Brieftaube
BTierart – Vögel > Tauben
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Columba livia forma domestica
- Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
- Familie: Tauben (Columbidae)
- Gattung: Feldtauben (Columba)
- Stammform: Felsentaube (Columba livia)
- Lebensraum: Domestiziert; Haltung in Taubenschlägen weltweit
- Größe: 30–35 cm Körperlänge, Flügelspannweite 60–70 cm
- Gewicht: 300–500 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre, in guter Haltung bis zu 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Brieftaube ist eine durch gezielte Zucht entstandene Hausform der Felsentaube (Columba livia). Ihr Körperbau ist kompakt und muskulös, mit einer tiefen, gut gewölbten Brust, die auf die ausgeprägte Flugmuskulatur hinweist. Der Kopf ist rundlich, der Schnabel mittellang und an der Basis von hellen Wachshäuten umgeben. Die Augen sind auffällig und von einem schmalen, unbefiederten Augenring umgeben, dessen Farbe je nach Schlag variiert.
Das Gefieder ist glatt und dicht anliegend, was den Luftwiderstand beim Flug verringert. Die Farbgebung ist vielfältig: Neben der typischen blaugrauen Wildfarbe mit zwei schwarzen Flügelbinden kommen Scheckungen, rote, schwarze und weiße Varianten vor. Die Schwungfedern sind kräftig und elastisch, die Steuerfedern des Schwanzes relativ kurz. Die Füße sind unbefiedert und rötlich gefärbt, mit vier Zehen – drei nach vorn, eine nach hinten gerichtet (anisodaktyl).
Im Vergleich zu anderen Haustaubenrassen zeichnet sich die Brieftaube durch einen strömungsgünstigen Körperbau aus. Erfahrene Züchter legen Wert auf ein seidiges, eng anliegendes Federkleid, eine kräftige Kielmuskulatur und ein geringes Verhältnis von Körpergewicht zu Flügelfläche.
Lebensraum & Verbreitung
Als domestizierte Form besitzt die Brieftaube kein natürliches Verbreitungsgebiet im engeren Sinne. Ihre Stammform, die Felsentaube, besiedelt ursprünglich Felsklippen und Steilküsten im Mittelmeerraum, in Nordafrika, dem Nahen Osten und in Teilen Süd- und Zentralasiens. Von diesem Habitat leitet sich die Vorliebe aller Haustauben für erhöhte, geschützte Nistplätze ab.
Brieftauben werden heute auf allen Kontinenten außer der Antarktis gehalten. Ihr Biotop ist der vom Menschen bereitgestellte Taubenschlag – eine Behausung, die den natürlichen Felshöhlen nachempfunden ist und Schutz vor Witterung und Beutegreifern bietet. In Mitteleuropa konzentriert sich die Brieftaubenzucht auf Belgien, die Niederlande, Deutschland und Polen, wobei Belgien historisch als das Kernland des modernen Brieftaubensports gilt.
Ernährung
Brieftauben sind Körnerfresser (granivor). Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Getreidekörnern, Hülsenfrüchten und Ölsaaten. Eine typische Futtermischung enthält Weizen, Gerste, Mais, Erbsen, Wicken, Linsen und Sonnenblumenkerne. Während der Flugzeit und der Mauser wird der Anteil energiereicher und proteinreicher Komponenten erhöht.
Wie alle Tauben nehmen Brieftauben das Futter aufpickend auf und verschlucken die Körner ganz. Die mechanische Zerkleinerung erfolgt im Muskelmagen mithilfe aufgenommener Steinchen (Grit). Zusätzlich benötigen die Vögel Mineralstoffe, insbesondere Calcium und Phosphor, die über spezielle Mineralsteinmischungen angeboten werden. Der tägliche Wasserbedarf liegt bei etwa 30–60 ml; Tauben trinken – anders als die meisten Vögel – saugend, indem sie den Schnabel eintauchen und das Wasser durch Pumpbewegungen der Kehle aufnehmen.
Verhalten & Lebensweise
Brieftauben sind tagaktive Vögel mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Sie leben in Gruppen und bilden innerhalb des Taubenschlags eine Rangordnung. Paare bleiben oft über mehrere Brutperioden zusammen und verteidigen gemeinsam ihre Nestzelle gegen Artgenossen – ein Verhalten, das als Revierverteidigung im Kleinen betrachtet werden kann.
Die zentrale Eigenschaft der Brieftaube ist ihr Heimfindevermögen, fachsprachlich als Ortstreue oder Homing bezeichnet. Aufgelassene Tauben kehren über Entfernungen von mehreren hundert bis über tausend Kilometern zu ihrem Heimatschlag zurück. Die Orientierung stützt sich auf ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Sinne: Tauben nutzen das Erdmagnetfeld über Magnetitpartikel im Oberschnabel, die Stellung der Sonne als Kompass, olfaktorische Landkarten (Geruchsorientierung) und im Nahbereich visuelle Landmarken. Neuere Forschungen legen nahe, dass auch Infraschall – tieffrequente Schallwellen – zur Fernorientierung beitragen könnte.
Die Fluggeschwindigkeit einer trainierten Brieftaube liegt im Durchschnitt bei 60–80 km/h, auf kurzen Distanzen mit Rückenwind sind über 100 km/h möglich. Die Vögel fliegen bei Wettflügen oft in losen Gruppen, lösen sich aber im Verlauf des Fluges zunehmend auf, je näher sie ihrem jeweiligen Heimatschlag kommen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Brieftauben erreichen die Geschlechtsreife mit etwa fünf bis sechs Monaten. Die Balz des Täubers umfasst ein charakteristisches Gurren, Verneigungen, kreisende Drehbewegungen und das sogenannte „Treiben", bei dem der Täuber die Täubin dicht verfolgend durch den Schlag drängt. Nach erfolgreicher Paarung legt die Täubin in der Regel zwei weiße Eier im Abstand von etwa 44 Stunden.
Die Brutdauer beträgt 17–18 Tage. Beide El