der beobachteten Paarungen wird das Männchen während oder unmittelbar nach der Kopulation vom Weib