Gamswild
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Definition und Überblick
Der Begriff Gamswild bezeichnet in der deutschen Jäger- und Weidmannssprache die Gämse (Rupicapra rupicapra) als jagdbares Wild. Er umfasst alle Geschlechter und Altersstufen dieser Wildart und ordnet sie dem sogenannten Hochwild zu – also jenen Wildarten, die traditionell dem höheren Jagdrecht unterliegen. Gamswild gehört zur Familie der Hornträger (Bovidae) und ist in den Alpen, den Karpaten, auf dem Balkan sowie in Teilen der Pyrenäen und des Kaukasus heimisch. In der weidmännischen Praxis spielt Gamswild eine zentrale Rolle bei der Gebirgsjagd und unterliegt strengen Hege- und Abschussregelungen.
Weidmännische Bezeichnungen
Die Jägersprache kennt für Gamswild ein differenziertes Vokabular, das Alter, Geschlecht und Körpermerkmale präzise benennt:
- Gamsbock: Das männliche, erwachsene Stück Gamswild. Ältere Böcke werden auch als Bestandsbock oder bei besonders starkem Gehörn als Kapitalbock bezeichnet.
- Gamsgeiß: Das weibliche, erwachsene Stück. Die Geiß führt in der Regel ein Kitz.
- Gamskitz: Das Jungtier im ersten Lebensjahr, unabhängig vom Geschlecht.
- Jährling: Ein Stück Gamswild im zweiten Lebensjahr. Man unterscheidet Bockjährling und Geißjährling.
- Krucke oder Krickel: Die nach hinten gebogenen Hörner des Gamswildes, die bei beiden Geschlechtern vorkommen. Die Krucken dienen als wesentliches Merkmal bei der Altersansprache und Geschlechtsbestimmung.
- Gamsbart: Die langen Haare des Winterbalgs am Rücken, die traditionell als Hutschmuck getragen werden.
- Balg: Die Haut des Gamswildes, beim Sommer- und Winterhaar deutlich unterschiedlich gefärbt.
Der Lauf bezeichnet die Beine, die Schalen die Hufe, der Spiegel die helle Zeichnung am Hinterteil und die Lichter die Augen. Gamswild äst (frisst), zieht (bewegt sich), schreckt (gibt Warnlaute von sich) und wird vom Jäger erlegt oder zur Strecke gebracht.
Lebensraum und Lebensweise
Gamswild besiedelt bevorzugt die subalpine und alpine Höhenstufe zwischen 800 und 2.500 Metern. Es lebt in steilem, felsigem Gelände, wo es dank seiner hervorragend angepassten Schalen trittsicher klettern kann. Die Schalen besitzen weiche, gummiartige Sohlen und harte Außenränder, die auf Fels und Eis optimalen Halt bieten.
Geißen und Kitze bilden außerhalb der Brunft Rudel von zehn bis dreißig Stück, die von einer erfahrenen Leitgeiß angeführt werden. Ältere Böcke leben einzelgängerisch oder in kleinen Bockrudeln und stoßen erst zur Brunft (Paarungszeit) im November und Dezember zu den Geißrudeln. Während der Brunft treiben die Böcke die Geißen und tragen Kommentkämpfe mit Rivalen aus, bei denen die Krucken als Waffen eingesetzt werden.
Die Setzzeit fällt in den Mai und Juni. In der Regel wird ein einzelnes Kitz gesetzt, Zwillinge sind selten. Das Kitz ist ein Nestflüchter und folgt der Geiß bereits nach wenigen Stunden.
Nahrung und Äsung
Gamswild ist ein Mischäser mit überwiegend pflanzlicher Nahrung. Im Sommer besteht die Äsung aus Alpenkräutern, Gräsern, Klee und jungen Trieben von Zwergsträuchern. Im Winter weicht das Gamswild auf Flechten, Moose, Baumrinde und Knospen aus. Bei hoher Schneelage zieht es in tiefere, bewaldete Lagen ab, wo es mitunter Schälschäden an Jungwald verursachen kann – ein Grund, warum Gamswild in der forstlichen Diskussion eine Rolle spielt.
Jagd und Hege
Die Gamsjagd gilt als eine der anspruchsvollsten Formen der Jagd im Alpenraum. Sie erfordert Gebirgstauglichkeit, fundierte Kenntnisse in der Wildbiologie und eine sichere Altersansprache. Gejagt wird Gamswild vorwiegend auf der Pirsch oder vom Ansitz aus, oft in Verbindung mit langen Aufstiegen in schwierigem Gelände.
Die Jagdzeit variiert je nach Bundesland oder Kanton. In Österreich liegt sie häufig zwischen August und Dezember, in Bayern und der Schweiz gelten vergleichbare Zeiträume. Die Abschussplanung erfolgt nach Geschlecht, Altersklasse und Konstitution der Stücke. Dabei ist die Entnahme von Kitzen und Jährlingen ebenso vorgesehen wie die Erlegung alter oder kranker Tiere – ein Kernprinzip der weidgerechten Jagd.
Als natürliche Feinde des Gamswildes treten vor allem Steinadler (bei Kitzen), Luchs und Wolf auf. Auch Schneelawinen, Steinschlag und harte Winter können erhebliche Verluste verursachen. Eine bedeutende Rolle spielt die Gamsblindheit (infektiöse Keratokonjunktivitis), eine Augenerkrankung, die seuchenartig auftreten und ganze Bestände schwächen kann. Weitere Gesundheitsrisiken sind Gamsräude, eine durch Milben hervorgerufene Hauterkrankung, sowie verschiedene Parasitosen.
Brauchtum und kulturelle Bedeutung