Flohkrebs
FTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Amphipoda (Ordnung); bekannteste einheimische Art: Gammarus pulex (Bachflohkrebs)
- Ordnung: Flohkrebse (Amphipoda)
- Überordnung: Peracarida (Ranzenkrebse)
- Klasse: Malacostraca (Höhere Krebse)
- Familie: Gammaridae (häufigste Süßwasserfamilie), daneben zahlreiche weitere Familien
- Lebensraum: Süßwasser, Brackwasser, Meer; vereinzelt semi-terrestrisch
- Größe: Je nach Art 1–30 mm, Ausnahme: Tiefseeart Alicella gigantea bis 340 mm
- Gewicht: Wenige Milligramm bis etwa 2 g bei Großarten
- Lebenserwartung: 1–2 Jahre (Süßwasserarten), marine Arten teils länger
Aussehen & Merkmale
Flohkrebse besitzen einen seitlich abgeflachten Körper, der sie deutlich von den dorsoventral abgeplatteten Asseln (Isopoda) unterscheidet. Der Körper gliedert sich in drei Abschnitte: Kopf (Cephalon), Rumpf (Pereon) mit sieben freien Segmenten und Hinterleib (Pleon) mit sechs Segmenten. Ein Carapax, wie ihn etwa Zehnfußkrebse tragen, fehlt den Amphipoden vollständig. Die Cuticula ist dünn und meist durchscheinend, gelegentlich gelblich, grünlich oder bräunlich gefärbt.
Am Kopf sitzen zwei Paar Antennen, die je nach Art unterschiedlich lang ausfallen. Die Komplexaugen sind ungestielt und seitlich am Kopf angeordnet. Die sieben Beinpaare des Pereons (Peraeopoden) erfüllen unterschiedliche Funktionen: Die ersten beiden Paare sind zu Greifwerkzeugen (Gnathopoden) umgewandelt, die bei Männchen häufig vergrößert sind und beim Festhalten des Weibchens während der Paarung dienen. Die hinteren Beinpaare sind als Lauf- und Schwimmbeine ausgebildet. Am Pleon befinden sich drei Paare Schwimmbeine (Pleopoden) und drei Paare Sprungbeine (Uropoden). Kiemen sitzen als blattförmige Anhänge an den Basen der Peraeopoden.
Die charakteristische Fortbewegung – ein seitliches Wegschnellen, das an das Springen von Flöhen erinnert – gab der Gruppe ihren deutschen Namen.
Lebensraum & Verbreitung
Die Ordnung Amphipoda umfasst weltweit über 10.000 beschriebene Arten und besiedelt nahezu alle aquatischen Lebensräume. Das Verbreitungsgebiet reicht von arktischen und antarktischen Gewässern über tropische Korallenriffe bis in Tiefsee-Gräben jenseits von 10.000 Metern. In Mitteleuropa ist der Bachflohkrebs (Gammarus pulex) die häufigste Süßwasserart. Er bewohnt saubere, sauerstoffreiche Fließgewässer mit steinigem oder kiesigem Substrat und gilt als Zeigerorganismus für gute Wasserqualität (Gewässergüteklasse I–II).
Weitere einheimische Arten sind der Höhlenflohkrebs (Niphargus spp.), der unterirdische Gewässer und Grundwasserkörper besiedelt, sowie der Gewöhnliche Strandfloh (Talitrus saltator), der an sandigen Meeresküsten lebt und semi-terrestrische Lebensweise zeigt. In den großen Flusssystemen Europas haben sich in den letzten Jahrzehnten invasive Arten wie Dikerogammarus villosus (Großer Höckerflohkrebs, auch „Killer-Shrimp" genannt) aus dem pontokaspischen Raum ausgebreitet und die einheimische Fauna teils erheblich verdrängt.
Ernährung
Die meisten Süßwasser-Amphipoden ernähren sich als Zerkleinerer (Shredder) von Falllaub und anderem partikulärem organischem Material. Gammarus pulex raspelt mit seinen Mundwerkzeugen das von Pilzhyphen und Bakterien besiedelte Laub ab und nimmt dabei gleichzeitig die Mikroorganismen auf. Daneben stehen Algenaufwuchs, Detritus, Aas und gelegentlich kleine wirbellose Tiere auf dem Speiseplan. Marine Arten zeigen ein breites Ernährungsspektrum: Einige leben als Filtrierer, andere als Weidegänger auf Algenbewuchs oder als Kommensalen auf größeren Organismen. Der invasive Dikerogammarus villosus ist ein ausgesprochen räuberischer Vertreter, der aktiv Insektenlarven, Würmer und andere Flohkrebsarten erbeutet.
Verhalten & Lebensweise
Flohkrebse sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich unter Steinen, zwischen Wasserpflanzen oder im Sediment. Bei Störung schnellen sie mit ruckartigen Schlägen des Hinterleibs davon. In Fließgewässern lassen sich viele Arten durch die Strömung verdriften (Drift), insbesondere nachts, und besiedeln so flussabwärts gelegene Habitate.
Flohkrebse leben nicht in festen Sozialverbänden, treten aber häufig in hohen Dichten auf. In geeigneten Biotopen können mehrere Tausend Individuen pro Quadratmeter vorkommen. Sie bilden keine Reviere. Der Strandfloh Talitrus saltator gräbt sich tagsüber in feuchten Sand ein und wird erst nach Einbruch der Dunkelheit aktiv, wobei er sich mithilfe eines inneren Kompasses am Mond und an der Sonne orientiert.
Fortpflanzung & Aufzucht
Amphipoden pflanzen sich geschlechtlich fort. Vor der Paarung bilden viele Gammarus-Arten eine sogenannte Präkopula: Das Männchen klammert sich mit seinen vergrößerten Gnathopoden auf dem Rücken des Weibchens fest und wird so tagelang umhergetragen, bis das Weibchen die Häutung vollzieht. Unmittelbar nach dieser Häutung ist die weibliche Cuticula weich genug, um die Eiablage und Befruchtung in die Bruttasche (Marsupium) zu ermöglichen