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Spitzmaulnashorn

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Nashörner & Tapire

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Diceros bicornis
  • Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
  • Familie: Nashörner (Rhinocerotidae)
  • Gattung: Diceros
  • Lebensraum: Savannen, Buschland, lichte Trockenwälder und Halbwüsten Ost- und Südafrikas
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 3,0–3,8 m; Schulterhöhe 1,4–1,8 m
  • Gewicht: 800–1.400 kg
  • Lebenserwartung: 35–50 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 55 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das Spitzmaulnashorn – oft auch als Schwarzes Nashorn bezeichnet – ist trotz seines Namens nicht wirklich schwarz. Die Hautfarbe variiert von dunkelgrau bis bräunlich und hängt stark von der Farbe des Bodens ab, in dem sich das Tier wälzt. Die dicke, nahezu haarlose Haut ist in tiefe Falten gelegt und kann bis zu 2 cm dick sein, was einen wirksamen Schutz gegen Dornen und Parasiten bietet.

Das namensgebende Merkmal ist die spitz zulaufende, greifbare Oberlippe. Im Gegensatz zum Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum), dessen Lippe breit und flach geformt ist, verfügt das Spitzmaulnashorn über eine bewegliche, fingerartige Greiflippe. Mit dieser kann es gezielt einzelne Zweige und Blätter umfassen und zum Maul führen – eine entscheidende Anpassung an seine Ernährungsweise als Laubfresser.

Auf der Nase sitzen zwei hintereinander angeordnete Hörner aus Keratin, dem gleichen Protein, aus dem auch menschliche Fingernägel bestehen. Das vordere Horn ist mit durchschnittlich 50 cm deutlich länger als das hintere und kann in Ausnahmefällen über einen Meter erreichen. Die Ohren sind groß und trichterförmig, der Schwanz kurz und mit einer Quaste versehen. Die Augen sind im Verhältnis zum massigen Kopf auffallend klein.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Spitzmaulnashorns erstreckte sich historisch über weite Teile des subsaharischen Afrika, von Westafrika über den Sahel bis an die Ostküste und südwärts bis nach Südafrika. Heute beschränkt sich das Habitat auf fragmentierte Restpopulationen in Kenia, Tansania, Namibia, Südafrika, Simbabwe und einigen wenigen weiteren Staaten.

Als bevorzugtes Biotop dienen dichte Buschlandschaften und Akaziensavannen mit ausreichend Deckung. Im Gegensatz zum Breitmaulnashorn, das offene Graslandschaften bewohnt, ist das Spitzmaulnashorn auf strauchreiches Gelände angewiesen, das sowohl Nahrung als auch Schutz vor Überhitzung bietet. Die Tiere nutzen außerdem regelmäßig Suhlen und Wasserlöcher zur Thermoregulation und zur Bekämpfung von Ektoparasiten.

Es werden vier überlebende Unterarten anerkannt: D. b. bicornis (Südwestafrika), D. b. michaeli (Ostafrika), D. b. minor (Südostafrika) und D. b. longipes – letztere wurde 2011 von der IUCN für ausgestorben erklärt.

Ernährung

Das Spitzmaulnashorn ist ein reiner Pflanzenfresser mit einer ausgeprägten Spezialisierung auf Blätter, Triebe, Zweige und Knospen verholzter Pflanzen. In der Fachsprache wird es daher als „Browser" klassifiziert, im Unterschied zum „Grazer" Breitmaulnashorn, das hauptsächlich Gräser frisst. Die bewegliche Greiflippe ermöglicht es dem Tier, selbst in dornigem Buschwerk selektiv zu fressen.

Zum Nahrungsspektrum gehören über 200 Pflanzenarten, darunter Akazien, Euphorbien und verschiedene Sukkulenten. Ein erwachsenes Spitzmaulnashorn nimmt täglich etwa 20 bis 25 kg Pflanzenmasse auf. Wasser wird bei Verfügbarkeit täglich aufgenommen, doch die Tiere können in ariden Gebieten mehrere Tage ohne Trinken auskommen, da sie einen Teil ihres Wasserbedarfs über die Nahrung decken.

Verhalten & Lebensweise

Spitzmaulnashörner sind überwiegend einzelgängerisch. Erwachsene Tiere beanspruchen Reviere, die je nach Nahrungsangebot und Wasserverfügbarkeit zwischen 2 und 130 Quadratkilometern umfassen können. Diese Territorien werden durch Dung- und Urinhaufen sowie durch das Scharren mit den Hinterfüßen markiert. Gemeinsame Dungplätze – sogenannte Latrinen – dienen als olfaktorische Kommunikationszentren.

Die Tiere sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Während der heißesten Tagesstunden ruhen sie im Schatten oder in Suhlen. Trotz ihrer massigen Erscheinung sind Spitzmaulnashörner erstaunlich wendig und können Geschwindigkeiten von bis zu 55 km/h erreichen. Sie gelten als deutlich aggressiver als Breitmaulnashörner und greifen bei vermeintlicher Bedrohung gelegentlich auch Fahrzeuge oder andere Tiere an. Diese Reizbarkeit wird teilweise durch ihr extrem eingeschränktes Sehvermögen erklärt – sie reagieren oft auf Geräusche oder Gerüche, bevor sie die Quelle visuell identifizieren können.

Gehör und Geruchssinn sind hingegen hervorragend entwickelt. Die beweglichen Ohren können unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen gedreht werden.

Fortpflanzung & Aufzucht

Spitzmaulnashörner sind nicht saisonal gebunden und können sich ganzjährig fortpflanzen. Bullen suchen aktiv nach paarungsbereiten Kühen und folgen diesen mitunter über mehrere Tage. Die Paarung selbst dauert zwischen 20 und 40 Minuten. Eine feste Paarbindung besteht nicht; nach der Kopulation trennen sich die Tiere wieder.

Die Tragzeit beträgt etwa 15 bis 16 Monate. Das einzelne Kalb wi