Glasfrosch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Familie Centrolenidae
- Ordnung: Froschlurche (Anura)
- Familie: Glasfrösche (Centrolenidae)
- Gattungen: u. a. Centrolene, Cochranella, Hyalinobatrachium, Nymphargus
- Artenzahl: ca. 160 beschriebene Arten
- Lebensraum: Tropische Bergregenwälder, Nebelwälder und Tieflandregenwälder Mittel- und Südamerikas
- Größe: 2–8 cm Kopf-Rumpf-Länge, je nach Art
- Gewicht: 1–14 g
- Lebenserwartung: 10–14 Jahre (geschätzt, in freier Wildbahn teils kürzer)
Aussehen & Merkmale
Das namensgebende Merkmal der Glasfrösche ist die teilweise durchscheinende Haut an der Bauchseite. Bei vielen Arten – insbesondere aus der Gattung Hyalinobatrachium – sind durch die ventrale Haut Herz, Leber, Magen-Darm-Trakt und die Eier tragender Weibchen mit bloßem Auge erkennbar. Die Rückenseite ist hingegen meist einheitlich grün gefärbt, mitunter mit kleinen weißen, gelben oder dunklen Punkten versehen. Diese dorsale Färbung dient der Tarnung auf der Oberseite von Blättern.
Die Augen sind im Verhältnis zum Körper groß und nach vorn gerichtet, was Glasfröschen ein gewisses binokulares Sehfeld verleiht – ein bei Froschlurchen eher seltenes Merkmal. Die Iris ist je nach Art gold-, silber- oder kupferfarben. Die Finger und Zehen tragen Haftscheiben, die das Klettern auf glatten Blattoberflächen ermöglichen. Bei einigen Arten ist zwischen den Zehen eine teilweise Schwimmhaut ausgebildet. Der Knochenbau zeigt eine artspezifische Besonderheit: Bei bestimmten Gattungen ist der Humerus (Oberarmknochen) mit einem Dornfortsatz versehen, der bei territorialen Auseinandersetzungen eingesetzt wird.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Glasfrösche erstreckt sich von Südmexiko über Zentralamerika bis in den Nordwesten Südamerikas, mit einem Diversitätszentrum in den Anden Kolumbiens, Ecuadors und Perus. Einzelne Arten kommen bis ins südöstliche Brasilien, nach Bolivien und ins Guayana-Hochland vor.
Als Habitat bevorzugen die meisten Arten die Vegetation entlang von Fließgewässern in tropischen Berg- und Nebelwäldern, typischerweise in Höhenlagen zwischen 400 und 2.500 Metern. Einige Tieflandarten besiedeln Bachläufe in tropischen Regenwäldern auf Meereshöhe. Die enge Bindung an Fließgewässer erklärt sich durch die Fortpflanzungsbiologie: Die Larven entwickeln sich im Wasser. Die adulten Tiere halten sich bevorzugt auf Blättern und Zweigen auf, die über Bäche und kleine Flüsse ragen. Dieses Biotop – die Ufervegetation tropischer Fließgewässer – ist der Lebensraum, in dem Glasfrösche nahezu ihren gesamten Lebenszyklus verbringen.
Ernährung
Glasfrösche sind Insektenfresser. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus kleinen Arthropoden wie Fliegen, Mücken, Ameisen, Käfern, Spinnen und Springschwänzen. Die Beute wird per Sichtjagd erfasst und mit einem schnellen Vorstoß der Zunge erbeutet. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße beschränkt sich das Beutespektrum auf entsprechend kleine Gliederfüßer. Die Jagd findet vorwiegend nachts statt, wenn die Tiere aktiv werden.
Verhalten & Lebensweise
Glasfrösche sind nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie auf der Oberseite von Blättern, wo ihre grüne Rückenfärbung eine hervorragende Tarnung bietet. Eine 2022 in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Studie zeigte, dass Glasfrösche der Art Hyalinobatrachium fleischmanni im Schlaf etwa 89 Prozent ihrer roten Blutkörperchen in der Leber speichern können. Dadurch wird die Durchsichtigkeit des Körpers erheblich gesteigert, was die Tarnung bei Tageslicht verbessert. Im aktiven Zustand wird das Blut wieder im Kreislauf verteilt.
Die Männchen sind territorial und besetzen während der Fortpflanzungszeit feste Rufplätze auf Blättern oberhalb von Gewässern. Ihr Revier verteidigen sie mit artspezifischen Rufen und – bei einigen Arten – durch direkten Körperkontakt. Bei Gattungen wie Centrolene nutzen die Männchen den bereits erwähnten Humerusdorn, um Rivalen von Blättern zu drängen. Außerhalb der Fortpflanzungszeit leben Glasfrösche einzelgängerisch.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt mit den Rufen der Männchen, die von Blättern über fließendem Wasser aus ihre Lautäußerungen in die Nacht senden. Die Rufe sind artspezifisch und dienen sowohl der Anlockung von Weibchen als auch der Reviermarkierung gegenüber konkurrierenden Männchen.
Nach der Paarung in Amplexus legt das Weibchen die Eier auf die Unterseite oder Oberseite eines Blattes, das über einem Bach hängt. Ein Gelege umfasst je nach Art zwischen 18 und 50 Eier. Bei zahlreichen Arten betreiben die Männchen Brutpflege: Sie bewachen das Gelege über mehrere Wochen, befeuchten die Eier bei Trockenheit und verteidigen sie gegen Fressfeinde wie parasitische Wespen und Fliegen. Dieses väterliche Brutpflegeverhalten ist innerhalb der Froschlurche ungewöhnlich.
Nach dem Schlupf fallen die Kaulquappen ins darunterliegende Gewässer, wo sie sich in den Bodengrund eingraben und dort eine mehrmonatige Entwicklung durchlaufen. Die Larven ernähren sich von organischem Material im Sediment. Nach der Metamorphose verlassen die