Ende
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Definition und Überblick
Der Begriff Ende bezeichnet in der Jäger- und Weidmannssprache die einzelne Zacke oder Spitze am Geweih von Hirschen und anderen Cerviden. Im allgemeinen Sprachgebrauch oft als „Geweihzacke" oder „Sprosse" beschrieben, ist das Ende in der Fachsprache der Jäger ein klar definierter Begriff, der zur genauen Beschreibung und Bewertung eines Geweihs dient. Die Anzahl der Enden gibt Auskunft über das Alter, die körperliche Verfassung und die genetische Qualität eines Hirsches und ist damit ein zentrales Kriterium bei der Beurteilung von Trophäen und der Altersansprache im Revier.
Zählung und Benennung der Enden
Die Enden werden an beiden Geweihstangen getrennt gezählt und dann zusammengerechnet. Ein Hirsch mit fünf Enden an der linken und sechs Enden an der rechten Stange wird als ungerader Elfender bezeichnet. Sind an beiden Stangen gleich viele Enden vorhanden, spricht man von einem geraden Hirsch – beispielsweise einem geraden Zehnender mit jeweils fünf Enden pro Stange.
Damit eine Spitze als Ende gezählt wird, muss sie bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. Nach den Richtlinien des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) gilt eine Spitze erst dann als Ende, wenn sie mindestens zwei Zentimeter lang ist oder wenn ihre Länge die Breite an der Basis übersteigt. Kurze Erhebungen oder Knöpfe, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden als sogenannte Scheinenden oder Knöpfe nicht mitgezählt.
Die einzelnen Enden und ihre Bezeichnungen
Am Geweih des Rothirsches tragen die einzelnen Enden je nach ihrer Position an der Stange eigene Fachbezeichnungen:
- Augsprosse: Das unterste Ende, das direkt über der Rose entspringt und in Richtung des Gesichts zeigt. Sie dient unter anderem als Schutz der Augen bei Kämpfen.
- Eissprosse: Das zweite Ende oberhalb der Augsprosse. Dieses Ende ist nicht bei jedem Hirsch ausgebildet und fehlt häufig bei jüngeren Stücken.
- Mittelsprosse: Das dritte Ende, das etwa auf halber Höhe der Stange sitzt. Auch dieses Ende ist nicht immer vorhanden.
- Wolfssprosse: Eine selten vorkommende zusätzliche Sprosse zwischen Mittelsprosse und Krone, die gelegentlich bei kapitalen Hirschen auftritt.
- Krone: Der obere Abschluss des Geweihs, an dem sich die Stange in mehrere Enden aufteilt. Eine gut ausgebildete Krone mit drei oder mehr Enden gilt als Zeichen eines reifen und starken Hirsches. Man spricht dann von einer Dreierkrone, Viererkrone oder noch seltener von einer Fünferkrone.
Beim Damhirsch unterscheidet sich die Geweihstruktur deutlich. Hier bildet sich im oberen Bereich keine Krone, sondern eine breite Schaufel, deren Randsprossen ebenfalls als Enden gezählt werden. Beim Rehbock ist die Endenzahl deutlich geringer – ein typisches Rehgehörn weist pro Stange bis zu drei Enden auf, wobei man von einem Sechserbock als gut veranlagtem Stück spricht.
Bedeutung der Enden für die Altersansprache
Die Anzahl der Enden steht in einem losen Zusammenhang mit dem Alter eines Hirsches, darf aber nicht als alleiniges Kriterium herangezogen werden. Ein junger Rothirsch trägt im zweiten Lebensjahr häufig nur einfache Spieße ohne weitere Enden. In den Folgejahren nimmt die Endenzahl in der Regel zu, wobei die genetische Veranlagung, die Ernährungssituation und der allgemeine Gesundheitszustand entscheidenden Einfluss haben. Ein Hirsch erreicht seinen stärksten Geweihaufbau meist zwischen dem zehnten und zwölften Lebensjahr. Danach kann es zum sogenannten Zurücksetzen kommen, bei dem die Endenzahl und die Geweihsubstanz wieder abnehmen.
Erfahrene Jäger nutzen die Endenzahl daher stets in Kombination mit anderen Merkmalen wie Stangenlänge, Rosenumfang, Perlung und Geweihgewicht, um ein Stück zuverlässig anzusprechen.
Enden in der Trophäenbewertung
Bei der Trophäenbewertung nach dem CIC-System fließen die Enden direkt in die Punktvergabe ein. Gezählt wird die Gesamtzahl aller Enden, wobei für bestimmte Mindestanzahlen Zusatzpunkte vergeben werden. Besonders geschätzt sind Geweihe mit vielen Enden bei gleichzeitig symmetrischem Aufbau – ein gerader Vierzehnender mit gut ausgebildeten Kronen zählt zu den begehrtesten Trophäen beim Rotwild.
Auch in der traditionellen Jägersprache spielt die Endenzahl eine große Rolle. Die Bezeichnung eines Hirsches erfolgt über seine Enden: Man spricht vom Achtender, Zehnender, Zwölfender oder gar vom Zwanzigender als einem kapitalen, reifen Stück. Diese Bezeichnungen gehören zu den bekanntesten Ausdrücken der Weidmannssprache und sind auch über jagdliche Kreise hinaus verbreitet.
Abnorme Enden und Besonderheiten
Nicht selten treten am Geweih sogenannte abnorme Enden auf. Dabei handelt es sich um Enden, die in ungewöhnlicher Position, Richtung oder Form wachsen. Ursachen können Verletzungen am Bast während der Wachstumsphase, hormonelle Störungen oder genetische Besonderheiten sein. Auch eine Verletzung der Läufe kann sich auf das Geweihwachstum der gegenüberliegenden Seite auswirken – ein Phänomen, das als kontralaterale Geweihdeformation bekannt ist.
Abnorme Enden werden bei