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Flussneunauge

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Tierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Lampetra fluviatilis
  • Ordnung: Neunaugenartige (Petromyzontiformes)
  • Familie: Neunaugen (Petromyzontidae)
  • Gattung: Lampetra
  • Lebensraum: Flüsse, Bäche und küstennahe Meeresgebiete Europas
  • Größe: 25–40 cm (selten bis 50 cm)
  • Gewicht: 50–150 g
  • Lebenserwartung: 6–8 Jahre (einschließlich Larvalphase)

Aussehen & Merkmale

Das Flussneunauge besitzt einen langgestreckten, aalförmigen Körper ohne Kiefer. Obwohl es im alltäglichen Sprachgebrauch häufig zu den Fischen gezählt wird, gehört es zoologisch zu den Rundmäulern (Cyclostomata) – einer stammesgeschichtlich sehr alten Gruppe der Wirbeltiere. Neunaugen unterscheiden sich grundlegend von echten Fischen: Sie besitzen weder paarige Flossen noch Schuppen, noch ein knöchernes Skelett. Stattdessen besteht ihr Innenskelett aus Knorpel.

Die Haut ist glatt, schuppenlos und mit einer Schleimschicht überzogen. Die Färbung variiert je nach Lebensphase: Während der Meerphase zeigt sich die Oberseite dunkel olivgrün bis blaugrau, die Unterseite ist silbrig-weiß. Zur Laichzeit dunkelt die Färbung deutlich nach und nimmt einen bräunlichen bis bronzefarbenen Ton an.

Namensgebend sind die sieben Kiemenöffnungen auf jeder Körperseite, die zusammen mit dem Auge und der Nasenöffnung den Eindruck von neun Augen erwecken. Das tatsächliche Auge ist gut entwickelt und funktionsfähig. Anstelle eines Kiefers besitzt das Flussneunauge eine runde Saugscheibe, die mit hornigen Zähnen besetzt ist. Diese Mundscheibe dient sowohl dem Festsaugen an Wirtstieren als auch der Nahrungsaufnahme.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Flussneunauges erstreckt sich über weite Teile Europas – von den Küsten Norwegens und der Britischen Inseln über die Nord- und Ostseeregion bis in Flusssysteme Südeuropas und ins westliche Russland. In Mitteleuropa kommt die Art in den Einzugsgebieten von Elbe, Weser, Rhein, Ems und Oder vor, ebenso in zahlreichen Zuflüssen der Ostsee.

Als anadrome Wanderart verbringt das Flussneunauge einen Teil seines Lebens in küstennahen Meeresgebieten oder in Flussmündungen (Ästuaren), wo es als Ektoparasit lebt. Zur Fortpflanzung wandert es flussaufwärts in Süßwasserhabitate mit kiesigem Grund und guter Strömung. Die Larven, sogenannte Querder, bevorzugen dagegen ruhigere Gewässerabschnitte mit sandigem oder schlammigem Substrat, in das sie sich eingraben. Dieses Nebeneinander unterschiedlicher Biotope – marine Küstengewässer, große Ströme und saubere Oberläufe – macht die Art besonders empfindlich gegenüber Veränderungen der Gewässerstruktur.

Ernährung

Die Ernährung des Flussneunauges ändert sich im Laufe seines Lebens grundlegend. Die Querder leben als Filtrierer im Sediment und ernähren sich von Mikroorganismen, Algen und organischen Partikeln, die sie mit ihrem Kiemendarm aus dem Wasser filtern. Diese Phase dauert drei bis fünf Jahre.

Nach der Metamorphose zum adulten Tier beginnt die parasitische Lebensphase. Das Flussneunauge heftet sich mit seiner Saugscheibe an Wirtsfische – darunter Heringe, Sprotten, Dorsche und andere Meeresfische – und raspelt mit seinen Hornzähnen deren Haut auf. Mit einer gerinnungshemmenden Substanz im Speichel hält es die Wunde offen und ernährt sich von Blut und Körperflüssigkeiten des Wirts. Diese Ernährungsweise dauert etwa ein bis zwei Jahre.

Während der Laichwanderung stellt das adulte Flussneunauge die Nahrungsaufnahme vollständig ein. Der Verdauungstrakt bildet sich zurück, und das Tier zehrt ausschließlich von seinen Fettreserven.

Verhalten & Lebensweise

Flussneunaugen sind überwiegend nachtaktiv. Die Laichwanderung findet vorwiegend in den Herbst- und Wintermonaten statt, wobei die Tiere teils mehrere hundert Kilometer flussaufwärts zurücklegen. Dabei orientieren sie sich an Strömungsverhältnissen und chemischen Signalstoffen (Pheromonen), die von bereits anwesenden Artgenossen und Querdern abgegeben werden.

Während der Wanderung bilden die Tiere lose Gruppen, halten sich tagsüber in Verstecken unter Steinen oder in Ufernischen auf und bewegen sich nachts weiter flussaufwärts. Querverbauungen wie Wehre und Dämme stellen dabei erhebliche Wanderhindernisse dar.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Laichzeit erstreckt sich von März bis Juni, wenn die Wassertemperaturen etwa 10–14 °C erreichen. Die Männchen treffen in der Regel zuerst an den Laichplätzen ein und beginnen mit dem Bau flacher Laichgruben im Kiesgrund, indem sie mit ihrer Saugscheibe Steine versetzen. Die Weibchen werden durch Pheromone angelockt.

Beim Laichvorgang heftet sich das Männchen mit der Saugscheibe am Hinterkopf des Weibchens fest und schlingt sich um dessen Körper. Das Weibchen gibt portionsweise mehrere tausend bis über 30.000 Eier ab, die vom Männchen gleichzeitig besamt werden. Die befruchteten Eier sinken in die Lücken des Kiessubstrats.

Beide Elterntiere sterben kurz nach dem Laichen. Die nach wenigen Wochen schlüpfenden Querder sind blind, wurmförmig und nur wenige Millimeter lang. Sie werden von der Strömung in ruhigere Abschnitte verdriftet, wo sie sich im Feinsediment eingraben und mehrere Jahre als Filtrierer verbringen, bevor sie die Metamorphose zum adulten