Sumatra-Nashorn
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Dicerorhinus sumatrensis
- Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
- Familie: Nashörner (Rhinocerotidae)
- Gattung: Dicerorhinus
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Bergwälder und Sumpfgebiete Südostasiens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 230–320 cm, Schulterhöhe 100–150 cm
- Gewicht: 500–960 kg
- Lebenserwartung: 35–40 Jahre in freier Wildbahn, bis etwa 45 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Das Sumatra-Nashorn ist die kleinste der fünf heute lebenden Nashornarten und zugleich die einzige asiatische Art mit zwei Hörnern. Das vordere Horn erreicht eine Länge von 15 bis 25 Zentimetern, in Ausnahmefällen bis zu 80 Zentimetern. Das hintere Horn ist deutlich kürzer und oft nur ein stumpfer Höcker. Beide Hörner bestehen nicht aus Knochen, sondern aus komprimiertem Keratin – dem gleichen Protein, das auch in menschlichen Fingernägeln vorkommt.
Ein auffälliges Merkmal ist das rötlich-braune, teils borstige Fell, das den Körper insbesondere bei Jungtieren dicht bedeckt. Bei älteren Tieren lichtet sich die Behaarung durch Abrieb, bleibt aber vor allem an Ohren, Schwanzspitze und den Hautfalten erhalten. Die Haut selbst ist dunkelgrau bis braun und zeigt tiefe Falten an Hals und Beinen, die an eine Panzerung erinnern. Unter den rezenten Nashörnern steht das Sumatra-Nashorn dem ausgestorbenen Wollnashorn (Coelodonta antiquitatis) stammesgeschichtlich am nächsten – die Behaarung gilt als ursprüngliches Merkmal innerhalb der Familie Rhinocerotidae.
Die Oberlippe ist als bewegliche Greiflippe ausgebildet, mit der das Tier gezielt Blätter, Zweige und Triebe abreißen kann. Die Augen sind klein, das Sehvermögen eher schwach ausgeprägt, während der Geruchssinn und das Gehör sehr gut entwickelt sind.
Lebensraum & Verbreitung
Das historische Verbreitungsgebiet des Sumatra-Nashorns erstreckte sich einst von den Ausläufern des Himalajas über Myanmar, Thailand, die Malaiische Halbinsel bis zu den indonesischen Inseln Sumatra und Borneo. Heute ist das Vorkommen auf wenige isolierte Populationen in Indonesien beschränkt. Die letzten bestätigten Bestände leben im Gunung-Leuser-Nationalpark und im Way-Kambas-Nationalpark auf Sumatra sowie möglicherweise noch in Teilen Kalimantans auf Borneo.
Das bevorzugte Habitat sind dichte tropische und subtropische Regenwälder in Höhenlagen zwischen 300 und 2.500 Metern. Die Tiere benötigen zusammenhängende, ungestörte Waldgebiete mit Zugang zu Wasserquellen und Schlammsuhlen. Sekundärwälder werden ebenfalls genutzt, sofern sie ausreichend Deckung und Nahrung bieten. Die Zerstückelung des Lebensraums durch Abholzung und die Umwandlung von Waldflächen in Palmölplantagen gehört zu den gravierendsten Problemen für das Überleben der Art.
Ernährung
Das Sumatra-Nashorn ist ein reiner Pflanzenfresser (Herbivor) mit einer ausgesprochen vielseitigen Diät. Es ernährt sich von Blättern, Zweigen, Rinde, Früchten und Sämlingen. Über 100 verschiedene Pflanzenarten wurden als Nahrungsquellen dokumentiert. Mit der beweglichen Greiflippe bricht das Tier junge Bäumchen um oder streift Blätter von Ästen. Besonders bevorzugt werden Ingwergewächse, Mangostane und verschiedene Feigenarten.
Täglich nimmt ein ausgewachsenes Sumatra-Nashorn etwa 50 Kilogramm pflanzliche Nahrung auf. Mineralhaltige Salzlecken werden regelmäßig aufgesucht, um den Bedarf an Spurenelementen zu decken. Diese Salzlecken dienen zugleich als sporadische Treffpunkte zwischen ansonsten einzelgängerisch lebenden Artgenossen.
Verhalten & Lebensweise
Sumatra-Nashörner sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Die heißen Mittagsstunden verbringen sie in Schlammsuhlen, die eine wichtige Rolle bei der Thermoregulation und dem Schutz vor Parasiten und Insekten spielen. Die Tiere legen durch wiederholte Nutzung regelrechte Schlammbäder an, die zum Teil über Jahre bestehen bleiben.
Die Art lebt einzelgängerisch. Jedes Tier beansprucht ein ausgedehntes Revier, das bei Bullen bis zu 50 Quadratkilometer umfassen kann. Die Reviere der Weibchen sind mit etwa 10 bis 15 Quadratkilometern kleiner und können sich mit denen benachbarter Kühe überlappen. Die Markierung des Reviers erfolgt durch Urin, Kot und das Umknicken von Jungbäumen. Entlang fester Wechsel – immer wieder genutzter Pfade durch das Unterholz – legen die Tiere Kothaufen als Duftmarken ab.
Trotz ihres massigen Körperbaus sind Sumatra-Nashörner erstaunlich wendig. Sie bewegen sich sicher durch dichten Unterwuchs und können steile Hänge erklimmen. Von Artgenossen sind verschiedene Lautäußerungen bekannt, darunter pfeifende und wimmernde Rufe, die über größere Distanzen zur Kontaktaufnahme dienen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen mit etwa sechs bis sieben Jahren ein, bei Bullen etwas später mit rund zehn Jahren. Es gibt keine feste Paarungszeit; die Fortpflanzung kann ganzjährig erfolgen. Die Tragzeit beträgt etwa 15 bis 16 Monate – vergleichbar mit anderen Nashornarten. Pro Wurf wird ein einzelnes Kalb geboren, das bei der Geburt rund 40 bis 60 Kilogramm wiegt und dicht behaart ist.
Das Jungtier wird etwa 15 Monate lang gesäugt und bleibt bis zu zwei bis drei Jahre bei der Mutter, bevor es ein eigenes Revier sucht. Das Geburtsintervall liegt bei vier