Erdhörnchen
ETierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Marmotini (Tribus) bzw. Xerinae (Unterfamilie), zahlreiche Gattungen
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Hörnchen (Sciuridae)
- Unterfamilie: Erdhörnchen (Xerinae)
- Lebensraum: Steppen, Grasländer, Halbwüsten, Tundra, alpine Wiesen
- Größe: 15–60 cm Körperlänge (je nach Art), Schwanz zusätzlich 5–25 cm
- Gewicht: 100 g (Ziesel) bis 8 kg (Murmeltiere)
- Lebenserwartung: 3–6 Jahre (kleine Arten), bis 15 Jahre (Murmeltiere)
Aussehen & Merkmale
Erdhörnchen unterscheiden sich von ihren baumbewohnenden Verwandten durch einen gedrungenen, muskulösen Körperbau, relativ kurze Beine und einen meist kürzeren, weniger buschigen Schwanz. Das Fell ist dicht und kurz, die Färbung variiert je nach Art und Habitat von sandgelb über rötlichbraun bis graubraun. Viele Arten tragen helle Längsstreifen oder Flecken auf dem Rücken, die der Tarnung in offener Vegetation dienen – gut sichtbar etwa beim Dreizehnstreifenhörnchen (Ictidomys tridecemlineatus).
Die Vorderpfoten sind mit kräftigen Krallen ausgestattet, die als effiziente Grabwerkzeuge dienen. Die Augen sitzen seitlich am Kopf relativ weit oben, was den Tieren beim aufrechten Sitzen – der sogenannten Sicherungsstellung – ein weites Sichtfeld ermöglicht. Die Ohren sind klein und eng am Kopf anliegend, um beim Graben nicht im Weg zu sein. Backentaschen, die bei vielen Gattungen vorkommen, ermöglichen den Transport von Nahrung in den Bau.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Erdhörnchen erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel sowie über Teile Afrikas. In Nordamerika besiedeln Präriehunde (Cynomys), Ziesel (Urocitellus, Spermophilus) und Streifenhörnchen (Tamias) Grasländer, Prärien und Gebirgswiesen. In Eurasien kommen Ziesel, Murmeltiere (Marmota) und der Steppenmurmeltier-Komplex in Steppen, alpinen Matten und Tundra vor. Die afrikanischen Erdhörnchen der Gattungen Xerus und Atlantoxerus bewohnen Savannen und trockene Buschlandschaften.
Das bevorzugte Habitat ist offenes, baumarmes Gelände mit grabfähigem Boden. Die Tiere meiden dichte Wälder, da sie auf freie Sicht angewiesen sind, um Fressfeinde frühzeitig zu erkennen. Einige Arten haben sich an Kulturlandschaften angepasst und besiedeln Weideland, Straßenränder oder Flughafengelände, was stellenweise zu Konflikten mit dem Menschen führt.
Ernährung
Die meisten Erdhörnchen sind Allesfresser mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Gräser, Kräuter, Samen, Knollen, Wurzeln und Früchte bilden die Nahrungsgrundlage. Ergänzt wird der Speiseplan je nach Verfügbarkeit durch Insekten, Larven, Würmer und gelegentlich Eier oder kleine Wirbeltiere. Vor allem im Frühjahr, wenn pflanzliche Nahrung noch knapp ist, steigt der Anteil tierischer Proteine.
Arten, die Winterschlaf halten, fressen sich im Spätsommer und Herbst große Fettreserven an. Einige Gattungen wie die Ziesel legen zusätzlich Nahrungsvorräte in ihren unterirdischen Kammern an. Die Backentaschen spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie ermöglichen es den Tieren, Samen und Nüsse über größere Strecken in den Bau zu transportieren, ohne mehrfach an der Oberfläche erscheinen zu müssen.
Verhalten & Lebensweise
Erdhörnchen sind überwiegend tagaktiv, mit Aktivitätsspitzen in den Morgen- und Abendstunden. Die meisten Arten leben in selbst gegrabenen Bauten, die aus einem System von Gängen, Nestkammern und Vorratskammern bestehen. Die Baue können beträchtliche Ausmaße erreichen: Präriehund-Kolonien – sogenannte „Towns" – erstrecken sich mitunter über Hunderte Hektar und beherbergen Tausende Individuen.
Das Sozialverhalten variiert stark zwischen den Arten. Präriehunde und Murmeltiere leben in stabilen Familiengruppen oder Kolonien mit differenzierter sozialer Struktur, gegenseitiger Fellpflege und kooperativer Feindüberwachung. Andere Arten, etwa der Europäische Ziesel (Spermophilus citellus), sind eher einzelgängerisch und verteidigen individuelle Reviere, tolerieren aber Nachbarn in loser Nachbarschaft.
Ein auffälliges Verhalten ist das Warnsystem vieler Arten. Beim Sichten eines Greifvogels oder eines terrestrischen Räubers stoßen Wachtiere durchdringende Pfiffe oder Belllaute aus. Studien an Präriehunden haben gezeigt, dass die Warnrufe differenzierte Informationen über Typ, Größe und Geschwindigkeit des Angreifers enthalten können.
Viele Arten der gemäßigten und kalten Zonen halten ausgedehnten Winterschlaf. Murmeltiere verbringen bis zu sechs Monate im Winterschlaf, wobei ihre Körpertemperatur auf wenige Grad über dem Gefrierpunkt sinkt und die Herzfrequenz auf zwei bis drei Schläge pro Minute abfällt. Arktische Ziesel (Urocitellus parryii) erreichen sogar Körpertemperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt – ein physiologischer Extremwert unter Säugetieren.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt bei den meisten Arten in die Wochen unmittelbar nach dem Ende des Winterschlafs. Männchen erwachen häufig ein bis zwei Wochen vor den Weibchen, um Körperkondition aufzubauen und