Feldhamster
FTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Cricetus cricetus
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Wühler (Cricetidae)
- Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)
- Gattung: Cricetus
- Lebensraum: Offene Agrarlandschaften, Steppen, Löss- und Schwarzerdeböden
- Größe: 20–34 cm Körperlänge, Schwanz 4–6 cm
- Gewicht: 200–650 g (vor dem Winterschlaf bis zu 900 g)
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 4 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Feldhamster ist der größte Vertreter der Unterfamilie der Hamster (Cricetinae) in Europa und deutlich stattlicher als die als Haustier bekannten Goldhamster oder Zwerghamster. Sein gedrungener Körperbau mit kurzem Schwanz und kleinen, abgerundeten Ohren ist typisch für grabende Nagetiere. Die Vorderpfoten sind mit kräftigen Grabkrallen ausgestattet, die Hinterpfoten etwas größer und breiter.
Das Fell des Feldhamsters zeigt eine auffällige dreifarbige Zeichnung, die ihn von allen anderen europäischen Nagetieren unterscheidet: Die Oberseite ist bräunlich bis gelbbraun gefärbt, die Flanken tragen weiße Flecken, und die gesamte Unterseite ist tiefschwarz. Diese kontrastreiche Färbung dient vermutlich der Tarnung bei der Fortbewegung über offenen Boden, da sie die Körperkonturen optisch auflöst. In den östlichen Teilen des Verbreitungsgebiets treten gelegentlich melanistische Exemplare mit vollständig schwarzem Fell auf.
Wie alle Hamster besitzt auch der Feldhamster geräumige Backentaschen, die sich bis hinter die Schultern erstrecken können. In ihnen transportiert er Nahrung in seinen Bau – bei einer einzelnen Füllung bis zu 50 Gramm Getreide.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Feldhamsters erstreckt sich von Westeuropa (Belgien, Elsass, Niederlande) über Mittel- und Osteuropa bis nach Westsibirien und in den Nordwesten Chinas. In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt in den mitteldeutschen Bördegebieten, im Rhein-Main-Gebiet sowie in Teilen von Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Sein bevorzugtes Habitat sind tiefgründige, gut drainierte Böden in offenen Landschaften. Löss- und Schwarzerdeböden eignen sich besonders gut für die Anlage seiner unterirdischen Baue. Ursprünglich ein Bewohner der eurasischen Steppe, hat der Feldhamster in Mitteleuropa die extensiv bewirtschaftete Ackerlandschaft als Sekundärbiotop besiedelt. Er kommt vor allem auf Getreidefeldern, Luzerneäckern und Feldrändern vor. Dicht bebaute Gebiete, Wälder und staunasse Böden meidet er.
Ernährung
Der Feldhamster ist ein Allesfresser (Omnivor) mit einem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Sein Nahrungsspektrum umfasst Getreidekörner, Hülsenfrüchte, Rüben, Kräuter, Gräser und Wurzeln. Darüber hinaus frisst er regelmäßig tierische Nahrung: Insekten, Regenwürmer, Schnecken und gelegentlich kleine Wirbeltiere wie Feldmäuse oder Eidechsen.
Ab dem Spätsommer legt der Feldhamster Vorräte für den Winter an. Er trägt in seinen Backentaschen große Mengen an Getreidekörnern und Sämereien in spezielle Vorratskammern seines Baus ein. Ein einzelnes Tier kann Wintervorräte von bis zu fünf Kilogramm anlegen. Diese Vorräte dienen nicht nur als Winternahrung während kurzer Wachphasen im Winterschlaf, sondern auch als erste Nahrungsquelle nach dem Erwachen im Frühjahr.
Verhalten & Lebensweise
Der Feldhamster lebt einzelgängerisch und ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Jedes Tier bewohnt ein eigenes, selbst gegrabenes Gangsystem, das aus einem Wohnkessel, mehreren Vorratskammern und einer Kotkammer besteht. Der Bau erreicht Tiefen von bis zu zwei Metern und verfügt über mehrere Ein- und Ausgänge. Der senkrechte Fallgang dient als Fluchtröhre, während ein schräger Gang als Haupteingang genutzt wird.
Außerhalb der Paarungszeit verteidigen Feldhamster ihr Revier aggressiv gegen Artgenossen. Sie drohen mit aufgerissenem Maul, Fauchen und einem charakteristischen Knurren. Bei direkter Konfrontation richten sie sich auf die Hinterbeine auf und können empfindlich zubeißen.
Von Oktober bis März hält der Feldhamster Winterschlaf. Dabei senkt er seine Körpertemperatur auf etwa 5 °C ab, Herzschlag und Atemfrequenz werden drastisch reduziert. Alle fünf bis sieben Tage wacht er kurz auf, um von seinen eingelagerten Vorräten zu fressen und Urin abzusetzen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit beginnt nach dem Erwachen aus dem Winterschlaf im April und kann sich bis in den August erstrecken. Die Männchen verlassen ihr Revier und suchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen. Die Paarung selbst verläuft kurz – das Weibchen duldet das Männchen nur für wenige Stunden in ihrem Bau, danach wird es vertrieben.
Nach einer Tragzeit von 18 bis 20 Tagen bringt das Weibchen im Wohnkessel ihres Baus vier bis zwölf Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind nackt, blind und wiegen nur etwa sieben Gramm. Sie werden rund drei Wochen gesäugt. Mit etwa vier Wochen verlassen die Junghamster den mütterlichen Bau und graben eigene Gangsysteme. In günstigen Jahren mit ausreichendem Nahrungsangebot kann ein Weibchen zwei, selten drei Würfe pro Saison aufziehen. Die Geschlechtsreife tritt im Frühjahr des folgenden Jahres ein.