Flachlandtapir
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tapirus terrestris
- Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
- Familie: Tapire (Tapiridae)
- Gattung: Tapirus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Sumpfgebiete und Galeriewälder Südamerikas
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 180–250 cm, Schulterhöhe 77–110 cm
- Gewicht: 150–300 kg
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre in freier Wildbahn, bis 35 Jahre in menschlicher Obhut
Aussehen & Merkmale
Der Flachlandtapir ist die größte wildlebende Landsäugetierart Südamerikas. Sein massiger, seitlich leicht abgeflachter Körper erinnert auf den ersten Blick an ein großes Schwein, doch die verwandtschaftliche Nähe besteht tatsächlich zu Nashörnern und Pferden. Das kurze, dichte Fell ist bei erwachsenen Tieren einheitlich dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Entlang des Nackens und der oberen Halslinie verläuft eine aufrechte, borstige Mähne, die als Nackenkamm deutlich sichtbar ist.
Das auffälligste Merkmal ist der kurze, bewegliche Rüssel – eine Verlängerung der Oberlippe und der Nase. Dieser Greifrüssel dient zum Abtasten und Ergreifen von Nahrung, ähnlich einer vereinfachten Version des Elefantenrüssels, jedoch nicht homolog zu diesem. Die Ohren sind oval, relativ groß und tragen helle Ränder, die als Arterkennungsmerkmal gelten. Die Augen sind klein und seitlich am Kopf angeordnet, was dem Flachlandtapir ein breites, wenn auch nicht besonders scharfes Sichtfeld verleiht.
Die Beine sind kurz und kräftig. An den Vorderfüßen befinden sich vier Zehen, an den Hinterfüßen drei – ein typisches Merkmal der Unpaarhufer, bei denen die mittlere Zehe die Hauptlast trägt. Die Haut ist dick und robust, was einen gewissen Schutz vor Dornen und Insektenstichen bietet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Flachlandtapirs erstreckt sich über weite Teile Südamerikas östlich der Anden. Es reicht von Venezuela und Kolumbien über Brasilien, Ecuador, Peru und Bolivien bis nach Paraguay und in den Norden Argentiniens. Historisch war die Art auch in Uruguay und im Süden Brasiliens verbreitet, doch dort ist sie inzwischen ausgestorben.
Als bevorzugtes Habitat dienen tropische und subtropische Regenwälder, insbesondere in Flussnähe. Der Flachlandtapir besiedelt aber auch Sumpfwälder, Trockenwälder, Savannenlandschaften wie den Cerrado sowie Galeriewälder. Die Nähe zu Gewässern ist dabei ein entscheidender Faktor bei der Wahl des Biotops: Flüsse, Seen und Sümpfe werden regelmäßig aufgesucht, sowohl zur Nahrungssuche als auch zur Thermoregulation und zum Schutz vor Ektoparasiten. In den Anden wurde die Art vereinzelt bis auf Höhen von 1.700 Metern nachgewiesen.
Ernährung
Der Flachlandtapir ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor). Seine Nahrung besteht aus Blättern, Trieben, Rinde, Früchten und Wasserpflanzen. Mithilfe seines beweglichen Rüssels streift er Blätter von Zweigen und greift gezielt nach Früchten, die für andere Pflanzenfresser schwer erreichbar sind. Studien haben gezeigt, dass sich Tapire von über 200 verschiedenen Pflanzenarten ernähren, wobei Früchte einen erheblichen Anteil der Nahrung ausmachen können – je nach Saison und Verfügbarkeit bis zu 40 Prozent.
Diese Vorliebe für Früchte macht den Flachlandtapir zu einem bedeutenden Samenverbreiter. Viele Samen passieren den Verdauungstrakt unbeschädigt und werden über große Distanzen transportiert. Durch diese Zoochorie trägt die Art aktiv zur Regeneration und Durchmischung tropischer Wälder bei. Ökologisch betrachtet gilt der Flachlandtapir daher als sogenannte Schlüsselart (keystone species) für neotropische Waldökosysteme.
Verhalten & Lebensweise
Flachlandtapire sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie in dichter Vegetation oder im Schlamm von Gewässern. Die Tiere leben einzelgängerisch; Begegnungen zwischen erwachsenen Individuen außerhalb der Paarungszeit sind selten und werden meist durch Ausweichen entschärft. Jedes Tier nutzt ein festes Revier, das es über Harnmarkierungen und Kotplätze kennzeichnet. Die Reviergröße variiert stark und kann je nach Lebensraumqualität zwischen 1 und 8 Quadratkilometern betragen.
Trotz ihres massigen Körperbaus sind Flachlandtapire gewandte Schwimmer und Taucher. Im Wasser bewegen sie sich geschickt und können längere Strecken schwimmend zurücklegen. Auch über Land sind sie erstaunlich wendig: Bei Gefahr flüchten sie in dichtes Unterholz oder ins Wasser, wobei sie Hindernisse mit beachtlicher Geschwindigkeit durchbrechen. Zu den natürlichen Feinden zählen Jaguar und Puma, gelegentlich auch große Anakondas bei jungen Tieren.
Die Kommunikation erfolgt vorwiegend über hohe Pfeiflaute, die insbesondere zwischen Mutter und Jungtier sowie zwischen potenziellen Paarungspartnern ausgetauscht werden. Der Geruchssinn ist hervorragend ausgeprägt und spielt bei der Orientierung und der Nahrungssuche eine zentrale Rolle.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung ist nicht streng saisonal gebunden, kann also ganzjährig stattfinden. Zur Paarungszeit suchen Männchen aktiv nach empfängnisbereiten Weibchen. Die Paarung wird häufig von gegenseitigem Beschnüffeln und Pfeiflauten eingeleitet. Die Tragzeit ist mit rund 13 Monaten (390–400 Tage) außergewöhnlich lang für ein Tier dieser Größenklasse.
Pro Wurf wird in der Regel ein einzelnes Jungt