Schwarze Witwe
STierart – Spinnentiere > Giftspinnen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Latrodectus mactans
- Ordnung: Webspinnen (Araneae)
- Familie: Kugelspinnen (Theridiidae)
- Gattung: Latrodectus (Echte Witwen)
- Lebensraum: Trockene, geschützte Habitate – Steinhaufen, Holzstapel, Schuppen, Erdlöcher
- Größe: Weibchen 8–15 mm Körperlänge (mit Beinen bis 40 mm), Männchen 3–6 mm
- Gewicht: Weibchen ca. 1 g, Männchen deutlich leichter
- Lebenserwartung: Weibchen 1–3 Jahre, Männchen wenige Monate
Aussehen & Merkmale
Die Schwarze Witwe gehört zu den bekanntesten Giftspinnen weltweit. Ihr Erscheinungsbild zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Das Weibchen besitzt einen kugelförmigen, glänzend schwarzen Hinterleib (Opisthosoma), auf dessen Unterseite eine rote bis orangerote Zeichnung in Form einer Sanduhr prangt. Dieses Merkmal dient als zuverlässiges Erkennungszeichen der Art. Der Vorderkörper (Prosoma) ist ebenfalls schwarz gefärbt und trägt acht Beine von verhältnismäßig schlanker Gestalt. Die Beine sind mit feinen Härchen besetzt, die als Sinnesorgane fungieren und Vibrationen im Netz registrieren.
Die Männchen sind erheblich kleiner und unscheinbarer. Ihre Körperfarbe variiert zwischen dunkelbraun und grau, häufig mit hellen Flecken oder Streifen auf dem Opisthosoma. Jungtiere beider Geschlechter ähneln zunächst den Männchen und nehmen erst nach mehreren Häutungen die artspezifische Färbung an. Wie alle Spinnentiere besitzen Schwarze Witwen keine Antennen oder Flügel, dafür aber Cheliceren (Kieferklauen) mit Giftdrüsen sowie Pedipalpen, die bei den Männchen als Begattungsorgane umgebildet sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet von Latrodectus mactans umfasst weite Teile Nordamerikas, von den südlichen USA bis nach Mexiko. Die Art bevorzugt trockene bis mäßig feuchte Biotope und meidet offene, windexponierte Flächen. Typische Habitate sind Steinspalten, Baumstümpfe, Erdhöhlen, verlassene Nagetierbaue sowie menschliche Siedlungsbereiche – Garagen, Kellerschächte, Außentoiletten und Geräteschuppen bieten ideale Rückzugsorte.
Zur Gattung Latrodectus gehören weltweit rund 31 anerkannte Arten, die umgangssprachlich als Witwen-Spinnen bezeichnet werden. In Europa ist die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus), auch Malmignatte genannt, im Mittelmeerraum verbreitet. Die Braune Witwe (Latrodectus geometricus) hat sich als kosmopolitische Art in tropischen und subtropischen Regionen etabliert. In Australien übernimmt die Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti) eine vergleichbare ökologische Nische. Durch Warentransport werden einzelne Exemplare gelegentlich nach Mitteleuropa verschleppt, eine dauerhafte Ansiedlung ist unter den hiesigen klimatischen Bedingungen bislang jedoch nicht dokumentiert.
Ernährung
Die Schwarze Witwe ernährt sich ausschließlich räuberisch. Als Netzjägerin baut sie ein unregelmäßiges, dreidimensionales Haubennetz aus extrem reißfester Spinnenseide, das bevorzugt in Bodennähe oder in geschützten Hohlräumen angelegt wird. Die Fangfäden sind mit klebrigen Tröpfchen versehen, an denen sich Beutetiere verfangen. Zum Nahrungsspektrum gehören Insekten wie Fliegen, Käfer, Grillen und Heuschrecken sowie andere Gliederfüßer. Gelegentlich werden auch kleinere Spinnenarten überwältigt.
Gerät ein Beutetier in das Netz, registriert die Spinne die Vibrationen über ihre Trichobothrien – feine Sinneshaare auf den Beinen. Sie nähert sich dem Opfer, umwickelt es mit Spinnfäden und versetzt einen Giftbiss. Das Neurotoxin lähmt die Beute, gleichzeitig werden Verdauungsenzyme injiziert, die das Gewebe verflüssigen. Die Spinne saugt die vorverdaute Nahrung anschließend auf. Dieses extraintestinale Verdauungsverfahren ist typisch für die meisten Webspinnen.
Verhalten & Lebensweise
Schwarze Witwen sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in einem Schlupfwinkel am Rand des Netzes. Sie gelten als standorttreu und verteidigen ihr Netz gegen Artgenossen, ohne jedoch ein Revier im klassischen Sinne zu beanspruchen. Gegenüber dem Menschen verhalten sie sich scheu und zurückhaltend. Ein Biss erfolgt in der Regel nur bei direktem Körperkontakt, etwa wenn die Spinne in Schuhen oder Handschuhen eingeklemmt wird.
Das Gift der Schwarzen Witwe enthält Alpha-Latrotoxin, ein potentes Neurotoxin, das die Ausschüttung von Neurotransmittern an den Nervenenden bewirkt. Beim Menschen führt ein Biss – als Latrodektismus bezeichnet – zu starken Muskelkrämpfen, Bauchschmerzen, Schweißausbrüchen und Blutdruckanstieg. Todesfälle sind bei gesunden Erwachsenen selten, für Kleinkinder, ältere oder vorerkrankte Personen kann ein unbehandelter Biss jedoch lebensbedrohlich sein. Ein spezifisches Antivenin steht in den Verbreitungsgebieten zur Verfügung.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung der Schwarzen Witwe folgt einem ritualisierten Ablauf. Das Männchen nähert sich dem Netz des Weibchens und erzeugt durch rhythmisches Zupfen an den Fäden artspezifische Vibrationsmuster – eine Form der Balz, die das Weibchen davon abhalten soll, den potenziellen Partner als Beute zu behandeln.