T Tierlexikon.net
← Lexikon

Panzernashorn

P

Tierart – Säugetiere > Huftiere – Nashörner & Tapire

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Rhinoceros unicornis
  • Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
  • Familie: Nashörner (Rhinocerotidae)
  • Gattung: Rhinoceros
  • Lebensraum: Grasländer, Sumpfgebiete und Auenwälder Südasiens
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 310–380 cm, Schulterhöhe 160–186 cm
  • Gewicht: 1.800–2.700 kg (Bullen bis über 2.500 kg)
  • Lebenserwartung: 35–45 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das Panzernashorn, auch Indisches Nashorn oder Indisches Panzernashorn genannt, ist nach dem Breitmaulnashorn und dem Spitzmaulnashorn die drittgrößte lebende Nashornart. Seinen deutschen Namen verdankt es der auffälligen Hautstruktur: Die dicke, graubraune Haut ist in große, plattenartige Abschnitte gegliedert, die an den Schultern, am Hals und an den Flanken tiefe Falten bilden. Diese Falten verleihen dem Tier das Aussehen eines gepanzerten Ritters – ein Eindruck, den bereits Albrecht Dürer in seinem berühmten Holzschnitt von 1515 festhielt. Die Hautoberfläche ist mit zahlreichen knopfartigen Erhebungen, sogenannten Tuberkeln, übersät, die besonders an den Schultern und Hinterbeinen ausgeprägt sind.

Im Unterschied zu den afrikanischen Nashornarten trägt das Panzernashorn nur ein einzelnes Horn auf der Nase, das aus verdichtetem Keratin besteht und eine Länge von 20 bis 60 cm erreicht. Die Oberlippe ist leicht greiffähig und zugespitzt, was dem Tier beim Abrupfen von Pflanzen hilft. Die Ohren sind relativ groß und beweglich, die Augen dagegen klein. Wie alle Nashörner sieht das Panzernashorn schlecht, kompensiert dies aber durch einen ausgezeichneten Geruchssinn und gutes Gehör.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Panzernashorns beschränkt sich heute auf wenige Regionen in Nordindien und Nepal. Historisch erstreckte sich das Habitat vom heutigen Pakistan über die gesamte Ganges-Ebene bis nach Myanmar und möglicherweise bis nach Südchina. Der drastische Rückgang begann mit der Ausbreitung der Landwirtschaft und der intensiven Bejagung während der Kolonialzeit.

Das bevorzugte Biotop sind die hohen Grasländer und Schwemmlandebenen am Fuß des Himalaya, insbesondere entlang von Flussufern und in sumpfigen Auenlandschaften. Der Kaziranga-Nationalpark im indischen Bundesstaat Assam beherbergt mit rund 2.600 Tieren die weitaus größte Population. Weitere Bestände finden sich im Chitwan-Nationalpark in Nepal, im Orang-Nationalpark und im Jaldapara-Nationalpark. Das Panzernashorn ist eng an Wasser gebunden und hält sich bevorzugt in der Nähe von Flüssen, Seen und Sumpfgebieten auf.

Ernährung

Das Panzernashorn ist ein reiner Pflanzenfresser. Den Hauptanteil seiner Nahrung bilden Gräser, insbesondere die hochwüchsigen Grasarten der Gattungen Saccharum und Phragmites, die in seinem Lebensraum dominieren. Daneben frisst es Blätter, Zweige, Wasserpflanzen, Früchte und Rinde. Die flexible Oberlippe dient als Greiforgan, mit dem einzelne Halme und Blätter gezielt erfasst und abgerissen werden.

Panzernashörner verbringen einen Großteil des Tages mit der Nahrungsaufnahme und können täglich bis zu 150 kg Pflanzenmaterial zu sich nehmen. Während der Regenzeit, wenn die Grasländer überschwemmt werden, weichen sie auf höher gelegene Bereiche aus und stellen ihre Ernährung stärker auf Laub und Sträucher um. Mineralsalze werden gelegentlich an natürlichen Salzlecken aufgenommen.

Verhalten & Lebensweise

Das Panzernashorn lebt überwiegend einzelgängerisch. Ausgewachsene Bullen beanspruchen Reviere, die sie mit Dung- und Urinhaufen markieren. Die Kotplätze – sogenannte Latrinen – dienen der Kommunikation zwischen Artgenossen und können beträchtliche Ausmaße annehmen. An diesen Stellen hinterlassen mehrere Tiere ihre Markierungen, wodurch ein Informationsaustausch über Geschlecht, Fortpflanzungsbereitschaft und individuellen Status stattfindet.

Die Tiere sind vorwiegend in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung aktiv. Während der heißen Mittagsstunden ruhen sie im Schatten oder suhlen sich ausgiebig in Schlammlöchern. Das Suhlen schützt die Haut vor Parasiten, Sonnenstrahlung und Insektenstichen und gehört zu den charakteristischen Verhaltensweisen dieser Art. Panzernashörner sind gute Schwimmer und durchqueren selbst breite Flüsse ohne Schwierigkeiten.

Trotz ihres massigen Körperbaus können Panzernashörner Geschwindigkeiten von bis zu 45 km/h erreichen. Bei Bedrohung reagieren sie mitunter aggressiv und greifen mit gesenktem Kopf an, wobei sie neben dem Horn vor allem ihre scharfen unteren Schneidezähne als Waffe einsetzen – ein Unterschied zu den afrikanischen Arten, die hauptsächlich ihr Horn nutzen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Panzernashörner erreichen die Geschlechtsreife mit etwa fünf bis sieben Jahren, wobei Bullen sich in der Regel erst ab einem Alter von zehn Jahren erfolgreich fortpflanzen können, da sie vorher von dominanten Männchen verdrängt werden. Es gibt keine feste Paarungszeit; die Fortpflanzung kann das gesamte Jahr über stattfinden. Paarungsbereite Kühe signalisieren ihre Empfängnisbereitschaft durch Lautäußerungen und Duftmarkierungen.

Die Tragzeit beträgt rund 16 Monate. In der Regel wird ein einzelnes Jungtier geboren, das bei der Geburt etwa 65 kg wiegt und bereits nach wenigen Stunden stehen und laufen kann. Das Kalb wird etwa 18 Monate lang gesäugt, bleibt aber bis zu drei Jahre