Schabrackentapir
STierart – Säugetiere > Huftiere – Nashörner & Tapire
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tapirus indicus
- Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
- Familie: Tapire (Tapiridae)
- Gattung: Tapirus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder Südostasiens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 180–250 cm, Schulterhöhe 90–110 cm
- Gewicht: 250–400 kg
- Lebenserwartung: 25–30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 35 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Schabrackentapir ist die größte der vier lebenden Tapirarten und zugleich die einzige, die in Asien vorkommt. Sein auffälligstes Merkmal ist die kontrastreiche Schwarzweiß-Zeichnung des Fells: Kopf, Schultern, Beine und Bauch sind schwarz bis dunkelbraun gefärbt, während sich über Rücken und Flanken eine großflächige, scharf abgegrenzte weiße bis grauweiße Zone erstreckt – die sogenannte Schabracke. Dieser Begriff stammt aus dem Reitsport und bezeichnet eine Satteldecke, der das helle Rückenmuster optisch ähnelt.
Die Körperform ist gedrungen und tonnenförmig, mit kräftigen, relativ kurzen Beinen. An den Vorderfüßen befinden sich vier Zehen, an den Hinterfüßen drei – ein typisches Merkmal der Tapire und zugleich ein Unterscheidungsmerkmal zu den nah verwandten Nashörnern, die durchgehend drei Zehen tragen. Der Kopf ist massiv mit kleinen, runden Augen und aufrecht stehenden, weiß gerandeten Ohren. Das markanteste Merkmal im Gesicht ist der kurze, bewegliche Greifrüssel, eine Verlängerung der Oberlippe und der Nase. Dieser Rüssel dient dem Ergreifen von Blättern und Zweigen und ist deutlich kürzer als der eines Elefanten, in seiner Funktion aber vergleichbar.
Die kontrastreiche Fellzeichnung wirkt auf den ersten Blick wenig tarnend, erfüllt aber im dichten Unterholz des Regenwaldes eine auflösende Funktion: In der nächtlichen Dämmerung bricht das Schwarzweiß-Muster die Körperkontur auf und erschwert es Raubtieren, den Tapir als Ganzes zu erkennen. Neugeborene besitzen hingegen ein gänzlich anderes Fellmuster mit braunem Grund und hellen Längsstreifen sowie Flecken, das an junge Wildschweine erinnert und sich innerhalb der ersten sechs bis acht Lebensmonate verliert.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Schabrackentapirs erstreckt sich über Teile Südostasiens. Historisch besiedelte die Art weite Gebiete von Myanmar und Thailand über die Malaiische Halbinsel bis nach Sumatra. Heute ist das Habitat stark fragmentiert. Die größten zusammenhängenden Populationen finden sich in den Regenwäldern der malaiischen Halbinsel und auf Sumatra in Indonesien. In Myanmar und Thailand sind die Bestände auf isolierte Waldgebiete beschränkt.
Schabrackentapire bewohnen vorwiegend dichte, immergrüne tropische und subtropische Tieflandregenwälder, kommen aber auch in Bergwäldern bis auf etwa 2.000 Meter Höhe vor. Sie bevorzugen Biotope in Gewässernähe – Flussläufe, Sumpfgebiete und Seen spielen eine zentrale Rolle in ihrem Lebensraum, da die Tiere sich häufig im Wasser aufhalten.
Ernährung
Als reiner Pflanzenfresser (Herbivor) ernährt sich der Schabrackentapir von Blättern, Trieben, Knospen, Wasserpflanzen und heruntergefallenen Früchten. Mit dem beweglichen Rüssel streift er gezielt Blätter von Zweigen ab und greift nach Vegetation, die für andere Pflanzenfresser schwer erreichbar wäre. Die Nahrungspalette umfasst über 100 verschiedene Pflanzenarten. Durch seine Ernährung und die Ausscheidung unverdauter Samen trägt der Schabrackentapir wesentlich zur Samenverbreitung (Zoochorie) bei und erfüllt damit eine wichtige ökologische Funktion als sogenannter „Gärtner des Waldes".
Verhalten & Lebensweise
Schabrackentapire sind überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Den Tag verbringen sie in dichter Vegetation ruhend. Sie leben einzelgängerisch; Begegnungen zwischen erwachsenen Tieren beschränken sich weitgehend auf die Paarungszeit. Jedes Tier nutzt ein festes Revier, das über Urinmarkierungen und Kotplätze abgegrenzt wird. Die Reviergröße variiert je nach Lebensraumqualität und kann mehrere Quadratkilometer umfassen.
Eine ausgeprägte Verhaltenseigenschaft ist die enge Bindung an Wasser. Schabrackentapire sind ausgezeichnete Schwimmer und Taucher. Sie suchen regelmäßig Gewässer auf, um sich abzukühlen, Parasiten loszuwerden und sich vor Fressfeinden zu schützen. Zu den natürlichen Prädatoren zählen Tiger und Leoparden, wobei vor allem Jungtiere gefährdet sind. Ausgewachsene Schabrackentapire können sich durch ihre Körpermasse und eine dicke Nackenhaut bedingt verteidigen und flüchten bei Gefahr bevorzugt ins Wasser oder brechen geradlinig durch dichtes Unterholz.
Die Kommunikation erfolgt überwiegend über hohe Pfeif- und Quietschlaute, die im dichten Wald über beträchtliche Entfernungen hörbar sind.
Fortpflanzung & Aufzucht
Schabrackentapire erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis vier Jahren. Eine feste Paarungszeit gibt es nicht; die Fortpflanzung kann ganzjährig stattfinden. Zur Paarungszeit suchen Männchen aktiv nach Weibchen, wobei es zu ritualisierten Annäherungen mit gegenseitigem Beschnüffeln und Lautäußerungen kommt. Gelegentlich treten Rivalenkämpfe zwischen Männchen auf, bei denen die Tiere mit Bissen auf Ohren und Beine des Gegners einwirken.
Die Tragzeit beträgt rund 390 bis 400 Tage – eine der längsten unter allen Landsäugetieren vergleichbarer Größe. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, Zwillings