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Europäischer Biber

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Tierart – Säugetiere > Nagetiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Castor fiber
  • Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
  • Familie: Biber (Castoridae)
  • Gattung: Castor
  • Lebensraum: Fließgewässer, Seen, Auwälder und Feuchtgebiete in Europa und Westasien
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 80–100 cm, Schwanzlänge (Kelle) 30–35 cm
  • Gewicht: 18–30 kg, in Ausnahmefällen bis 36 kg
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Europäische Biber ist das größte Nagetier Europas und nach dem Kanadischen Biber (Castor canadensis) das zweitgrößte Nagetier der Welt. Sein gedrungener, walzenförmiger Körper ist an das Leben im Wasser hervorragend angepasst. Das dichte Fell besteht aus zwei Schichten: einem feinen, wolligen Unterfell, das die Haut trocken und warm hält, und langen, groben Grannenhaaren als äußerer Schutzschicht. Die Fellfarbe variiert von hellbraun über dunkelbraun bis nahezu schwarz.

Das auffälligste Merkmal ist die Kelle – der abgeflachte, mit lederartiger Haut bedeckte und schuppenartig strukturierte Schwanz. Sie dient als Steuerruder beim Schwimmen, als Stütze beim aufrechten Sitzen und als Fettspeicher. Bei Gefahr schlägt der Biber die Kelle laut auf die Wasseroberfläche, um Artgenossen zu warnen.

Die Hinterfüße sind mit Schwimmhäuten versehen, während die Vorderpfoten kleiner und ohne Schwimmhäute ausgebildet sind. Sie werden geschickt zum Greifen, Graben und Transportieren von Nahrung eingesetzt. Die Augen und Ohren sind klein; Nasenöffnungen und Ohren können beim Tauchen verschlossen werden. Ein Tauchgang dauert in der Regel bis zu fünf Minuten, maximal bis zu 15 Minuten.

Charakteristisch sind die kräftigen, orangerot gefärbten Schneidezähne. Ihre Färbung entsteht durch eingelagerte Eisenverbindungen, die den Zahnschmelz besonders widerstandsfähig machen. Diese Zähne wachsen lebenslang nach und werden durch das Nagen an Holz kontinuierlich abgewetzt und geschärft.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Bibers erstreckte sich ursprünglich über weite Teile Europas und Westasiens – von der Iberischen Halbinsel bis nach Sibirien, von Skandinavien bis zum Mittelmeerraum. Durch jahrhundertelange Bejagung war die Art um 1900 auf wenige Restpopulationen mit insgesamt etwa 1.200 Individuen geschrumpft. Kleine Reliktvorkommen überlebten unter anderem an der mittleren Elbe in Deutschland, in Südnorwegen, in der Rhône-Mündung in Frankreich sowie in Teilen Russlands und der Mongolei.

Dank strenger Schutzmaßnahmen und gezielter Wiederansiedlungsprogramme hat sich der Bestand seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich erholt. Heute besiedelt Castor fiber wieder große Teile seines ehemaligen Habitats in Mittel-, Nord- und Osteuropa. In Deutschland leben derzeit schätzungsweise über 40.000 Tiere, mit Schwerpunkten in Bayern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und entlang von Elbe, Donau und Rhein.

Als Biotop bevorzugt der Biber langsam fließende oder stehende Gewässer mit dichtem Uferbewuchs aus Weichhölzern wie Weiden, Pappeln und Erlen. Auch Gräben, Altarme und Kanäle werden besiedelt, sofern ausreichend Nahrung und geeignete Uferstrukturen vorhanden sind.

Ernährung

Der Europäische Biber ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor). Im Sommer besteht seine Nahrung aus Kräutern, Gräsern, Wasserpflanzen, Schilf und Blättern von Ufergehölzen. Im Winter, wenn Grünpflanzen kaum verfügbar sind, ernährt er sich vorwiegend von Rinde, Kambium und dünnen Zweigen von Weichhölzern. Weiden und Pappeln werden bevorzugt, doch auch Birken, Haselnuss und andere Laubbäume werden genutzt. Biber legen im Herbst häufig Nahrungsvorräte an, indem sie Äste und Zweige im Wasser nahe ihrem Bau verankern. Unter der Eisdecke können sie diese Vorräte im Winter erreichen, ohne an Land gehen zu müssen.

Verhalten & Lebensweise

Der Europäische Biber ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Er lebt in festen Familienverbänden, die aus einem monogamen Elternpaar und den Jungtieren der letzten ein bis zwei Jahrgänge bestehen – typischerweise vier bis acht Individuen. Jede Familie beansprucht ein Revier entlang eines Gewässerabschnitts, das durch Duftmarken aus dem Bibergeil (Castoreum) – einem Sekret spezieller Drüsen – markiert und gegen Artgenossen verteidigt wird.

Biber graben Erdbaue in Uferböschungen, deren Eingänge stets unter Wasser liegen. Der eigentliche Wohnkessel befindet sich jedoch über dem Wasserspiegel. An Standorten mit flachen Ufern errichten sie freistehende Burgen aus Ästen, Schlamm und Steinen. Wo der Wasserstand zu niedrig ist, um die Eingänge unter Wasser zu halten, bauen Biber Dämme – teils mehrere Meter hohe und viele Meter lange Querbauwerke aus gefällten Bäumen, Ästen und Schlamm. Diese Dämme stauen das Wasser auf und schaffen tiefere Bereiche, die auch im Winter nicht vollständig zufrieren.

Durch diese Bautätigkeit gestalten Biber ihren Lebensraum aktiv um. Sie gelten als sogenannte Ökosystem-Ingenieure: Ihre Dämme schaffen Feuchtbiotope, erhöhen die Grundwasserstände, fördern die Artenvielfalt und verbessern den Wasserrückhalt in der Landschaft.