T Tierlexikon.net
← Lexikon

Färberfrosch

F

Tierart – Amphibien > Froschlurche – Frösche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dendrobates tinctorius
  • Ordnung: Froschlurche (Anura)
  • Familie: Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
  • Gattung: Dendrobates
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Südamerikas
  • Größe: 4–5 cm (Kopf-Rumpf-Länge), Weibchen meist etwas größer als Männchen
  • Gewicht: ca. 3–8 g
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Färberfrosch gehört zu den größten Vertretern der Familie der Baumsteigerfrösche. Sein Körperbau ist gedrungen und kräftig, mit relativ langen Hinterbeinen und breiten Haftscheiben an den Zehenspitzen, die ihm das Klettern auf feuchten Oberflächen ermöglichen. Die Haut ist glatt und feucht, durchsetzt mit zahlreichen Giftdrüsen, die sogenannte Batrachotoxine und andere Alkaloide absondern.

Das auffälligste Merkmal ist die enorme Variabilität in der Färbung. Je nach Herkunftspopulation reicht das Farbspektrum von tiefem Schwarz mit leuchtend gelben Flecken über kobaltblaue Beine und gelben Rücken bis hin zu nahezu vollständig weißen Morphen. Diese Farbvarianten – im Englischen als „morphs" bezeichnet – sind so unterschiedlich, dass sie in der Vergangenheit teilweise als eigenständige Arten beschrieben wurden. Bekannte Farbmorphen tragen Bezeichnungen wie „Azureus", „Citronella" oder „Cobalt". Die kräftige Färbung dient als Warnsignal an potenzielle Fressfeinde und wird in der Biologie als Aposematismus bezeichnet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Dendrobates tinctorius erstreckt sich über den nordöstlichen Teil Südamerikas. Die Art kommt in Französisch-Guayana, Suriname, Guyana sowie in angrenzenden Gebieten Brasiliens vor. Ihr bevorzugtes Habitat sind tropische Tieflandregenwälder mit hoher Luftfeuchtigkeit und ganzjährig warmen Temperaturen.

Innerhalb dieser Wälder besiedeln Färberfrösche vorwiegend den Waldboden und die bodennahe Vegetationsschicht. Sie halten sich in der Laubstreu, auf umgestürzten Baumstämmen, zwischen Wurzeln und in der Nähe kleiner Wasseransammlungen auf. Phytotelmen – also mit Wasser gefüllte Pflanzenteile wie Bromelien-Trichter oder Baumlöcher – spielen als Biotop eine zentrale Rolle, insbesondere für die Fortpflanzung. Die einzelnen Populationen sind häufig durch geografische Barrieren wie Flüsse voneinander isoliert, was die ausgeprägte morphologische Differenzierung der Farbmorphen erklärt.

Ernährung

Färberfrösche ernähren sich ausschließlich von kleinen Wirbellosen. Auf dem Speiseplan stehen Ameisen, Milben, Termiten, kleine Käfer, Springschwänze und andere Gliederfüßer, die sie mit ihrer klebrigen Zunge erbeuten. Die Nahrungssuche erfolgt aktiv am Waldboden, wobei die Frösche systematisch die Laubstreu durchstreifen.

Die aufgenommene Nahrung steht in direktem Zusammenhang mit der Giftigkeit der Tiere. Bestimmte Beutetiere – insbesondere Ameisen der Gattung Brachymyrmex und Milben – enthalten toxische Alkaloide, die der Frosch in seiner Haut einlagert und zu Abwehrzwecken nutzt. In Terrarienhaltung, wo die Frösche üblicherweise mit Fruchtfliegen und Mikro-Heimchen gefüttert werden, verlieren sie ihre Giftigkeit nahezu vollständig. Dieser Zusammenhang zwischen Nahrung und Giftsynthese wird als Sequestrierung bezeichnet.

Verhalten & Lebensweise

Anders als viele andere Froschlurche ist der Färberfrosch überwiegend tagaktiv. Diese Eigenschaft hängt eng mit seiner aposematischen Färbung zusammen: Die Warnfarben entfalten ihre Schutzwirkung nur bei Tageslicht, wenn visuelle Prädatoren sie wahrnehmen können.

Männchen sind ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier gegen Artgenossen durch Rufe und, falls nötig, durch direkten Körperkontakt. Die Reviere sind relativ klein und umfassen meist nur wenige Quadratmeter. Die Rufe der Männchen bestehen aus leisen, summenden Tonreihen, die sowohl der Reviermarkierung als auch der Anlockung von Weibchen dienen. Weibchen sind weniger standorttreu und durchstreifen größere Areale auf der Suche nach geeigneten Partnern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung wird durch die Balz der Männchen eingeleitet. Das Männchen lockt ein Weibchen durch anhaltende Rufe zu seinem Territorium und führt es anschließend zu einem geeigneten Laichplatz – meist eine feuchte, geschützte Stelle unter Falllaub oder auf einem Stein. Das Weibchen legt dort zwischen 2 und 10 Eier in einem kleinen Gelege ab, die vom Männchen äußerlich befruchtet werden.

Die Brutpflege übernimmt beim Färberfrosch überwiegend das Männchen. Es bewacht das Gelege und hält die Eier feucht, indem es regelmäßig Wasser aus seiner Kloake auf sie abgibt. Nach einer Entwicklungszeit von etwa 14 bis 18 Tagen schlüpfen die Kaulquappen. Das Männchen transportiert sie einzeln auf seinem Rücken zu einer geeigneten Wasserstelle – häufig einem Phytotelmata in einer Bromelie oder einem kleinen Tümpel. Die Kaulquappen durchlaufen innerhalb von etwa 60 bis 90 Tagen die Metamorphose zum Jungfrosch. Während dieser Zeit ernähren sie sich von Algen, Detritus und gelegentlich kleinen wirbellosen Larven.

Bedrohung & Schutzstatus

Die IUCN stuft Dendrobates tinctorius derzeit als „Least Concern" (nicht gefährdet) ein. Die Art kommt in einem relativ großen Verbreitungsgebiet vor und ist in geeigneten Habitaten stellenweise häufig.