Brunftschrei
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Definition und Überblick
Der Brunftschrei bezeichnet in der Jäger- und Weidmannssprache den charakteristischen Laut, den männliche Hirsche – insbesondere der Rothirsch – während der Paarungszeit (Brunft) ausstoßen. Dieser weithin hörbare, tiefe und durchdringende Ruf dient der Reviermarkierung, der Anlockung paarungsbereiter weiblicher Tiere (Kahlwild) sowie der Einschüchterung konkurrierender Rivalen. In der jagdlichen Fachsprache wird der Brunftschrei auch als Röhren bezeichnet, wobei der röhrende Hirsch zu den akustisch eindrücklichsten Naturerlebnissen der mitteleuropäischen Wildnis zählt.
Der Brunftschrei ist nicht mit allgemeinen Kontaktrufen oder Warnlauten zu verwechseln. Er tritt ausschließlich in der hormonell gesteuerten Brunftzeit auf und ist ein eindeutiges Zeichen sexueller Aktivität und sozialer Dominanz des jeweiligen Tieres.
Biologische Grundlagen
Die Brunft des Rothirsches fällt in Mitteleuropa in den Zeitraum von Mitte September bis Mitte Oktober. Auslöser ist die abnehmende Tageslichtlänge, die über die Zirbeldrüse eine verstärkte Ausschüttung von Testosteron bewirkt. Dieser Hormonschub führt zu tiefgreifenden physiologischen Veränderungen beim Platzhirsch: Der Kehlkopf vergrößert sich, die Halsmuskulatur schwillt an, und die gesamte Statur des Hirsches wirkt massiger. Diese körperlichen Anpassungen ermöglichen erst die Produktion der extrem tiefen, resonanzreichen Laute.
Der Brunftschrei wird durch eine kräftige Kontraktion des Zwerchfells und der Bauchmuskulatur erzeugt. Die Luft wird dabei stoßartig durch den abgesenkten Kehlkopf gepresst. Die Tonhöhe liegt häufig unter 100 Hertz, was dem Schrei seine charakteristische Tiefe verleiht. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Frequenz und Intensität des Brunftschreis Rückschlüsse auf die Körpergröße, das Alter und den Fitnesszustand des Hirsches zulassen. Weibliche Tiere und rivalisierende Hirsche können diese akustischen Informationen instinktiv auswerten.
Bedeutung im Sozialverhalten
Der Brunftschrei erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig:
- Reviermarkierung: Der Platzhirsch signalisiert durch anhaltendes Röhren seine Anwesenheit und seinen Anspruch auf ein bestimmtes Brunftrudel. Je häufiger und ausdauernder ein Hirsch röhrt, desto überzeugender demonstriert er seine Kondition.
- Rivalenabschreckung: Konkurrierende Hirsche – in der Jägersprache Beihirsche genannt – erkennen an Frequenz und Lautstärke des Brunftschreis die Stärke des Platzhirsches. Häufig kommt es zunächst zu einem akustischen Duell, bei dem sich zwei Hirsche gegenseitig anröhren, bevor ein Brunftkampf mit Geweihkontakt stattfindet.
- Anlockung des Kahlwilds: Die Alttiere und Schmaltiere orientieren sich akustisch am Brunftschrei und versammeln sich beim dominanten Hirsch. Der Ruf signalisiert genetische Qualität und Durchsetzungskraft.
Während der Hochbrunft röhrt ein starker Hirsch nahezu pausenlos, bei Tag und bei Nacht. Der Energieverbrauch ist enorm: Platzhirsche verlieren während der Brunftzeit bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts, da sie kaum Nahrung aufnehmen und ihre gesamte Kraft in Röhren, Treiben und Kämpfen investieren.
Der Brunftschrei in der Jagdpraxis
Für den Jäger hat der Brunftschrei eine erhebliche praktische Bedeutung. Durch das Verhören – also das aufmerksame Lauschen auf die Brunftrufe – kann der Weidmann den Standort von Hirschen lokalisieren, ihre ungefähre Stärke einschätzen und die Brunftaktivität in einem Revier beurteilen. Erfahrene Jäger erkennen am Klang des Röhrens, ob es sich um einen reifen Hirsch oder einen jüngeren, unterlegenen Beihirsch handelt.
Eine traditionelle Jagdtechnik während der Brunft ist die Hirschrufnachahmung mit einem Brunftrohr oder einer speziellen Lockpfeife. Dabei imitiert der Jäger den Brunftschrei eines Rivalen, um den Platzhirsch zum Heranziehen zu veranlassen. Diese als Hirschrufen bezeichnete Methode erfordert jahrelange Erfahrung, ein gutes Gehör und ein tiefes Verständnis des Verhaltens während der Brunft. Fehlerhafte Nachahmungen können den Hirsch vergrämen und das Brunftgeschehen empfindlich stören.
Auch bei der Brunftjagd – der Jagd auf Rothirsche während der Paarungszeit – spielt der Brunftschrei eine zentrale Rolle bei der Pirsch. Der Jäger nähert sich dem röhrenden Hirsch möglichst geräuschlos von der windabgewandten Seite, wobei das Röhren des Hirsches als akustische Deckung dient.
Brunftschrei bei anderen Wildarten
Obwohl der Begriff Brunftschrei primär mit dem Rothirsch verbunden ist, zeigen auch andere Cerviden und Wildarten arttypische Brunftrufe. Der Damhirsch produziert während seiner Brunft ein rhythmisches, rülpsendes Rufen, das deutlich weniger tief und resonanzreich ausfällt als das Röhren des Rothirsches. Der Sikahirsch stößt einen hohen, pfeifenden Brunftschrei aus, der an ein Quietschen erinnert. Beim Elch ist es die Elchkuh, die mit einem langgezogenen Ruf den Bullen anlockt, während der Elchbulle selbst eher mit einem tiefen Grunzen antwortet.
Beim Rehwild spricht man nicht von einem Brunftschrei im eigentlichen Sinne. Der Rehbock gibt während der Blattzeit – so die weidmännische Bezeichnung für die Rehbrunft – ein keuchendes Schnauben von sich, das als Keuchen oder Blatten bekannt ist. Die Ricke lockt mit einem hohen Fie