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Degu

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Octodon degus
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
  • Familie: Trugratten (Octodontidae)
  • Gattung: Octodon
  • Lebensraum: Halbwüsten, Buschland und offene Graslandschaften in Zentralchile
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 12–17 cm, Schwanzlänge 10–13 cm
  • Gewicht: 170–300 g
  • Lebenserwartung: 5–8 Jahre (in Gefangenschaft bis zu 10 Jahre)

Aussehen & Merkmale

Der Degu ist ein mittelgroßes Nagetier mit einem kompakten, leicht gedrungenen Körperbau. Das dichte Fell ist auf der Oberseite gelblich-braun bis graubraun gefärbt, während die Bauchseite deutlich heller, oft cremeweiß erscheint. Um die Augen herum zeigt sich ein heller Ring, der dem Gesicht einen charakteristischen Ausdruck verleiht. Die Ohren sind relativ groß, rundlich und nur spärlich behaart – sie dienen neben dem Hören auch der Thermoregulation.

Ein auffälliges Merkmal ist der lange, dünn behaarte Schwanz, der an der Spitze eine kleine, dunkle Quaste trägt. Dieser Schwanz ist äußerst empfindlich: Wird ein Degu am Schwanz festgehalten, kann sich die Haut ablösen – ein Schutzmechanismus gegenüber Fressfeinden. Der freiliegende Knochen trocknet anschließend ein und fällt ab; eine Regeneration findet nicht statt.

Die Zähne des Degus sind wie bei allen Nagetieren ständig nachwachsend. Die Schneidezähne sind bei gesunden Tieren orange gefärbt, was auf Eiseneinlagerungen im Zahnschmelz zurückgeht. Die Backenzähne weisen bei Betrachtung der Kaufläche eine charakteristische Achterform auf – ein Merkmal, das der Gattung Octodon (griechisch/lateinisch für „Achtzahn") ihren Namen gab.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Degus beschränkt sich auf einen relativ schmalen Streifen in Zentralchile, etwa zwischen dem 28. und 35. südlichen Breitengrad. Dort besiedelt er die westlichen Andenausläufer und das angrenzende Flachland in Höhenlagen von der Küstenebene bis auf etwa 1.200 Meter.

Das bevorzugte Habitat besteht aus offenem Buschland, halbtrockenen Graslandschaften und Strauchsteppen des sogenannten Matorral – eines mediterranen Vegetationstyps mit heißen, trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern. Degus benötigen Böden, die sich gut für das Anlegen unterirdischer Bauten eignen. Felsige, sehr harte oder stark vernässte Substrate werden gemieden. Die Nähe zu Sträuchern und niedrigem Bewuchs ist von Bedeutung, da diese sowohl als Nahrungsquelle als auch als Deckung vor Greifvögeln und anderen Prädatoren dienen.

Ernährung

Degus sind Herbivoren mit einem stark auf faserreiche Kost ausgerichteten Verdauungssystem. In ihrem natürlichen Biotop fressen sie Gräser, Kräuter, Samen, Rinde und Blätter verschiedener Sträucher. Saisonabhängig können auch Knollen und Wurzeln einen größeren Anteil der Nahrung ausmachen.

Eine physiologische Besonderheit ist die ausgeprägte Unverträglichkeit gegenüber Zucker. Degus besitzen eine sehr geringe Insulinproduktion und entwickeln bei zuckerreicher Ernährung rasch eine Form von Diabetes mellitus. Diese Eigenschaft macht sie in der biomedizinischen Forschung zu einem viel genutzten Tiermodell für die Erforschung von Zuckerkrankheit und damit verbundenen Augenerkrankungen. In der Heimtierhaltung muss daher strikt auf zucker- und stärkearme Ernährung geachtet werden – Obst und handelsübliche Nagersnacks sind ungeeignet.

Verhalten & Lebensweise

Degus sind ausgeprägt tagaktive Nagetiere mit Aktivitätsspitzen am Morgen und am späten Nachmittag. In der heißen Mittagszeit ziehen sie sich in ihre Baue zurück. Diese Baue bestehen aus komplexen Tunnelsystemen mit mehreren Ein- und Ausgängen, Nestkammern und Vorratskammern. Häufig werden die Tunnelnetze gemeinschaftlich von mehreren Familiengruppen genutzt und über Generationen hinweg erweitert.

Die Tiere leben in sozialen Gruppen von etwa 5 bis 15 Individuen, die sich aus mehreren verwandten Weibchen, ihrem Nachwuchs und einigen Männchen zusammensetzen. Innerhalb der Gruppe herrscht eine differenzierte Kommunikation über ein breites Repertoire an Lautäußerungen – Forscher haben über 15 verschiedene Ruftypen identifiziert, darunter Warnrufe, Kontaktrufe und aggressive Vokalisationen. Zusätzlich spielen Duftmarkierungen über Urin und Sekrete der Bauchdrüse eine Rolle bei der Reviermarkierung und individuellen Erkennung.

Ein weiteres interessantes Verhalten ist das gemeinschaftliche Sandbaden, das der Fellpflege dient und überschüssiges Hautfett entfernt. Auch gegenseitige Fellpflege (Allogrooming) ist häufig zu beobachten und stärkt die sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in den chilenischen Herbst und frühen Winter, etwa von Februar bis April. Nach einer für Nagetiere dieser Größe ungewöhnlich langen Tragzeit von rund 87 bis 93 Tagen bringt das Weibchen durchschnittlich vier bis sechs Jungtiere zur Welt. Die lange Tragzeit spiegelt sich im Entwicklungsstand der Neugeborenen wider: Degus kommen als Nestflüchter mit offenen Augen, vollständigem Fell und funktionsfähigem Gehör zur Welt.

Die Jungtiere werden etwa vier bis sechs Wochen gesäugt, nehmen aber bereits in der ersten Lebenswoche feste Nahrung auf. An der Aufzucht beteiligen sich neben der Mutter häufig auch andere Weibchen der Gruppe – ein Phänomen, das als kooperative