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Gabler

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Jäger- & Weidmannssprache > Jäger- & Weidmannssprache

Definition und Überblick

Als Gabler bezeichnet der Jäger in der Weidmannssprache einen männlichen Hirsch – in der Regel einen Rothirsch –, dessen Geweih an den Enden lediglich zwei Sprossen aufweist und somit die Form einer Gabel annimmt. Der Begriff bezieht sich ausschließlich auf die Geweihstruktur und gibt damit Auskunft über Alter, Entwicklungsstufe und teils auch über die körperliche Konstitution des Tieres. Ein Gabler trägt also ein Gabelgeweih, bei dem jede Stange in zwei Enden ausläuft, ohne dass weitere Sprossen wie Eiszapfen, Mittelsprosse oder Krone ausgebildet sind.

In der jagdlichen Praxis gehört der Gabler zu den jungen Hirschen und wird häufig dem sogenannten Jugendklasse-Hirsch zugeordnet. Die Bestimmung der Geweihstufe ist für den Jäger ein wesentliches Kriterium bei der Altersansprache und bei der Entscheidung über den Abschuss im Rahmen des Abschussplanes.

Einordnung in die Geweihentwicklung

Das Geweih des Rothirsches durchläuft im Lauf seines Lebens verschiedene Entwicklungsstufen. Im ersten Lebensjahr schiebt der junge Hirsch, der Hirschkalb genannt wird, noch kein Geweih. Im zweiten Lebensjahr bildet sich das erste Geweih, das häufig nur aus zwei unverzweigten Stangen besteht – der Träger wird dann als Spießer bezeichnet.

Im dritten Lebensjahr folgt in vielen Fällen das Gabelgeweih, und der Hirsch wird zum Gabler. Dabei teilt sich jede Stange in zwei Enden: die Augsprosse (auch Augensprosse) und die Stange selbst, die in einer einzelnen Spitze endet. Manche Gabler bilden statt der Augsprosse auch nur eine einfache Gabelung im oberen Bereich der Stange aus – die genaue Ausprägung variiert individuell.

Die weitere Geweihentwicklung führt über den Sechser (drei Enden je Stange) zum Achter, Zehner, Zwölfer und in seltenen Fällen zu noch höheren Endenzahlen. Die Benennung richtet sich dabei immer nach der Gesamtzahl der Enden beider Stangen. Ein Gabler mit je zwei Enden pro Stange wird demnach als Vierergabler oder kurz Vierer angesprochen.

Zählung und Benennung der Enden

In der Jägersprache ist die korrekte Zählung der Geweihenden von großer Bedeutung. Dabei gelten nur solche Sprossen als zählbare Enden, die eine bestimmte Mindestlänge aufweisen – in der Regel mindestens zwei Zentimeter. Kurze Knubbel oder Erhebungen, sogenannte Perlen oder Warzen, werden nicht mitgezählt.

Beim Gabler ergeben sich folgende typische Konstellationen:

  • Regulärer Gabler (Vierer): Beide Stangen tragen je zwei Enden, insgesamt also vier Enden.
  • Ungerader Gabler: Eine Stange zeigt zwei Enden, die andere nur eines (Spieß). In diesem Fall spricht der Jäger von einem ungeraden Gabler oder einem Dreier.

Die Unterscheidung zwischen geradem und ungeradem Geweih spielt bei der jagdlichen Bewertung und beim Ansprechen des Wildes eine wichtige Rolle. Ein gerader Gabler lässt auf eine symmetrische und damit oft gesunde Geweihentwicklung schließen.

Bedeutung für die Jagdpraxis

Für den Revierjäger und Hegeringleiter ist die Erkennung eines Gablers im Feld eine grundlegende Fähigkeit. Die Geweihform gibt Aufschluss darüber, ob es sich um einen jungen Hirsch in normaler Entwicklung oder um einen geringen Hirsch handelt, der trotz höheren Alters kein stärkeres Geweih ausbildet.

Im Rahmen der Hege und des Wildmanagements werden Gabler häufig der Jugendklasse zugeordnet und genießen in vielen Revieren Schonung, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu stärkeren Hirschen weiterzuentwickeln. Der Abschussplan, der in Deutschland nach Wildklassen gegliedert ist, sieht für junge Hirsche in der Regel eine beschränkte Freigabe vor. Ob ein Gabler freigegeben wird, hängt von der individuellen Beurteilung und den Vorgaben der zuständigen Hegegemeinschaft oder der Unteren Jagdbehörde ab.

Allerdings können auch ältere Hirsche mit schwacher genetischer Veranlagung oder durch Krankheit, Nahrungsmangel oder Verletzungen bedingt dauerhaft auf der Gablerstufe verbleiben. Solche Tiere, die als Kümmerer oder geringe Hirsche gelten, werden jagdlich oft dem Abschuss zugeführt, um den Wildbestand qualitativ zu verbessern.

Abgrenzung zu anderen Schalenwildarten

Der Begriff Gabler findet vorrangig beim Rotwild Verwendung. Beim Rehwild existiert eine vergleichbare Bezeichnung: Ein Rehbock mit Gabelgehörn wird ebenfalls als Gabelbock oder Gabler angesprochen. Allerdings ist hier zu beachten, dass beim Rehbock das Kopfschmuck nicht als Geweih, sondern als Gehörn bezeichnet wird – obwohl es sich biologisch ebenfalls um ein Geweih handelt, das jährlich abgeworfen und neu gebildet wird. In der traditionellen Jägersprache hat sich diese Unterscheidung dennoch gehalten: Beim Rehbock spricht man vom Gehörn, beim Hirsch vom Geweih.

Beim Damwild wird der Begriff Gabler seltener verwendet, da die Geweihentwicklung beim Damhirsch eine etwas andere Stufenfolge aufweist