Riesenkröte
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Rhinella marina (Synonyme: Bufo marinus)
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Kröten (Bufonidae)
- Gattung: Rhinella
- Lebensraum: Tropische und subtropische Gebiete; Wälder, Grasland, Küstenregionen, Agrarflächen
- Größe: 10–24 cm Kopf-Rumpf-Länge
- Gewicht: bis zu 1,5 kg, in Ausnahmefällen über 2 kg
- Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 35 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Riesenkröte, international als Cane Toad oder Agakröte bekannt, ist die größte Krötenart der Welt. Weibchen erreichen in der Regel größere Körpermaße als Männchen – ein bei Froschlurchen verbreiteter Geschlechtsdimorphismus. Der massige, gedrungene Körper ist von trockener, warziger Haut bedeckt. Die Oberseite variiert farblich von olivbraun über dunkelbraun bis rötlich-braun, während die Bauchseite heller und gelblich-weiß gefärbt ist, oft mit dunklen Flecken durchsetzt.
Charakteristisch sind die großen, nierenförmigen Ohrdrüsen (Parotiden) hinter den Augen. Diese Drüsen produzieren ein weißliches, zähflüssiges Sekret, das als Bufotoxin bezeichnet wird und hochwirksame Herzglykoside enthält. Die Pupillen sind horizontal-elliptisch. Die kräftigen Hinterbeine sind im Vergleich zu Fröschen relativ kurz, weshalb sich die Riesenkröte eher gehend als springend fortbewegt. Zwischen den Zehen der Hinterfüße befinden sich Schwimmhäute, die jedoch nur mäßig ausgebildet sind. Knöcherne Schädelleisten über den Augen verleihen dem Kopf ein kantiges Profil.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Riesenkröte erstreckt sich vom südlichen Texas über Mittelamerika bis ins zentrale Brasilien. Die Art besiedelt dort ein breites Spektrum an Habitaten: tropische Regenwälder, Savannen, Trockenwälder und Küstenebenen. Sie bevorzugt Biotope in der Nähe von Gewässern, zeigt sich aber gegenüber trockenen Bedingungen toleranter als die meisten anderen Amphibien.
Ab den 1930er-Jahren wurde die Riesenkröte gezielt in zahlreiche Länder eingeführt, um Schädlinge in Zuckerrohrplantagen zu bekämpfen – daher der englische Name Cane Toad. Die bekannteste und folgenreichste Ansiedlung erfolgte 1935 in Queensland, Australien. Von dort hat sich die Art über weite Teile des tropischen und subtropischen Nordaustraliens ausgebreitet. Weitere eingeführte Populationen existieren auf den Philippinen, in Papua-Neuguinea, auf zahlreichen karibischen und pazifischen Inseln sowie auf Hawaii. In diesen Gebieten gilt die Riesenkröte als invasive Art, die erhebliche ökologische Schäden verursacht.
Ernährung
Die Riesenkröte ist ein ausgesprochen opportunistischer Allesfresser. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Wirbellosen: Käfer, Ameisen, Termiten, Schnecken, Hundertfüßer und Spinnen gehören zu den Hauptbeutetieren. Darüber hinaus frisst sie kleine Wirbeltiere wie Frösche, Eidechsen, Mäuse und Jungvögel. Auch pflanzliches Material, Aas und Haustierfutter werden nicht verschmäht. In der Nähe menschlicher Siedlungen bedient sie sich regelmäßig an Futternäpfen und Abfällen.
Anders als viele kleinere Froschlurche, die Beute ausschließlich mit der Zunge fangen, nutzt die Riesenkröte bei größeren Beutetieren zusätzlich die Vorderbeine, um Nahrung zum Maul zu führen. Durch diese flexible Ernährungsstrategie kann die Art in sehr unterschiedlichen Lebensräumen bestehen.
Verhalten & Lebensweise
Die Riesenkröte ist vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber verbirgt sie sich unter Steinen, Baumstämmen, in Erdlöchern oder zwischen dichter Vegetation. In der Dämmerung verlässt sie ihr Tagesversteck und begibt sich auf Nahrungssuche. Sie zeigt keine ausgeprägte Territorialität und bildet keine festen Reviere, kann aber an günstigen Nahrungsquellen in größerer Zahl auftreten.
Als Verteidigungsmechanismus dient vor allem das Bufotoxin der Parotiddrüsen. Bei Bedrohung bläht die Kröte ihren Körper auf und richtet die Drüsen dem Angreifer entgegen. Das Gift wird nicht aktiv verspritzt, sondern tritt bei mechanischem Druck aus. Es kann bei Hunden, Katzen, Schlangen und Krokodilen innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Beim Menschen verursacht es starke Schleimhautreizungen und Herzrhythmusstörungen; Todesfälle sind selten, aber dokumentiert.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt, wobei Männchen durch anhaltende, tiefe Rufe Weibchen zu stehenden oder langsam fließenden Gewässern locken. Diese Balzrufe können über mehrere hundert Meter zu hören sein. Bei der Paarung umklammert das Männchen das Weibchen im sogenannten Amplexus. Die Riesenkröte ist ein Laichkrautlaicher: Das Weibchen gibt Laichschnüre ab, die 8.000 bis 35.000 schwarze Eier enthalten und sich um Wasserpflanzen und untergetauchte Strukturen wickeln.
Die Kaulquappen schlüpfen nach etwa 48 bis 72 Stunden. Sie sind klein, schwarz gefärbt und leben gesellig in großen Schwärmen. Bereits die Kaulquappen und die Eier enthalten Bufotoxin und sind für die meisten Fressfeinde ungenießbar oder tödlich. Die Metamorphose zum Jungkrötchen erfolgt nach vier bis acht Wochen. Die frisch metamorphosierten Kröten messen nur etwa 10 bis 12 Millimeter. Die Geschlechtsreife wird mit ein bis zwei Jahren erreicht.