T Tierlexikon.net
← Lexikon

Garnele

G

Tierart – Wirbellose > Krebstiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Keine einheitliche Art – Sammelbegriff für zahlreiche Arten der Unterordnungen Dendrobranchiata und Caridea
  • Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
  • Familien (Auswahl): Penaeidae (Geißelgarnelen), Crangonidae (Sandgarnelen), Palaemonidae (Felsengarnelen), Pandalidae (Tiefseegarnelen), Atyidae (Süßwassergarnelen)
  • Lebensraum: Meere, Brackwasser, Süßgewässer weltweit
  • Größe: 1 cm (Zwerggarnelen) bis über 30 cm (Riesengarnele, Macrobrachium rosenbergii)
  • Gewicht: Wenige Gramm bis ca. 500 g je nach Art
  • Lebenserwartung: 1–6 Jahre, artabhängig

Aussehen & Merkmale

Der Begriff „Garnele" bezeichnet keine einzelne biologische Art, sondern eine umfangreiche Gruppe von Krebstieren innerhalb der Ordnung der Zehnfußkrebse (Decapoda). Allen Garnelen gemeinsam ist ein seitlich abgeflachter, langgestreckter Körper, der von einem dünnen, teils durchscheinenden Exoskelett aus Chitin umgeben ist. Dieses Außenskelett wird regelmäßig durch Häutung erneuert, da es nicht mitwächst.

Der Körper gliedert sich in drei Abschnitte: Cephalothorax (Kopfbrust), Abdomen (Hinterleib) und Telson (Schwanzfächer). Der Cephalothorax ist vom Carapax bedeckt, einem schildartigen Panzer, der bei vielen Arten in ein nach vorn gerichtetes Rostrum (Stirnfortsatz) ausläuft. Am Kopf sitzen zwei Paar Antennen, die als Sinnesorgane der chemischen und mechanischen Wahrnehmung dienen, sowie gestielte Komplexaugen, die ein weites Gesichtsfeld ermöglichen.

Garnelen besitzen fünf Paar Schreitbeine (Pereiopoden), von denen die vorderen bei vielen Arten kleine Scheren tragen, sowie fünf Paar Schwimmbeine (Pleopoden) am Abdomen. Der Schwanzfächer erlaubt durch ruckartiges Einklappen eine blitzschnelle Fluchtbewegung rückwärts – den sogenannten Karidoidreflex, der für Vertreter der Caridea typisch ist. Die Färbung variiert je nach Art und Lebensraum von transparent über grau und braun bis hin zu leuchtend rot, blau oder gestreift.

Lebensraum & Verbreitung

Garnelen besiedeln nahezu sämtliche aquatischen Lebensräume der Erde. Marine Arten kommen von der Gezeitenzone bis in die Tiefsee vor, wobei sich Schwerpunkte der Artenvielfalt in tropischen und subtropischen Gewässern finden. Die Nordseegarnele (Crangon crangon), im Handel als „Krabbe" bekannt, bewohnt flache Sandböden und Wattgebiete der europäischen Küsten. Tropische Geißelgarnelen der Familie Penaeidae leben bevorzugt über schlammigen oder sandigen Substraten in Küstennähe.

Süßwassergarnelen der Familien Atyidae und Palaemonidae besiedeln Bäche, Flüsse, Seen und sogar Höhlengewässer in tropischen und gemäßigten Regionen Asiens, Afrikas, Amerikas und Südeuropas. Manche Arten tolerieren erhebliche Schwankungen des Salzgehalts und kommen im Brackwasser von Flussmündungen und Mangrovengebieten vor. Die Bandbreite der besiedelten Habitate reicht von korallenreichen Riffen über Seegraswiesen und Mangrovenwurzeln bis zu kalten Tiefseeschloten.

Ernährung

Die meisten Garnelen sind Allesfresser (Omnivore) mit einem Schwerpunkt auf Detritus, also abgestorbener organischer Substanz. Sie durchkämmen den Bodengrund mit ihren Mundwerkzeugen und filtern oder weiden Mikroorganismen, Algenbeläge, Biofilme, kleine Würmer, Larven und Aas ab. Einige Arten, etwa die Putzergarnelen der Gattung Lysmata, haben sich auf das Entfernen von Parasiten und abgestorbenen Hautresten bei Fischen spezialisiert – ein klassisches Beispiel für Mutualismus im marinen Biotop.

Süßwassergarnelen wie die in der Aquaristik beliebte Amanogarnele (Caridina multidentata) gelten als effektive Algenfresser. Ihre ökologische Rolle als Destruenten – also Zersetzer organischen Materials – macht Garnelen zu einem wichtigen Glied im Stoffkreislauf aquatischer Ökosysteme.

Verhalten & Lebensweise

Viele Garnelenarten sind überwiegend dämmerungs- oder nachtaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten, zwischen Pflanzen oder im Sediment und werden erst bei abnehmendem Licht aktiv. Einige marine Arten wie die Nordseegarnele graben sich in den Sand ein und sind dadurch für Fressfeinde kaum sichtbar.

Garnelen leben je nach Art solitär oder in losen Aggregationen, die keine feste Sozialstruktur aufweisen. Eine Ausnahme bilden bestimmte Knallkrebse (Alpheidae), die in Symbiose mit Grundeln leben und gemeinsam eine Wohnhöhle nutzen. Pistolenkrebse derselben Familie erzeugen mit einer vergrößerten Schere einen Kavitationsknall, der Beutetiere betäubt – eine der lautesten biologisch erzeugten Unterwasserschallquellen überhaupt.

Die Häutung stellt eine vulnerable Phase im Leben jeder Garnele dar. Unmittelbar nach dem Abstreifen des alten Exoskeletts ist der Körper weich und schutzlos. In dieser Zeit ziehen sich die Tiere zurück und meiden offene Bereiche.

Fortpflanzung & Aufzucht

Bei der Fortpflanzung unterscheiden sich die beiden großen Garnelengruppen deutlich. Vertreter der Dendrobranchiata (z. B. Penaeidae) geben ihre befruchteten Eier frei ins Wasser ab, wo sich daraus planktonische Larven entwickeln, die mehrere Stadien (Nauplius, Zoëa, Mysis) durchlaufen. Caridea-Weibchen hingegen heften die Eier mit einer klebrigen Substanz an ihre Pleopoden und tragen sie dort bis zum Schlup