Humboldt-Pinguin
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Spheniscus humboldti
- Ordnung: Pinguine (Sphenisciformes)
- Familie: Pinguine (Spheniscidae)
- Gattung: Brillenpinguine (Spheniscus)
- Lebensraum: Felsküsten und vorgelagerte Inseln entlang der Pazifikküste Südamerikas
- Größe: 56–70 cm
- Gewicht: 3,5–5,9 kg
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 30 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Der Humboldt-Pinguin gehört zu den mittelgroßen Vertretern der Familie Spheniscidae. Sein Gefieder zeigt die für Pinguine typische Gegenzeichnung: Die Oberseite ist schwarz-grau, die Bauchseite weiß. Ein charakteristisches Merkmal ist das hufeisenförmige, schwarze Brustband, das sich an den Flanken entlang bis zu den Oberschenkeln zieht. Ein weiteres weißes Band verläuft vom Bereich oberhalb der Augen über die Kopfseiten bis zur Kehle und grenzt die dunkle Kopfplatte deutlich ab.
Im Gesicht fällt die nackte, rosafarbene Haut an der Schnabelbasis und rund um die Augen auf. Diese unbefiederten Hautstellen dienen der Thermoregulation – über sie kann der Vogel überschüssige Körperwärme abgeben, was in seinem vergleichsweise warmen Verbreitungsgebiet von Vorteil ist. Der kräftige Schnabel ist schwarz mit einer grauen Basis. Die Füße sind schwarz mit rosafarbenen Flecken, die individuell variieren.
Vom eng verwandten Magellan-Pinguin (Spheniscus magellanicus) lässt sich der Humboldt-Pinguin am einfachsten durch das einzelne Brustband unterscheiden – der Magellan-Pinguin besitzt zwei. Der ebenfalls zur Gattung Spheniscus gehörende Brillenpinguin (Spheniscus demersus) aus Südafrika ähnelt ihm stark, hat jedoch ein schmaleres Brustband und eine andere Schnabelfärbung.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Humboldt-Pinguins erstreckt sich entlang der Pazifikküste Südamerikas von Peru (etwa ab dem 5. Breitengrad Süd) bis nach Zentralchile (etwa 42. Breitengrad Süd). Die Art ist eng an den kalten, nährstoffreichen Humboldtstrom gebunden, der ihrem Lebensraum den Namen gibt. Dieser Meeresstrom transportiert kaltes Tiefenwasser an die Oberfläche und sorgt für eine enorme Produktivität im Ökosystem.
Als Habitat bevorzugt der Humboldt-Pinguin felsige Küstenabschnitte, Klippen und vorgelagerte Inseln. Die Brutkolonien befinden sich häufig auf Inseln, die Schutz vor landgebundenen Prädatoren bieten. Historisch nutzten die Pinguine meterdicke Guanoschichten als Nistmaterial, in die sie Bruthöhlen gruben. Durch den industriellen Guanoabbau im 19. und 20. Jahrhundert gingen diese Bruthabitate großflächig verloren.
Ernährung
Humboldt-Pinguine sind ausschließlich auf marine Nahrung angewiesen. Ihre Hauptbeute besteht aus Schwarmfischen wie der Peruanischen Sardelle (Anchoveta, Engraulis ringens), Sardinen und kleinen Heringen. Ergänzend fressen sie Krill, Tintenfische und andere Krebstiere.
Die Jagd erfolgt tauchend, wobei die Vögel ihre zu Flossen umgebildeten Flügel als Antrieb nutzen. Sie erreichen Tauchtiefen von bis zu 60 Metern, halten sich bei der Nahrungssuche aber überwiegend in Tiefen von 10–30 Metern auf. Ein Jagdausflug kann die Tiere 15–35 Kilometer von der Kolonie wegführen. Die Nahrungsaufnahme erfolgt unter Wasser – die Fische werden im Ganzen verschluckt. Rückwärts gerichtete Stacheln auf Zunge und Gaumen verhindern, dass die glitschige Beute entgleitet.
Verhalten & Lebensweise
Humboldt-Pinguine sind tagaktiv und verbringen den Großteil des Tages im Wasser auf Nahrungssuche. Sie leben in Kolonien, deren Größe stark variiert – von wenigen Dutzend bis zu mehreren Tausend Brutpaaren. Innerhalb der Kolonie verteidigt jedes Paar sein unmittelbares Nestrevier gegenüber Artgenossen, teils mit lautstarken Rufen und Schnabelhieben.
Die Kommunikation erfolgt über ein Repertoire verschiedener Lautäußerungen. Der sogenannte Trompetenruf dient der Partnererkennung und Reviermarkierung. Eltern und Küken erkennen sich gegenseitig an individuellen Rufmustern, selbst inmitten einer lautstarken Kolonie mit Hunderten von Vögeln.
An Land bewegen sich Humboldt-Pinguine im aufrechten Gang oder nutzen bei steilen Felsen alle vier Extremitäten zum Klettern. Im Wasser erreichen sie Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h und sind so wendige Schwimmer, dass sie selbst schnellen Fischschwärmen folgen können.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Humboldt-Pinguin lebt in der Regel monogam, wobei die Paarbindung über mehrere Brutsaisons bestehen kann. Die Balz umfasst gegenseitige Verbeugungen, Kopfbewegungen und lautes Rufen. Im Gegensatz zu vielen anderen Pinguinarten hat der Humboldt-Pinguin keine streng festgelegte Brutsaison – in Peru kann ganzjährig gebrütet werden, in Chile konzentriert sich die Brut auf die Monate März bis Mai sowie September bis Oktober.
Das Gelege besteht aus zwei Eiern, die in Bruthöhlen, Felsspalten oder Mulden im Guano abgelegt werden. Beide Elternteile bebrüten die Eier abwechselnd über einen Zeitraum von 39–43 Tagen. Die Küken schlüpfen mit einem grauen Daunenkleid und werden in den ersten Wochen ständig von einem Elternteil bewacht, während das andere Nahrung beschafft. Nach etwa 10–12 Wochen sind