Feldmaus
FTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Microtus arvalis
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Wühler (Cricetidae)
- Unterfamilie: Wühlmäuse (Arvicolinae)
- Gattung: Feldmäuse (Microtus)
- Lebensraum: Offene Gras- und Agrarlandschaften, Wiesen, Weiden, Feldränder
- Körperlänge: 9–12 cm (ohne Schwanz)
- Schwanzlänge: 3–4,5 cm
- Gewicht: 18–40 g
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Feldmaus ist eine kompakt gebaute Wühlmaus mit relativ kurzem Schwanz, der etwa ein Drittel der Kopf-Rumpf-Länge erreicht. Das Fell ist auf der Oberseite graubraun bis gelbbraun gefärbt, die Unterseite erscheint deutlich heller in einem schmutzigen Weißgrau. Die Fellstruktur ist dicht und weich, was die Tiere gut gegen Kälte und Feuchtigkeit schützt.
Charakteristisch sind die kleinen, rundlichen Ohren, die kaum aus dem Fell herausragen, sowie die vergleichsweise kleinen Augen. Die Schnauze ist stumpf und breit – ein typisches Merkmal der Wühlmäuse, das sie deutlich von den spitzschnäuzigen Echten Mäusen (Muridae) unterscheidet. Die Hinterfüße sind kräftig gebaut und an eine grabende Lebensweise angepasst. Die Nagezähne wachsen wie bei allen Nagetieren zeitlebens nach.
Von der nah verwandten Erdmaus (Microtus agrestis) lässt sich die Feldmaus am sichersten durch die kürzeren Ohren und das etwas glattere Fell unterscheiden. Auch die Rötelmaus (Myodes glareolus) wird gelegentlich verwechselt, ist aber durch ihr rotbraunes Rückenfell und den längeren Schwanz gut abzugrenzen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Feldmaus erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht ostwärts bis nach Zentralasien. In Europa fehlt sie lediglich auf den Britischen Inseln, in Skandinavien nördlich von Südschweden sowie in den Mittelmeerinseln. In Mitteleuropa gehört sie zu den häufigsten Kleinsäugern überhaupt.
Ihr bevorzugtes Habitat sind offene, grasbewachsene Flächen: Äcker, Wiesen, Weiden, Böschungen, Deiche und Feldraine. Geschlossene Wälder meidet die Feldmaus, dringt aber durchaus in Waldlichtungen, Kahlschläge und Streuobstwiesen vor. Auch in alpinen Regionen kommt sie bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern vor. Die Art profitiert stark von der landwirtschaftlichen Nutzung der Landschaft – Ackerflächen mit Getreide, Luzerne oder Klee bieten ideale Lebensbedingungen.
Ernährung
Die Feldmaus ernährt sich überwiegend herbivor. Auf dem Speiseplan stehen Gräser, Kräuter, Getreidekörner, Wurzeln, Knollen und Zwiebeln. Saisonabhängig frisst sie auch Samen, Rinde junger Bäume und gelegentlich Insekten oder andere wirbellose Tiere. Pro Tag nimmt eine Feldmaus Nahrung in Höhe ihres eigenen Körpergewichts auf – ein Umstand, der ihren enormen Stoffwechsel widerspiegelt und erklärt, warum große Populationen erhebliche Schäden in der Landwirtschaft verursachen können.
Im Herbst legt die Feldmaus unterirdische Vorräte an, die hauptsächlich aus Samen und Wurzelstücken bestehen. Diese Depots sind für das Überleben im Winter entscheidend, da die Art keinen Winterschlaf hält.
Verhalten & Lebensweise
Feldmäuse sind sowohl tag- als auch nachtaktiv, zeigen jedoch eine Tendenz zu dämmerungs- und nachtaktivem Verhalten – insbesondere in Gebieten mit hohem Prädationsdruck. Ihre Aktivität verteilt sich auf mehrere kurze Phasen über den gesamten Tag, unterbrochen von Ruhephasen im Bau.
Das Gangsystem der Feldmaus ist ein auffälliges Merkmal ihres Biotops. Die Tiere graben ausgedehnte, flache Tunnelnetze knapp unter der Erdoberfläche, die durch zahlreiche offene Löcher mit der Oberfläche verbunden sind. Zwischen diesen Eingängen verlaufen gut sichtbare Laufwege – sogenannte Wechsel – durch das Gras. Ein typisches Gangsystem umfasst Nestkammern, Vorratskammern und Kotplätze. Die Bauten liegen meist in 10–30 cm Tiefe, können aber im Winter tiefer angelegt werden.
Feldmäuse leben in lockeren sozialen Gruppen. Das Revier eines Weibchens überschneidet sich häufig mit dem mehrerer Männchen. Innerhalb der Gruppen gibt es eine hierarchische Struktur mit dominanten und untergeordneten Tieren. Aggressive Auseinandersetzungen unter Männchen treten vor allem während der Fortpflanzungszeit auf.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich unter günstigen Bedingungen von März bis Oktober, kann aber in milden Wintern nahezu ganzjährig andauern. Nach einer Tragzeit von nur 19–21 Tagen bringt das Weibchen drei bis sieben Jungtiere zur Welt, in Ausnahmefällen bis zu zwölf. Die Jungen kommen nackt, blind und hilflos zur Welt und wiegen bei der Geburt etwa 1–3 Gramm.
Die Augen öffnen sich nach etwa neun Tagen. Nach rund zwei Wochen beginnen die Jungtiere, feste Nahrung aufzunehmen, und werden mit etwa drei Wochen entwöhnt. Bereits im Alter von fünf bis sechs Wochen erreichen Weibchen die Geschlechtsreife – einer der Gründe für das enorme Vermehrungspotenzial der Art. Ein einzelnes Weibchen kann bis zu sechs Würfe pro Jahr aufziehen.
Diese hohe Reproduktionsrate führt in regelmäßigen Abständen von drei bis fünf Jahren zu sogenannten Massenv