Gelbbauchunke
GTierart – Amphibien > Froschlurche – Kröten
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Bombina variegata
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Unken und Barbourfrösche (Bombinatoridae)
- Gattung: Unken (Bombina)
- Lebensraum: Temporäre Kleingewässer in Mittel- und Südeuropa, bevorzugt in hügeligem und bergigem Gelände
- Größe: 3,5–5,5 cm Kopf-Rumpf-Länge
- Gewicht: 2–8 g
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Natur, in Gefangenschaft bis über 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Gelbbauchunke ist ein kleiner, gedrungen gebauter Froschlurch mit abgeflachtem Körper. Die Oberseite ist grau bis lehmbraun gefärbt und mit zahlreichen kleinen Warzen besetzt, die teilweise dunkle Hornstacheln tragen. Charakteristisch und namensgebend ist die leuchtend gelb bis orangegelb gefleckte Unterseite, die mit blaugrauen bis schwarzen Flecken durchsetzt ist. Dieses Bauchmuster ist bei jedem Individuum einzigartig und kann zur individuellen Identifikation herangezogen werden – vergleichbar einem Fingerabdruck beim Menschen.
Die Pupillen sind herzförmig, was die Gelbbauchunke von vielen anderen einheimischen Amphibien unterscheidet. Die Haut der Oberseite ist rau und warzig, was ihr ein krötenähnliches Erscheinungsbild verleiht. Im Gegensatz zu echten Kröten der Familie Bufonidae besitzt sie keine ausgeprägten Ohrdrüsen (Parotiden). Die Hinterbeine sind relativ kurz, sodass die Gelbbauchunke eher kriecht als springt. Zwischen den Zehen der Hinterfüße befinden sich Schwimmhäute.
Von der nah verwandten Rotbauchunke (Bombina bombina) unterscheidet sie sich durch die gelbe statt orange-rote Bauchfärbung, die stärker gewarzete Oberseite und das Fehlen großflächiger dunkler Bauchzeichnungen. In Gebieten, in denen beide Arten vorkommen, können Hybride auftreten.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gelbbauchunke erstreckt sich über weite Teile Mittel- und Südeuropas. Es reicht von Frankreich über Deutschland, die Schweiz, Österreich und den gesamten Balkan bis in die westliche Türkei. In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt in den Mittelgebirgsregionen und im Alpenvorland; in der Norddeutschen Tiefebene fehlt die Art weitgehend und wird dort von der Rotbauchunke abgelöst.
Als Habitat bevorzugt die Gelbbauchunke offene bis halbschattige Landschaften mit temporären Kleingewässern. Typische Laichbiotope sind wassergefüllte Fahrspuren auf Waldwegen, Pfützen in Steinbrüchen, Lehm- und Tongruben, Überschwemmungsflächen und flache, besonnte Tümpel. Diese Gewässer sind oft vegetationsarm, fischfrei und erwärmen sich rasch – Eigenschaften, die für die Larvenentwicklung entscheidend sind. Die Art tritt von den Tieflagen bis in Höhen von etwa 1.800 Metern auf, in den Alpen gelegentlich sogar höher.
Die Gelbbauchunke gilt als sogenannte Pionierart, die auf die regelmäßige Neuentstehung solcher Kleinstgewässer angewiesen ist. Historisch profitierte sie von der Dynamik natürlicher Flussauen und der Aktivität großer Weidetiere. Heute sind es häufig anthropogene Strukturen wie Bau- und Abbaugebiete, die Ersatzlebensräume bieten.
Ernährung
Die Gelbbauchunke ernährt sich ausschließlich von kleinen wirbellosen Tieren. Auf dem Speiseplan stehen Insekten und deren Larven, Spinnen, Asseln, kleine Schnecken und Würmer. Die Nahrungsaufnahme erfolgt sowohl an Land als auch im Wasser. Adulte Tiere jagen überwiegend in der Dämmerung und nachts, wobei sie ihre Beute durch Bewegungsreize wahrnehmen und mit einem schnellen Vorstoß des Mauls ergreifen. Kaulquappen sind dagegen weitgehend herbivor und weiden Algenbeläge sowie organische Partikel von Steinen und Pflanzenteilen ab.
Verhalten & Lebensweise
Die Gelbbauchunke ist überwiegend tagaktiv, zeigt aber an warmen Sommerabenden auch dämmerungs- und nachtaktive Tendenzen. Sie lebt einzelgängerisch und hält kein festes Revier, kann aber über Jahre hinweg denselben Gewässerkomplex nutzen. Die Tiere sind standorttreu und legen bei Wanderungen zwischen Laich-, Sommer- und Winterlebensräumen meist nur wenige hundert Meter zurück.
Bei Bedrohung zeigt die Gelbbauchunke den sogenannten Unkenreflex (Kahnstellung): Sie wölbt den Rücken hohl, presst die Extremitäten nach oben und präsentiert so die auffällig gemusterte Unterseite. Dieses Verhalten ist ein klassisches Beispiel für aposematische Färbung – die Warnfarben signalisieren Fressfeinden die Giftigkeit der Hautsekrete. Die Hautdrüsen produzieren das Peptid Bombinin, das auf Schleimhäute reizend wirkt und für kleine Prädatoren abschreckend ist.
Die Winterstarre verbringen Gelbbauchunken von Oktober bis März in frostfreien Verstecken an Land, etwa unter Steinen, in Spalten, Erdlöchern oder Totholz.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungsperiode erstreckt sich von Mai bis August und ist damit ungewöhnlich lang im Vergleich zu vielen anderen einheimischen Amphibien. Die Männchen rufen mit einem leisen, melodischen „uh…uh…uh", um Weibchen anzulocken. Die Balzrufe sind deutlich leiser als die der Rotbauchunke und über größere Entfernungen kaum hörbar.
Die Paarung erfolgt im Wasser in Form des Amplexus – das Männchen umklammert das Weibchen in der Lendengegend (inguinaler Amplexus). Das Weibchen legt die Eier in mehreren kleinen Portionen von jeweils 2 bis 30 Eiern ab,