Fruchttaube
FTierart – Vögel > Tauben
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Treron, Ptilinopus, Ducula u. a. Gattungen (Unterfamilie Treroninae)
- Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
- Familie: Tauben (Columbidae)
- Unterfamilie: Fruchttauben (Treroninae)
- Lebensraum: Tropische und subtropische Wälder, Mangroven, Inselbiotope
- Größe: 15–50 cm je nach Art
- Gewicht: 80–1.000 g (Zwergfruchttauben ca. 80 g, Große Fruchttauben der Gattung Ducula bis über 1 kg)
- Lebenserwartung: 10–25 Jahre (artabhängig; in Gefangenschaft teils länger)
Aussehen & Merkmale
Fruchttauben gehören zu den farbenprächtigsten Vertretern der Familie Columbidae. Ihr Gefieder zeigt – je nach Gattung und Art – eine außergewöhnliche Bandbreite: Die Prachtfruchttauben der Gattung Ptilinopus tragen intensive Kombinationen aus Grün, Gelb, Purpur, Orange und Rosa, während die Grüntauben (Treron) ein überwiegend blattgrünes Federkleid besitzen, das hervorragend als Tarnung im Kronendach dient. Die großen Arten der Gattung Ducula, auch Kaiserliche Fruchttauben oder Muskatfruchttauben genannt, wirken dagegen vergleichsweise schlicht in Grau, Creme und dunklem Grün.
Der Körperbau ist gedrungen, der Kopf relativ klein. Der Schnabel ist kurz, leicht gebogen und an der Basis oft mit einer auffälligen Wachshaut versehen. Die Füße sind kräftig, die Zehen mit breiten Sohlen ausgestattet – eine Anpassung an das Leben im Geäst. Anders als viele Bodentauben besitzen Fruchttauben vergleichsweise kurze Beine, aber lange, kräftige Flügel, die einen schnellen, wendigen Flug durch dichte Vegetation ermöglichen. Ein Geschlechtsdimorphismus ist bei einigen Arten ausgeprägt: Männchen der Gattung Ptilinopus zeigen oft leuchtendere Gefiederfarben als Weibchen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Fruchttauben erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Regionen der Alten Welt – von Subsahara-Afrika über Süd- und Südostasien bis nach Australien und in die Inselwelt des Pazifiks. Die größte Artendiversität findet sich in Südostasien und auf den melanesischen sowie polynesischen Inseln. Allein auf Neuguinea kommen über 30 Arten vor.
Ihr bevorzugtes Habitat sind immergrüne Tiefland- und Bergregenwälder, Monsunwälder, Mangrovensümpfe und Sekundärwälder. Einige Arten besiedeln auch Galeriewälder, Plantagen und Gärten in Siedlungsnähe, sofern ausreichend fruchttragende Bäume vorhanden sind. Viele der auf kleinen ozeanischen Inseln endemischen Arten bewohnen extrem begrenzte Biotope, was sie besonders anfällig für Lebensraumverlust macht.
Ernährung
Fruchttauben sind, wie der Name nahelegt, ausgeprägte Frugivoren. Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus Früchten, Beeren und Samen verschiedenster Baumarten. Bevorzugt werden Feigen (Ficus spp.), Muskatnüsse, Lorbeerfrüchte und Palmfrüchte. Ergänzend nehmen einige Arten Blütenknospen, junge Blätter und gelegentlich Insekten auf.
Der Magen-Darm-Trakt der Fruchttauben ist an die Verarbeitung weicher Früchte angepasst: Der Muskelmagen ist dünnwandig und weniger kräftig als bei körnerfressenden Taubenarten. Größere Arten wie die Muskatfruchttaube (Ducula bicolor) können selbst hartschalige Früchte im Ganzen verschlucken und die Samen unverdaut wieder ausscheiden. Damit spielen Fruchttauben eine zentrale ökologische Rolle als Samenausbreiter (Zoochorie) in tropischen Waldökosystemen. Auf vielen Inseln sind sie die einzigen Wirbeltiere, die große Baumsamen über weite Strecken transportieren.
Verhalten & Lebensweise
Fruchttauben sind tagaktive Vögel, die den Großteil des Tages im Kronendach verbringen. Dort bewegen sie sich kletternd und hüpfend durch das Geäst, wobei sie trotz ihres oft auffälligen Gefieders erstaunlich schwer zu entdecken sind – das grüne Gefieder vieler Arten verschmilzt nahezu perfekt mit dem Laub.
Die meisten Arten leben einzelgängerisch oder in lockeren Paaren, finden sich aber an ergiebigen Nahrungsbäumen in größeren Gruppen zusammen. Solche temporären Ansammlungen können bei manchen Arten mehrere Dutzend Individuen umfassen. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist bei den meisten Fruchttaubenarten nicht bekannt; stattdessen folgen sie nomadisch dem saisonalen Fruchtangebot. Einige Populationen der Gattung Ducula legen regelmäßige Wanderungen zwischen Inseln zurück und fliegen dabei Strecken von über 100 Kilometern über offenes Meer.
Die Lautäußerungen variieren stark: Grüntauben geben melodische, oft flötende Rufe von sich, während die Rufe der Gattung Ducula tief und dröhnend klingen – bisweilen an das Brüllen eines Säugetiers erinnernd.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz der Fruchttauben umfasst artspezifische Lautäußerungen, Verbeugungen und Schwanzfächern. Manche Arten führen kurze Balzflüge aus, bei denen die Flügel geräuschvoll zusammengeschlagen werden. Nach der Paarbildung errichten beide Partner ein loses, plattformartiges Nest aus Zweigen, meist in mittlerer bis großer Höhe im Kronenbereich. Verglichen mit den Nestern anderer Taubenarten ist das Nest vieler Fruchttauben besonders dünn und fragil – dennoch reicht es für den Bruterfolg