Englischer-widder
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Steckbrief
- Herkunft: England (19. Jahrhundert)
- Rassestandard: Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK), Abteilung Widderkaninchen
- Größe: Große Kaninchenrasse, gestreckter Körperbau
- Gewicht: Mindestens 4,5 kg, Idealgewicht 5,0–5,5 kg, maximal bis über 9 kg möglich
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre
- Fell/Farben: Kurzes, dichtes Fell mit guter Unterwolle; zahlreiche Farbschläge zugelassen, darunter wildfarben, weiß, schwarz, blau, gelb, thüringer, madagaskar, havannafarbig, japanerfarbig sowie gescheckte Varianten
Herkunft & Geschichte
Der Englische Widder, im englischen Sprachraum als „English Lop" bekannt, gilt als eine der ältesten Kaninchenrassen überhaupt und als Stammvater aller Widderkanninchenrassen. Seine Abstammung lässt sich bis ins England des frühen 19. Jahrhunderts zurückverfolgen, wo Züchter gezielt Kaninchen mit besonders langen Hängeohren selektierten. Bereits um 1850 war die Rasse auf englischen Ausstellungen ein fester Bestandteil, und sie genoss enormes Ansehen unter Liebhabern und Züchtern. Die konsequente Selektion auf extreme Ohrlänge machte den Englischen Widder zu einem Kuriosum der viktorianischen Tierzucht.
Von England aus gelangte die Rasse im späten 19. Jahrhundert auf den europäischen Kontinent. In Deutschland übernahm der Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) die Standardisierung. Der Englische Widder diente als Ausgangsrasse für die Zucht weiterer Widderkaninchen, darunter der Deutsche Widder und der Französische Widder. Trotz seiner historischen Bedeutung ist der Englische Widder heute vergleichsweise selten und wird vor allem von spezialisierten Züchtern gepflegt, die sich der Erhaltung dieser traditionsreichen Rasse verschrieben haben.
Aussehen & Rassemerkmale
Das auffälligste Merkmal des Englischen Widders sind seine außergewöhnlich langen Ohren. Gemessen von Spitze zu Spitze – über die sogenannte Spannweite – erreichen sie bei ausgewachsenen Tieren regelmäßig 58 bis 70 Zentimeter, wobei einzelne Exemplare sogar noch darüber liegen. Die Ohren hängen schlaff und breit zu beiden Seiten des Kopfes herab und berühren häufig den Boden. Am Ansatz bilden sie die charakteristische „Krone", eine wulstartige Verdickung auf dem Oberkopf, die bei der Bewertung auf Ausstellungen besondere Beachtung findet.
Der Körperbau ist gestreckt und walzenförmig mit einer gut bemuskelten Hinterhand. Der Kopf wirkt markant und kräftig, das Profil ist leicht gebogen, was als Ramsnasenform bezeichnet wird. Die Augen sind groß und ausdrucksstark. Das Fell ist kurz, dicht und liegt glatt am Körper an. Es besitzt eine gute Unterwolle, wirkt aber insgesamt feiner als bei vielen anderen großen Rassen.
Im Rassestandard des ZDRK werden verschiedene Farbschläge anerkannt. Die Palette reicht von einfarbigen Varianten wie Schwarz, Blau, Havanna und Gelb über die wildfarbene Zeichnung bis hin zu mehrfarbigen Schlägen wie Japaner, Thüringer und gescheckte Zeichnungen. Bei der Zuchtbewertung fließen Körperform, Fellqualität, Farbzeichnung und insbesondere die Ohrenlänge und -beschaffenheit in die Beurteilung ein.
Charakter & Wesen
Trotz seiner imposanten Erscheinung ist der Englische Widder ein ausgesprochen ruhiges und gutmütiges Kaninchen. Sein Temperament wird von erfahrenen Züchtern als gelassen, friedfertig und menschenbezogen beschrieben. Er zeigt wenig Schreckhaftigkeit und lässt sich in der Regel problemlos handhaben, was ihn unter den großen Kaninchenrassen besonders umgänglich macht.
Die Tiere bauen eine enge Bindung zu ihren Bezugspersonen auf und reagieren vertraut auf Ansprache und Berührung. Verspielt zeigen sie sich vor allem im Jugendalter, während erwachsene Englische Widder eher gemächlich unterwegs sind. Dennoch benötigen sie geistige Anregung und Sozialkontakt zu Artgenossen – Einzelhaltung ist wie bei allen Kaninchen nicht artgerecht. Im Zusammenleben mit anderen Kaninchen verhalten sie sich in der Regel sozial und verträglich.
Haltung & Pflege
Die Haltung des Englischen Widders stellt besondere Anforderungen, die vor allem mit der extremen Ohrlänge zusammenhängen. Der Stall oder das Gehege muss geräumig, sauber und frei von scharfkantigen Gegenständen sein, an denen sich die Tiere die empfindlichen Ohren verletzen könnten. Eine Stallgrundfläche von mindestens zwei Quadratmetern pro Tier zuzüglich täglichem Auslauf in einem gesicherten Bereich ist das Minimum. Gitterroste als Bodenfläche sind ungeeignet, da die Ohren darin hängenbleiben können – weiche Einstreu auf glattem Untergrund ist zu bevorzugen.
Die Fellpflege ist unkompliziert: Regelmäßiges Bürsten während des Fellwechsels genügt. Deutlich mehr Aufmerksamkeit verlangen die Ohren. Sie müssen regelmäßig auf Verschmutzungen, Verletzungen, Parasiten und Entzündungen kontrolliert werden. Durch die schlechte Belüftung der hängenden Ohrmuscheln kommt es leichter zu Ohrinfektionen als bei Stehohrkaninchen. Die Krallen sollten ebenfalls regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden, da sich die Tiere aufgrund ihrer ruhigen Art weniger ablaufen.
Ernährung
Die Ernährung des Englischen Widders unterscheidet sich nicht grundlegend von der anderer großer Kaninchenrassen. Die Basis bildet hochwertiges Heu, das unbegrenzt zur Verfügung stehen muss. Es sorgt für den notwendigen Zahnabrieb und eine gesunde Verdauung. Ergänzt wird das Heu durch frisches Grünfutter wie Gräser, Kräuter, Löwenzahn, Salate und Gemüse – Karotten, Fenchel, Sellerie und