Emu
ETierart – Vögel > Flugunfähige & Laufvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dromaius novaehollandiae
- Ordnung: Laufvögel (Struthioniformes)
- Familie: Emus (Dromaiidae)
- Gattung: Dromaius
- Lebensraum: Offene Graslandschaften, Buschland, lichte Wälder und Halbwüsten Australiens
- Größe: 150–190 cm (Standhöhe)
- Gewicht: 30–55 kg, in Einzelfällen bis 60 kg
- Lebenserwartung: 10–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 35 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Emu ist nach dem Afrikanischen Strauß der zweitgrößte lebende Vogel der Erde. Sein Körperbau ist auf ausdauerndes Laufen ausgelegt: Lange, kräftige Beine mit drei Zehen tragen den massiven Rumpf, während die Flügel auf rudimentäre Stummel von etwa 20 cm Länge reduziert sind. Zum Fliegen taugen sie nicht, dienen aber der Thermoregulation und der Balance bei schnellen Richtungswechseln.
Das Gefieder des Emus unterscheidet sich grundlegend von dem flugfähiger Vögel. Jede Feder besitzt zwei gleichlange, voneinander getrennte Federschäfte, die vom selben Kiel abzweigen. Dadurch wirkt das Federkleid eher haarig als glatt. Die Färbung variiert von graubraun bis dunkelbraun, wobei Kopf und Hals spärlicher befiedert sind und die bläulich-schwarze Haut durchscheinen lassen. Ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus fehlt weitgehend – Weibchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Männchen, doch äußerlich sind die Geschlechter kaum zu unterscheiden.
Die Augen sind orangebraun, der Schnabel breit und flach. Am Hals befindet sich ein dehnbarer Kehlsack, der bei der Lautgebung eine Rolle spielt. Emus können tiefe, dröhnende Trommellaute erzeugen, die über mehrere Kilometer hörbar sind – insbesondere die Weibchen nutzen diese Rufe während der Balzzeit.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Emus erstreckt sich über nahezu den gesamten australischen Kontinent. Er besiedelt eine Vielzahl von Habitaten: offenes Grasland, Savannen, Eukalyptuswälder, Küstenheide und die Randzonen der australischen Wüsten. Dicht bewaldete Regenwälder und extrem aride Wüstenkerne meidet er dagegen. Ebenso fehlt er auf Tasmanien, wo die dort heimische Unterart (Dromaius novaehollandiae diemenensis) im 19. Jahrhundert ausgerottet wurde. Auch die einst auf King Island und Kangaroo Island vorkommenden Populationen – teils als eigenständige Arten beschrieben (Dromaius ater, Dromaius baudinianus) – sind ausgestorben.
Emus sind ausgeprägte Nomaden. Sie folgen saisonalen Niederschlägen und der damit verbundenen Nahrungsverfügbarkeit. Wanderungen von mehreren Hundert Kilometern sind dokumentiert. In Westaustralien führten solche Massenwanderungen 1932 zum sogenannten „Emu War", bei dem das australische Militär erfolglos versuchte, Tausende Emus von landwirtschaftlichen Flächen fernzuhalten.
Ernährung
Der Emu ist ein Allesfresser mit vorwiegend pflanzlicher Kost. Sein Speiseplan umfasst Samen, Früchte, Blüten, junge Triebe und Wurzeln. Daneben frisst er Insekten, Raupen, Heuschrecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere. Wie viele andere Laufvögel verschluckt der Emu Steine (Gastrolithen), die im Muskelmagen die Zerkleinerung harter Nahrungsbestandteile unterstützen. Er benötigt regelmäßig Zugang zu Wasser und trinkt oft große Mengen auf einmal.
Verhalten & Lebensweise
Emus sind vorwiegend tagaktiv, wobei sie in heißen Regionen die Mittagsstunden ruhend im Schatten verbringen und ihre Aktivität in die kühleren Morgen- und Abendstunden verlagern. Sie leben überwiegend einzelgängerisch oder in losen Gruppen ohne feste soziale Hierarchie. Größere Ansammlungen entstehen an ergiebigen Nahrungs- oder Wasserstellen, lösen sich aber rasch wieder auf.
Im Lauf erreichen Emus Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Ihre langen Schritte messen dabei rund 2,5 bis 3 Meter. Sie sind gute Schwimmer und durchqueren bei Bedarf Flüsse und Seen. Feste Reviere verteidigen Emus nicht; ihr Raumnutzungsverhalten ist opportunistisch und von der Verfügbarkeit von Nahrung und Wasser bestimmt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Brutzeit fällt in den australischen Winter (Mai bis Juli). Während der Balz gibt das Weibchen die charakteristischen trommelartigen Rufe von sich, um Männchen anzulocken. Nach der Paarbildung legt das Weibchen über mehrere Tage zwischen 5 und 15 große, dunkelgrüne Eier in ein vom Männchen vorbereitetes Bodennest – eine flache Mulde, die mit Gras, Blättern und Rinde ausgelegt ist. Jedes Ei wiegt zwischen 450 und 650 Gramm.
Ab dem Beginn der Brut übernimmt ausschließlich das Männchen die Bebrütung. Über einen Zeitraum von etwa 56 Tagen verlässt es das Nest kaum, frisst und trinkt wenig und verliert dabei bis zu einem Drittel seines Körpergewichts. Das Weibchen entfernt sich nach der Eiablage und paart sich in manchen Fällen mit weiteren Männchen – ein Verhalten, das als Polyandrie bezeichnet wird.
Die Küken schlüpfen mit einem gestreiften Daunenkleid, das der Tarnung dient. Sie sind Nestflüchter und folgen dem Vater unmittelbar nach dem Schlupf. Das Männchen führt und beschützt die Jungvögel über einen Zeitraum von fünf bis sieben Monaten, mitunter bis zu 18 Monaten. Es verteidigt sie dabei aggressiv gegen Fressfeinde und Artgenossen. Die Geschlechts