Hohltaube
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Columba oenas
- Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
- Familie: Tauben (Columbidae)
- Gattung: Feldtauben (Columba)
- Lebensraum: Alte Laubwälder und Mischwälder mit Schwarzspechthöhlen, Parks, Alleen
- Größe: 28–34 cm Körperlänge, Flügelspannweite 60–66 cm
- Gewicht: 250–340 g
- Lebenserwartung: Bis zu 12 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Hohltaube ist die kleinste der drei in Mitteleuropa heimischen Wildtaubenarten der Gattung Columba und wird häufig mit der deutlich größeren Ringeltaube (Columba palumbus) oder der Straßentaube verwechselt. Ihr Gefieder ist überwiegend blaugrau mit einem leichten Grünschimmer an den Halsseiten, der bei günstiger Belichtung metallisch irisiert. Im Unterschied zur Ringeltaube fehlen ihr die auffälligen weißen Halsflecken und die weißen Flügelbinden. Die Brust zeigt einen schwachen rosa-violetten Ton, der zum Bauch hin in ein helleres Grau übergeht.
Der Schnabel ist gelblich mit rötlicher Basis, die Wachshaut weißlich. Die Augen sind dunkelbraun, die Beine rötlich. Ein diagnostisch wichtiges Merkmal im Flug sind die dunklen Flügelränder bei ansonsten gleichmäßig grauer Flügelunterseite sowie das Fehlen eines hellen Nackenflecks. Die Handschwingenspitzen sind deutlich dunkler als der Rest des Flügels. Der Schwanz zeigt eine breite, dunkle Endbinde und eine unauffällige helle Basis. Im Vergleich zur Straßentaube (Columba livia f. domestica) wirkt die Hohltaube insgesamt kompakter mit kürzerem Schwanz und rundlicherem Kopf.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Hohltaube erstreckt sich von Westeuropa und Nordafrika ostwärts bis nach Zentralasien. In Europa besiedelt sie vor allem die gemäßigten Breiten zwischen Südskandinavien und dem Mittelmeerraum. In Deutschland kommt sie als Brutvogel flächendeckend vor, ist jedoch nirgends besonders häufig.
Ihr bevorzugtes Habitat sind alte Laub- und Mischwälder mit einem ausreichenden Angebot an Baumhöhlen, insbesondere solchen, die vom Schwarzspecht (Dryocopus martius) gezimmert wurden. Ohne diese natürlichen Bruthöhlen kann sich die Art kaum ansiedeln – ein Umstand, der sie direkt an den Bestand alter, starker Bäume koppelt. Daneben nutzt sie auch Parkanlagen, lichte Auenwälder, Alleen und gelegentlich Gebäudenischen als Brutplatz. In den Wintermonaten ziehen die mittel- und nordeuropäischen Populationen als Kurzstreckenzieher in den westlichen Mittelmeerraum, während die Brutvögel Südwesteuropas überwiegend Standvögel sind. In milden Wintern überwintern zunehmend auch einzelne Hohltauben in Deutschland.
Ernährung
Die Hohltaube ernährt sich überwiegend pflanzlich. Den Hauptanteil der Nahrung bilden Sämereien von Wildkräutern, Getreide, Bucheckern, Eicheln und Leguminosen. Auf abgeernteten Äckern und Stoppelfeldern sucht sie gezielt nach Körnern und Samen. Im Frühjahr und Sommer ergänzen grüne Pflanzenteile wie Kleeblätter, junge Triebe und Knospen den Speiseplan. Tierische Nahrung spielt eine untergeordnete Rolle; gelegentlich werden kleine Schnecken und Insekten aufgenommen, besonders während der Aufzuchtperiode der Jungvögel. Die Nahrungssuche findet fast ausschließlich am Boden statt, oft auf offenen Flächen in Waldnähe. Dabei bilden Hohltauben außerhalb der Brutzeit kleinere Trupps, die sich gelegentlich mit Ringeltauben oder Straßentauben vergesellschaften.
Verhalten & Lebensweise
Die Hohltaube ist tagaktiv und führt ein eher zurückgezogenes Leben im Vergleich zu ihren auffälligeren Verwandten. Ihr Ruf ist ein dumpfes, rhythmisch wiederholtes „hu-uuh", das deutlich hohler klingt als der Gesang der Ringeltaube und der Art ihren deutschen Namen verlieh. Der Balzruf wird vom Männchen meist aus der Höhle heraus oder in unmittelbarer Nähe des Brutplatzes vorgetragen.
Der Balzflug besteht aus steilem Aufsteigen mit klatschenden Flügelschlägen und anschließendem Gleiten mit erhobenen Flügeln – ein Verhalten, das auch bei anderen Columba-Arten zu beobachten ist. Außerhalb der Brutzeit schließen sich Hohltauben zu kleinen Schwärmen zusammen, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Abends finden sie sich an traditionellen Schlafplätzen in dichtem Baumbestand ein. Das Revier um die Bruthöhle wird gegenüber Artgenossen verteidigt, wobei es aufgrund des begrenzten Höhlenangebots häufig zu Konkurrenzkämpfen mit anderen höhlenbrütenden Arten wie Dohle (Corvus monedula) oder Waldkauz (Strix aluco) kommt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit erstreckt sich von März bis August, wobei in günstigen Jahren zwei, selten drei Bruten stattfinden. Das Weibchen legt in der Regel zwei weiße Eier direkt auf den Boden der Bruthöhle, meist ohne nennenswerten Nestbau – allenfalls werden wenige Zweige und Federn eingetragen. Beide Elternvögel bebrüten das Gelege, wobei das Männchen vorwiegend tagsüber und das Weibchen nachts brütet. Die Brutdauer beträgt 16 bis 18 Tage.
Die Nestlinge schlüpfen blind und mit spärlichem gelblichen Dunengefieder. Sie werden in den ersten Lebenstagen mit Kropfmilch gefüttert, einer nährstoffreichen Substanz, die von beiden Eltern im Kropf produziert wird. Mit zunehmendem Alter erhalten die Jungvögel aufgeweichte Sämereien und schließlich feste Nahrung. Nach etwa 25 bis 28