T Tierlexikon.net
← Lexikon

Goldbaumsteiger

G

Tierart – Amphibien > Froschlurche – Frösche

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Dendrobates auratus
  • Ordnung: Froschlurche (Anura)
  • Familie: Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
  • Gattung: Dendrobates
  • Lebensraum: Tropische Regenwälder Mittel- und Südamerikas
  • Größe: 2,5–4,2 cm (Kopf-Rumpf-Länge)
  • Gewicht: ca. 3–5 g
  • Lebenserwartung: 8–12 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 15 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Goldbaumsteiger gehört zu den mittelgroßen Vertretern der Familie der Baumsteigerfrösche. Die Grundfärbung ist dunkelbraun bis schwarz, durchzogen von auffälligen Flecken und Bändern, die je nach Population goldgelb, bronzegrün, blaugrün oder türkis gefärbt sein können. Diese enorme Variabilität in der Zeichnung hat dazu geführt, dass zahlreiche Farbmorphen beschrieben wurden, etwa die „Blue and Black"-Form aus Panama oder die „Microspot"-Variante aus Costa Rica.

Die Haut ist glatt und feucht, ohne Schuppen oder sonstige Verhornungen. Sie enthält Drüsen, die Hautgifte (Batrachotoxine und verwandte Alkaloide) absondern – ein für die gesamte Familie typisches Merkmal. Die Färbung dient als Warntracht (Aposematismus), die potenzielle Fressfeinde von einem Angriff abhält. Die Haftscheiben an den Zehenenden ermöglichen dem Goldbaumsteiger das Klettern auf glatten Blättern und Rinden. Im Vergleich zu anderen Dendrobates-Arten, etwa dem Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio) oder dem Färberfrosch (Dendrobates tinctorius), ist der Goldbaumsteiger eher schlank gebaut mit relativ langen Hinterbeinen.

Lebensraum & Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Goldbaumsteigers erstreckt sich von Südost-Nicaragua über Costa Rica und Panama bis in den Nordwesten Kolumbiens. Die Art besiedelt vorwiegend tropische Tieflandregenwälder vom Meeresspiegel bis in Höhenlagen von etwa 900 Metern. Als bevorzugtes Habitat dienen feuchte Primär- und Sekundärwälder mit dichter Laubstreu am Boden und ausreichend Versteckmöglichkeiten zwischen Wurzeln, Totholz und Bromelien.

Auf der Insel Oahu (Hawaii) existiert seit den 1930er-Jahren eine eingebürgerte Population. Die Tiere wurden damals gezielt ausgesetzt, um die Mückenpopulation zu kontrollieren – ein ökologisches Experiment mit zweifelhaftem Erfolg, das heute als invasionsbiologisch problematisch eingestuft wird. Der Goldbaumsteiger bevorzugt Biotope mit hoher Luftfeuchtigkeit (über 80 %) und Temperaturen zwischen 24 und 28 °C. Fließgewässer sind für die Fortpflanzung nicht zwingend nötig, da die Art kleine Wasseransammlungen in Blattachseln oder Baumlöchern als Larvalhabitat nutzt.

Ernährung

Der Goldbaumsteiger ernährt sich ausschließlich von kleinen Wirbellosen. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Ameisen, Milben, kleine Käfer, Springschwänze (Collembola) und Termiten. Die Nahrungsaufnahme erfolgt durch schnelles Hervorschnellen der Zunge. Die Tiere suchen aktiv die Laubstreu und niedrige Vegetation nach Beutetieren ab.

Die Zusammensetzung der Nahrung ist unmittelbar mit der Toxizität der Hautgifte verknüpft. Die Alkaloide werden nicht selbst synthetisiert, sondern über die Nahrung aufgenommen – insbesondere über bestimmte Ameisenarten und Milben. In Terrarienhaltung, wo die Frösche mit Drosophila und Mikrogrillen gefüttert werden, verlieren sie innerhalb weniger Generationen ihre Giftigkeit nahezu vollständig.

Verhalten & Lebensweise

Anders als viele andere Froschlurche ist der Goldbaumsteiger tagaktiv. Die höchste Aktivität zeigt er in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden, wenn die Temperaturen moderat und die Luftfeuchtigkeit hoch sind. Die Tiere leben bodennah in der Laubstreu, klettern aber regelmäßig auf niedrige Äste und Pflanzen, um Nahrung zu suchen oder Rufplätze aufzusuchen.

Männchen sind territorial und verteidigen ihr Revier akustisch durch leise, insektenartige Summrufe. Bei Eindringlingen kommt es zu ritualisierten Kämpfen, bei denen sich die Kontrahenten gegenseitig zu überringen versuchen, ohne sich ernsthaft zu verletzen. Weibchen zeigen weniger ausgeprägte Territorialität, können aber untereinander um paarungsbereite Männchen konkurrieren. Der Goldbaumsteiger lebt nicht in Gruppen, sondern einzelgängerisch oder in lockeren Verbänden mit überlappenden Streifgebieten.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt, in manchen Verbreitungsgebieten nahezu ganzjährig. Das Männchen lockt das Weibchen mit seinem Ruf zu einem geeigneten Laichplatz – meist einer feuchten, geschützten Stelle auf der Laubstreu oder unter einem Blatt. Die Balz umfasst ein komplexes Ritual, bei dem das Weibchen dem rufenden Männchen über längere Strecken folgt.

Das Weibchen legt zwischen 3 und 13 Eier in einem Gelege ab, die vom Männchen äußerlich befruchtet werden. Anschließend übernimmt das Männchen die Brutpflege: Es befeuchtet das Gelege regelmäßig mit Wasser aus seiner Kloake und bewacht die Eier vor Fressfeinden und Austrocknung. Nach etwa 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Kaulquappen. Das Männchen transportiert sie einzeln auf seinem Rücken zu geeigneten Kleinstgewässern – Phytotelmata wie wassergefüllte Bromelien-Trichter, Baumlöcher oder Blattachseln. Dort entwickeln sich die Larven über einen Zeitraum von 6 bis 10 Wochen zur fertigen Jungfrosch-Gestalt (Metamorphose). Anders als bei der Gattung Oophaga, deren Weibchen unbefruchtete Nähreier für die