Fegen
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Definition und Überblick
Als Fegen bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache das Abreiben der abgestorbenen Basthaut vom fertig ausgebildeten Geweih oder Gehörn durch Hirsche, Rehböcke und andere Cerviden. Der Bast ist eine stark durchblutete, samtartige Hautschicht, die das wachsende Geweih während der Aufbauphase mit Nährstoffen versorgt. Sobald das Geweih vollständig verknöchert (mineralisiert) ist, trocknet der Bast ein und wird von den Tieren durch gezieltes Reiben an Bäumen, Sträuchern oder anderen Gegenständen entfernt. Dieser Vorgang wird als Fegen, das dabei benutzte Gehölz als Fegebaum oder Fegestelle bezeichnet.
Der biologische Hintergrund
Das Geweih gehört zu den am schnellsten wachsenden Knochenstrukturen im Tierreich. Während der Wachstumsphase – beim Rehbock etwa von Dezember bis März, beim Rothirsch von März bis Juli – wird das Geweih über die Basthaut mit Blut, Sauerstoff und Mineralstoffen versorgt. In dieser Phase ist das Geweih empfindlich, weich und warm. Das Tier meidet in der Regel Kontakt mit harten Gegenständen, um Verletzungen an der empfindlichen Kolbenstange zu vermeiden.
Sobald das Geweih seine endgültige Größe erreicht hat, verknöchert es vollständig. Die Blutversorgung wird unterbrochen, der Bast stirbt ab und beginnt zu trocknen. Dieser Vorgang wird hormonell gesteuert, insbesondere durch den ansteigenden Testosteronspiegel. Das Absterben des Bastes verursacht vermutlich einen Juckreiz oder ein unangenehmes Druckgefühl, das die Tiere dazu veranlasst, den Bast durch mechanisches Reiben zu entfernen.
Der Fegevorgang
Beim Fegen schlägt und reibt das Tier sein Geweih intensiv an Baumstämmen, Ästen und Sträuchern. Dabei werden die vertrockneten Bastfetzen nach und nach abgestreift. Der Vorgang kann sich über mehrere Stunden oder auch über einige Tage erstrecken. Frisch gefegte Geweihe zeigen zunächst eine helle, fast weiße Knochenfarbe. Die später typische bräunliche bis dunkelbraune Färbung der Geweihstangen entsteht durch den Kontakt mit Baumsäften, Harzen und Pflanzenfarbstoffen während und nach dem Fegen.
Die beim Fegen verwendeten Bäume tragen deutliche Spuren dieser Aktivität. Die Rinde wird großflächig abgeschlagen, Äste werden abgebrochen, und der Stamm zeigt charakteristische Längsrillen. Jäger und Förster erkennen an solchen Fegeschäden zuverlässig die Anwesenheit von Geweihträgern in einem Revier. Besonders junge Bäume mit dünner Rinde – etwa Lärchen, Fichten und Kiefern – sind betroffen, weshalb das Fegen in der Forstwirtschaft als relevante Schadursache gilt.
Zeitraum und Artunterschiede
Der Zeitpunkt des Fegens variiert je nach Wildart erheblich:
- Rehbock (Capreolus capreolus): Der Rehbock fegt in der Regel zwischen Ende Februar und Anfang Mai. Ältere, starke Böcke fegen tendenziell früher als jüngere Tiere, sogenannte Jährlinge.
- Rothirsch (Cervus elaphus): Beim Rothirsch fällt die Fegezeit in die Monate Juli und August, unmittelbar vor Beginn der Brunft im September.
- Damhirsch (Dama dama): Damhirsche fegen ihr Schaufelgeweih im August bis September, ebenfalls vor der Brunftzeit im Oktober.
- Sikahirsch (Cervus nippon): Ähnlich wie beim Rothirsch liegt die Fegezeit im Spätsommer.
- Elch (Alces alces): Der Elch fegt sein mächtiges Schaufelgeweih ab August.
Gemeinsam ist allen Arten, dass das Fegen zeitlich eng mit dem Beginn der Brunft verknüpft ist. Das frisch gefegte, blanke Geweih dient als Waffe bei Rivalenkämpfen und als optisches Signal gegenüber weiblichen Artgenossen.
Bedeutung für die jagdliche Praxis
Für den Jäger ist das Fegen ein wichtiger Indikator. Die an Fegebäumen hinterlassenen Spuren geben Aufschluss über das Vorkommen und die ungefähre Stärke der in einem Revier lebenden Geweihträger. Erfahrene Weidmänner können anhand der Höhe der Fegeschäden am Stamm, der Intensität der Beschädigungen und der Stärke der abgebrochenen Äste Rückschlüsse auf Alter und Geweihstärke des jeweiligen Stückes ziehen.
Darüber hinaus markieren Böcke und Hirsche mit dem Fegen gleichzeitig ihr Territorium. Am Fegebaum hinterlassen sie Duftstoffe aus den Stirndrüsen (Voraugendrüsen bzw. Infraorbitaldrüsen), die als olfaktorische Reviermarkierung fungieren. Ein Fegebaum ist daher nicht nur ein mechanisches Hilfsmittel, sondern auch eine Duftmarke und ein visuelles Signal an Artgenossen.
In der Jagdpraxis werden frische Fegestellen gezielt aufgesucht, um geeignete Ansitzplätze zu bestimmen. Insbesondere bei der Rehbockjagd, die in Deutschland am 1. Mai beginnt, sind Fegebäume ein verlässlicher Hinweis darauf, dass ein Bock bereits gefegt hat und aktiv sein Territorium beansprucht.
Fegeschäden in der Forstwirtschaft
Neben der jagdlichen Bedeutung spielt das Fegen eine erhebliche Rolle in der Forstwirtschaft. Besonders in Aufforstungsflächen und Jungbeständen können Fegeschäden zu beträchtlichen wirtschaftlichen Verlusten führen. Durch das Abreiben der Rinde wird das Kambium freigelegt, was zum Absterben des Baumes oder zu Pilzinfektionen und Wuchsdeformationen führen kann. Betroffen sind vor allem Bäume mit einem Stammdurchmesser von drei bis zehn Zentimetern.
Zum Schutz gegen Fegeschäden werden in der forstlichen Praxis verschiedene Maßnahmen eingesetzt, darun