T Tierlexikon.net
← Lexikon

Tarantel

T

Tierart – Spinnentiere > Giftspinnen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lycosa tarantula (Echte Tarantel)
  • Ordnung: Webspinnen (Araneae)
  • Familie: Wolfsspinnen (Lycosidae)
  • Gattung: Lycosa
  • Lebensraum: Trockene, offene Landschaften Südeuropas, insbesondere mediterrane Habitate
  • Körperlänge: 25–30 mm (Weibchen), 18–25 mm (Männchen)
  • Gewicht: ca. 2–5 g
  • Lebenserwartung: 3–5 Jahre

Begriffsklärung

Der Name „Tarantel" sorgt regelmäßig für Verwirrung, da er im Englischen (tarantula) für die großen tropischen Vogelspinnen (Familie Theraphosidae) verwendet wird. Die eigentliche Tarantel – Lycosa tarantula – gehört jedoch zur Familie der Wolfsspinnen (Lycosidae) und ist mit Vogelspinnen nicht näher verwandt. Der Name leitet sich von der süditalienischen Stadt Taranto (lateinisch: Tarentum) ab, wo die Art häufig vorkommt. Im historischen Volksglauben galt ihr Biss als Auslöser des sogenannten „Tarantismus", eines ekstatischen Tanzzustands, der angeblich nur durch wildes Tanzen – den Tarantella-Tanz – geheilt werden konnte. Aus medizinischer Sicht entbehrt diese Vorstellung jeder Grundlage.

Aussehen & Merkmale

Die Echte Tarantel ist eine kräftig gebaute Wolfsspinne mit einem kompakten Prosoma (Vorderkörper) und einem ovalen Opisthosoma (Hinterleib). Die Grundfärbung des Körpers variiert zwischen graubraun, dunkelbraun und schwärzlich, wobei die Oberseite des Opisthosoma eine charakteristische dunkle Zeichnung mit hellem Rand aufweist. Diese Musterung dient der Tarnung auf dem sandigen oder steinigen Untergrund ihres Habitats.

Wie alle Wolfsspinnen besitzt Lycosa tarantula acht Augen, die in drei Reihen angeordnet sind. Die beiden großen, nach vorne gerichteten Medianaugen der oberen Reihe sind besonders auffällig und ermöglichen ein vergleichsweise gutes Sehvermögen – eine Anpassung an die aktive Jagdweise dieser Familie. Die acht Laufbeine sind robust, leicht behaart und tragen an den Tarsen (Fußgliedern) dichte Haarbüschel, die das Greifen auf unterschiedlichen Oberflächen erleichtern. Die Cheliceren (Kieferklauen) sind kräftig entwickelt und mit Giftdrüsen verbunden.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Echten Tarantel erstreckt sich über weite Teile des Mittelmeerraums. Sie kommt in Süditalien, Spanien, Portugal, Griechenland, der Türkei und Teilen Nordafrikas vor. Ihr bevorzugtes Biotop sind trockene, offene Landschaften: Garigues, Macchien, Trockenrasen, Brachflächen, Olivenhaine und steinige Hänge. Entscheidend ist ein lockerer, grabfähiger Boden, da die Tarantel als Bewohnerin selbst gegrabener Erdröhren auf geeignetes Substrat angewiesen ist.

Die Wohnröhren können eine Tiefe von 20 bis 30 Zentimetern erreichen und sind am Eingang häufig mit einem kleinen Wall aus Erde, Steinchen und Pflanzenresten befestigt. Dieser Kragen dient vermutlich sowohl dem Schutz vor eindringendem Regenwasser als auch als erhöhter Ansitz für die Lauerjagd.

Ernährung

Lycosa tarantula ist eine reine Räuberin, die kein Fangnetz baut. Sie ernährt sich von Insekten und anderen Gliederfüßern, darunter Käfer, Grillen, Heuschrecken, Asseln und gelegentlich kleinere Spinnen. Die Beute wird entweder direkt am Röhreneingang überwältigt oder bei kurzen Vorstößen in der näheren Umgebung erbeutet. Die Tarantel nimmt Vibrationen im Boden wahr und reagiert blitzschnell auf vorbeilaufende Beutetiere. Der Biss der Cheliceren injiziert ein Gift, das die Beute rasch lähmt. Anschließend wird die Nahrung extraintestinal verdaut: Die Spinne spritzt Verdauungssekret in das Beutetier und saugt die verflüssigte Nahrung auf.

Verhalten & Lebensweise

Die Echte Tarantel lebt einzelgängerisch und ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber hält sie sich in ihrer Wohnröhre auf, deren Eingang sie bei Bedrohung mit ihrem Körper verschließen kann. Nachts sitzt sie häufig am Röhreneingang und lauert auf Beute. Gegenüber Artgenossen verhält sich Lycosa tarantula territorial; Begegnungen zwischen Individuen außerhalb der Paarungszeit enden oft aggressiv.

Das Gift der Tarantel ist für den Menschen medizinisch weitgehend unbedenklich. Ein Biss verursacht lokale Schmerzen, vergleichbar mit einem Wespenstich, sowie gelegentlich leichte Schwellungen und Rötungen. Systemische Vergiftungserscheinungen treten beim Menschen in der Regel nicht auf.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in den Mittelmeerregionen in die Monate Mai bis Juli. Das Männchen nähert sich der Wohnröhre des Weibchens und vollführt eine Balz, die aus rhythmischen Vibrationen der Pedipalpen und Vorderbeine auf dem Boden besteht. Diese Signale dienen dazu, das Weibchen als paarungsbereites Männchen zu identifizieren und nicht als Beutetier wahrgenommen zu werden. Nach erfolgreicher Paarung zieht sich das Männchen rasch zurück; kannibalistisches Verhalten seitens des Weibchens kommt vor, ist aber nicht die Regel.

Das Weibchen fertigt einen kugelförmigen Eikokon aus Spinnseide, der zwischen 50 und über 100 Eier enthalten kann. Diesen Kokon heftet es an seine Spinnwarzen und trägt ihn permanent mit sich. Sobald die Jungspinnen schlüpfen, klettern sie auf das Opis