Erdhund
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Definition und Überblick
Als Erdhund bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache einen speziell für die Baujagd gezüchteten und ausgebildeten Jagdhund, der in der Lage ist, in unterirdische Baue von Fuchs, Dachs oder anderen erdbauenden Wildtieren einzufahren. Der Erdhund – auch Erdhundjäger oder schlicht Bauhund genannt – arbeitet dabei selbstständig unter der Erde, bedrängt das Wild im Bau und bringt es entweder zum Verlassen des Baus (sogenanntes Sprengen) oder stellt es fest, sodass der Jäger gezielt eingreifen kann.
Die Erdhundarbeit gehört zu den ältesten und anspruchsvollsten Formen der Jagd mit Hunden. Sie verlangt vom Hund ein außergewöhnliches Maß an Mut, Härte, Orientierungssinn und gleichzeitig Führigkeit. Der Begriff Erdhund ist dabei keine Rassebezeichnung, sondern eine Funktionsbezeichnung, die verschiedene Hunderassen und deren Einsatzgebiet unter Tage umfasst.
Geeignete Rassen für die Erdarbeit
Nicht jeder Jagdhund eignet sich für die Arbeit im Bau. Ein Erdhund muss bestimmte körperliche Voraussetzungen erfüllen: Er braucht einen schmalen, kompakten Körperbau mit geringer Schulterhöhe, damit er sich durch die engen Röhren eines Fuchs- oder Dachsbaus bewegen kann. Typische Rassen, die als Erdhunde eingesetzt werden, sind:
- Deutscher Jagdterrier – die wohl am häufigsten eingesetzte Erdhundrasse im deutschsprachigen Raum, bekannt für seine Schärfe, Ausdauer und Passion.
- Dachshund (Teckel) – die klassische deutsche Erdhundrasse, ursprünglich gezielt für die Dachsjagd unter Tage gezüchtet. Der Name „Dachshund" verweist unmittelbar auf diesen Verwendungszweck.
- Fox Terrier – ursprünglich in England für die Fuchsjagd entwickelt, sowohl in der Drahthaar- als auch in der Glatthaar-Variante.
- Parson Russell Terrier und Jack Russell Terrier – wendige, mutige Terrier mit starkem Jagdtrieb, die in Großbritannien eine lange Tradition in der Baujagd haben.
- Border Terrier – ein robuster, schmaler Terrier, der sich gut für enge Bauröhren eignet.
Gemeinsam ist diesen Rassen, dass ihr Brustumfang gering genug sein muss, um durch die natürlichen Engstellen eines Erdbaus zu gelangen. In der Zuchtordnung vieler Jagdhundevereine ist der maximale Brustumfang daher ein verbindliches Kriterium für die Zuchtzulassung von Erdhunden.
Die Baujagd – Einsatz des Erdhundes in der Praxis
Bei der Baujagd wird der Erdhund am Einfahrt eines bekannten, besetzten Baus angesetzt. Der Hund schlieft – so der weidmännische Ausdruck – in die Röhre ein und arbeitet sich zum Kessel oder zur Hauptkammer vor, in der sich das Wild aufhält. Dabei kann er auf Fuchs, Dachs oder gelegentlich auch auf Marderhund treffen.
Die Aufgabe des Erdhundes besteht nicht darin, das Wild unter Tage zu töten. Vielmehr soll er es durch beharrliches Lautgeben (Verbellen) und Vorwärtsdrängen zum Verlassen des Baus bewegen. Dieser Vorgang wird als Sprengen bezeichnet. Sobald das Wild an einem der Ausgänge austritt, kann der Jäger es dort erlegen. Gelingt es dem Wild nicht, den Bau zu verlassen – etwa weil der Dachs sich festsetzt und dem Hund die Stirn bietet –, spricht man von Stellen. In diesem Fall muss der Jäger den Bau unter Umständen aufgraben, um sowohl das Wild als auch den Hund zu bergen.
Um den Hund unter der Erde orten zu können, tragen viele Erdhunde einen Bauhundsender (auch Ortungssender oder Peilsender). Dieses kleine, am Halsband befestigte Gerät sendet ein Signal, das der Jäger an der Oberfläche mit einem Empfänger aufnehmen kann. So lässt sich die Position des Hundes im Bau bestimmen – eine entscheidende Sicherheitsmaßnahme.
Ausbildung und Prüfung
Die Ausbildung zum Erdhund erfolgt schrittweise. Zunächst wird der junge Hund an einem Kunstbau – auch Schliefenanlage genannt – mit der Arbeit unter Tage vertraut gemacht. Eine Schliefenanlage besteht aus einem System begehbarer Röhren und Kessel, in dem sich ein lebender Fuchs hinter einem Schieber befindet. Der Hund lernt hier, unter beengten Verhältnissen Laut zu geben, Witterung aufzunehmen und den Fuchs zu verbellen, ohne ihn direkt angreifen zu können.
Die formelle Leistungsprüfung für Erdhunde ist die Bauprüfung (auch Bauhundprüfung oder Schliefenprüfung). Dabei werden unter anderem bewertet:
- Laut – Gibt der Hund unter Tage anhaltend und deutlich vernehmbar Laut?
- Schärfe – Zeigt der Hund genügend Entschlossenheit gegenüber dem Raubwild?
- Ausdauer – Arbeitet er über einen ausreichend langen Zeitraum ohne nachzulassen?
- Führigkeit – Lässt sich der Hund nach der Arbeit problemlos wieder abrufen?
Ohne eine bestandene Bauprüfung wird ein Hund in der jagdlichen Praxis nicht als vollwertiger Erdhund anerkannt. Viele Zuchtverbände verlangen das Bestehen dieser Prüfung als Voraussetzung für die Zuchtzulassung.
Tierschutz und rechtliche Rahmenbedingungen
Die Baujagd mit Erdhunden ist in Teilen der Öffentlichkeit umstritten. Kritiker verweisen auf das Verletzungsris