Erdkröte
ETierart – Amphibien > Froschlurche – Kröten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bufo bufo
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Kröten (Bufonidae)
- Gattung: Bufo
- Lebensraum: Laubwälder, Gärten, Parks, Heckenlandschaften, Feuchtgebiete
- Größe: Männchen 6–9 cm, Weibchen 8–12 cm (selten bis 15 cm)
- Gewicht: 30–80 g, trächtige Weibchen bis über 150 g
- Lebenserwartung: 10–12 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 36 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Erdkröte ist eine gedrungen gebaute Amphibienart mit breitem, flachem Kopf und kurzen Hinterbeinen. Ihre Haut ist trocken, derb und von zahlreichen Warzen überzogen – ein deutliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber den glatthäutigen Fröschen. Die Grundfärbung variiert stark und reicht von graubraun über olivbraun bis rötlichbraun. Die Unterseite ist heller, meist schmutzig weiß mit dunkler Marmorierung.
Hinter den Augen sitzen die auffälligen, bohnenförmigen Ohrdrüsen (Parotiden), die ein giftiges Hautsekret (Bufotoxin) produzieren. Die Pupillen sind waagerecht elliptisch und kupferfarben bis goldgelb. Die Vorderbeine sind kurz und kräftig; Männchen weisen zur Paarungszeit dunkle Brunftschwielen an den ersten drei Fingern auf, mit denen sie sich am Weibchen festklammern. Im Gegensatz zu vielen Froscharten besitzt die Erdkröte keine Schallblasen, weshalb ihre Rufe vergleichsweise leise ausfallen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Erdkröte erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis. Sie kommt von der Iberischen Halbinsel und den Britischen Inseln über ganz Mittel- und Nordeuropa bis nach Westsibirien und Japan vor. In Südeuropa besiedelt sie vor allem höhere Lagen, während sie in Skandinavien bis zum 67. Breitengrad nachgewiesen ist. In den Alpen wurde sie bis auf etwa 2.500 Meter Höhe beobachtet.
Als Habitat bevorzugt die Erdkröte strukturreiche Landschaften mit ausreichend Deckung. Laub- und Mischwälder, verwilderte Gärten, Hecken, Steinmauern und Gebüschsäume bieten ihr tagsüber Verstecke. Zur Fortpflanzung benötigt sie stehende oder langsam fließende Gewässer – Teiche, Weiher, Altwässer oder auch größere Pfützen und Regenrückhaltebecken. Die Erdkröte zeigt eine ausgeprägte Laichplatztreue und kehrt oft über Jahre zum selben Gewässer zurück.
Ernährung
Die Erdkröte ernährt sich ausschließlich von tierischer Kost. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Regenwürmer, Nacktschnecken, Käfer, Asseln, Spinnen, Ameisen und andere Wirbellose. Die Beute wird visuell geortet – bewegungslose Objekte werden in der Regel nicht als Nahrung erkannt. Zum Beutefang schnellt die Erdkröte ihre kurze, am Vorderende des Unterkiefers befestigte Zunge hervor. Größere Beutetiere werden zusätzlich mit den Vorderbeinen zum Maul geschoben.
Kaulquappen ernähren sich in den ersten Tagen von Dottervorräten, danach überwiegend pflanzlich: Algenbeläge, abgestorbenes Pflanzenmaterial und Detritus bilden ihre Hauptnahrung. Gelegentlich nehmen sie auch Aas auf.
Verhalten & Lebensweise
Die Erdkröte ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag in Verstecken unter Steinen, Totholz, Laub oder in selbst gegrabenen Erdmulden. Bei feuchter Witterung kann sie auch tagsüber aktiv sein. Sie bewegt sich vorwiegend schreitend oder in kurzen, unbeholfenen Sprüngen fort – anders als die verwandten Frösche, die weite Sätze vollführen können.
Von Oktober bis März hält die Erdkröte Winterstarre in frostfreien Quartieren: Erdlöchern, Kellern, Komposthaufen oder Spalten in Trockenmauern. Sie ist dabei nicht territorial, und mehrere Individuen überwintern häufig gemeinsam an günstigen Stellen. Im zeitigen Frühjahr, sobald die Nachttemperaturen über 5 °C steigen, beginnt die Laichwanderung zu den Fortpflanzungsgewässern. Dabei legen die Tiere Strecken von teilweise über zwei Kilometern zurück. Da sie traditionellen Wanderrouten folgen, werden bei Straßenquerungen viele Erdkröten überfahren – ein erhebliches Mortalitätsrisiko, dem durch Krötenschutzzäune und Amphibientunnel begegnet wird.
Bei Bedrohung bläht sich die Erdkröte auf und stellt sich mit gestreckten Beinen hoch, um größer zu wirken. Das Sekret der Parotiden wirkt auf Schleimhäute reizend und schreckt viele Fressfeinde ab. Für den Menschen ist es in der Regel ungefährlich, kann aber bei Kontakt mit Augen oder offenen Wunden Brennen verursachen. Zu den natürlichen Prädatoren zählen Ringelnattern, Graureiher, Iltisse und Dachse.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit beginnt je nach Region und Witterung zwischen Februar und April. Männchen erreichen die Laichgewässer meist vor den Weibchen und äußern dort leise, metallisch klingende Rufe. Da Männchen deutlich in der Überzahl sind, kommt es zu intensiver Konkurrenz. Häufig klammern sich mehrere Männchen gleichzeitig an ein Weibchen (sogenannte Paarungsknäuel), was für das Weibchen gelegentlich tödlich enden kann.
Das Weibchen legt während der Paarung (Amplexus) doppelreihige Laichschnüre von drei bis fünf Metern Länge ab, die zwischen 3.000 und 8.000 Eier enthalten. Diese werden um Wasserpflanzen, Äste oder Steine gewickelt. Die Embryonalentwicklung dauert je nach Wassertemperatur