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Stadttaube

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Tierart – Vögel > Tauben

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Columba livia forma domestica (verwilderte Form)
  • Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
  • Familie: Tauben (Columbidae)
  • Gattung: Feldtauben (Columba)
  • Stammform: Felsentaube (Columba livia)
  • Lebensraum: Städte, Dörfer, urbane Ballungsräume
  • Größe: 29–35 cm Körperlänge, Flügelspannweite 60–68 cm
  • Gewicht: 230–370 g
  • Lebenserwartung: 2–5 Jahre (freilebend), bis 15 Jahre (in Obhut)

Aussehen & Merkmale

Die Stadttaube zeigt eine außerordentlich variable Gefiederfärbung, was auf ihre Abstammung von verschiedenen Haustaubenrassen zurückgeht. Die Wildform – die Felsentaube – besitzt ein blaugraues Gefieder mit zwei deutlichen schwarzen Flügelbinden, einem irisierenden grün-violetten Halsschild und einem weißen Bürzel. Viele Stadttauben weisen dieses ursprüngliche Farbkleid noch auf, doch ebenso häufig treten gescheckte, braune, rötliche, schwarze oder nahezu weiße Individuen auf. Diese Farbenvielfalt ist ein direkter Hinweis auf die jahrhundertelange züchterische Selektion während der Domestikation.

Der Körperbau ist gedrungen und kräftig, der Kopf im Verhältnis zum Rumpf klein und rundlich. Der Schnabel ist relativ kurz und an der Basis von einer weißlichen Wachshaut bedeckt. Die Augen sind orange bis rötlich, die Beine kurz und unbefiedert mit rötlichen Füßen. Im Flug zeigt sich die Stadttaube als wendiger und schneller Flieger, der Geschwindigkeiten von über 70 km/h erreichen kann.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Stadttaube erstreckt sich heute über nahezu alle Kontinente. Überall dort, wo Menschen in Siedlungen leben, hat sich diese Taubenform etabliert. Die größten Populationen finden sich in den urbanen Zentren Europas, Nord- und Südamerikas, Australiens sowie Teilen Asiens und Afrikas. Die Art fehlt lediglich in den Polarregionen und in extrem abgelegenen Gebieten ohne menschliche Besiedlung.

Ihr bevorzugtes Habitat sind Gebäude mit Nischen, Simsen, Dachböden und Brückenunterführungen – Strukturen, die den natürlichen Felsnischen und Klippen ihrer Stammform entsprechen. Diese ökologische Parallele erklärt, warum sich die Stadttaube so erfolgreich im urbanen Biotop behauptet: Hochhäuser, Kirchtürme und historische Gebäudefassaden bieten dieselben Brutplatzstrukturen wie die Steilküsten des Mittelmeerraums, an denen die Felsentaube ursprünglich heimisch ist.

Ernährung

Stadttauben sind Körnerfresser mit einem breiten Nahrungsspektrum. In ihrer natürlichen Ernährung dominieren Sämereien, Getreidekörner, Hülsenfrüchte und Pflanzenteile. Im städtischen Umfeld nehmen sie jedoch opportunistisch auf, was verfügbar ist: Brotreste, Backwaren, Pommes frites, Reiskörner und andere Lebensmittelabfälle des Menschen.

Diese einseitige und oft kohlenhydratreiche Nahrung führt bei vielen Stadttauben zu Mangelernährung und damit verbundenen Gesundheitsproblemen. Tauben benötigen für eine ausgewogene Ernährung neben Sämereien auch mineralische Bestandteile wie Kalk und Grit, die sie zur Verdauung im Muskelmagen brauchen. In manchen Städten werden kontrollierte Futterstellen mit artgerechtem Körnerfutter betrieben, um die Ernährungssituation der Populationen zu verbessern und gleichzeitig die Bestände zu regulieren.

Verhalten & Lebensweise

Stadttauben sind tagaktive Vögel, die in Schwärmen leben und ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigen. Innerhalb der Gruppe besteht eine lose Rangordnung. Die Tiere sind standorttreu und nutzen regelmäßig dieselben Schlaf-, Brut- und Futterplätze. Ein festes Revier im engeren Sinne verteidigen sie hauptsächlich in unmittelbarer Umgebung des Nistplatzes.

Die Balz der Stadttaube ist auffällig: Das Männchen umkreist das Weibchen mit geschwelltem Kropf, aufgefächertem Schwanz und tiefen, gurrenden Rufen. Dabei nickt es rhythmisch mit dem Kopf und dreht sich wiederholt um die eigene Achse. Dieses Balzverhalten ist ganzjährig zu beobachten, da Stadttauben – anders als viele andere Vogelarten – nicht an eine bestimmte Brutsaison gebunden sind.

Die Orientierungsfähigkeit der Tauben ist legendär und beruht auf mehreren Sinnessystemen: Sie nutzen das Erdmagnetfeld, die Sonne als Kompass, visuelle Landmarken und nach neueren Erkenntnissen auch Geruchsinformationen, um zu ihrem Heimatort zurückzufinden. Diese Fähigkeit machte sich der Mensch seit der Antike in der Brieftaubenzucht zunutze.

Fortpflanzung & Aufzucht

Stadttauben leben in der Regel monogam und bilden feste Paarbindungen, die oft über mehrere Brutzyklen bestehen bleiben. Das Gelege besteht typischerweise aus zwei weißen Eiern, die auf einem spärlich gebauten Nest aus Zweigen, Halmen und urbanem Kleinmaterial abgelegt werden. Beide Elternvögel bebrüten das Gelege abwechselnd über einen Zeitraum von 17 bis 18 Tagen.

Die Jungvögel – sogenannte Squabs – schlüpfen nackt und blind und sind als Nesthocker vollständig auf die elterliche Fürsorge angewiesen. In den ersten Lebenstagen werden sie mit Kropfmilch gefüttert, einem proteinreichen Sekret, das in der Schleimhaut des Kropfes beider Elternvögel gebildet wird. Diese Kropfmilch ist unter Vögeln eine Besonderheit und findet sich außer bei Tauben nur bei Flamingos und einigen Pinguinarten. Nach etwa 30 bis 35 Tagen sind die Jungvögel flügge. Unter günstigen Bedingungen können