Geisterkrabbe
GTierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Ocypode (Gattung, mit ca. 20 beschriebenen Arten)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Unterordnung: Echte Krabben (Brachyura)
- Familie: Rennkrabben (Ocypodidae)
- Gattung: Ocypode Weber, 1795
- Lebensraum: Sandstrände tropischer und subtropischer Küsten weltweit
- Größe: Carapaxbreite je nach Art 2–5 cm, vereinzelt bis 8 cm
- Gewicht: ca. 10–80 g
- Lebenserwartung: etwa 3–4 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Geisterkrabben verdanken ihren deutschen Namen der blassen, sandfarbenen Körperfärbung, die sie auf ihrem Substrat nahezu unsichtbar macht. Der Carapax – der harte Rückenpanzer aus Chitin und Calciumcarbonat – ist quadratisch bis leicht trapezförmig und glatt. Die Färbung variiert je nach Art von cremeweiß über gelblich bis hin zu einem hellen Graubraun; einige Arten wie die Hornaugen-Geisterkrabbe (Ocypode ceratophthalma) zeigen auch orangefarbene oder rötliche Tönungen an den Scherenfingern.
Charakteristisch sind die langen, aufrecht stehenden Augenstiele, die dem Tier ein weites Sichtfeld von nahezu 360 Grad ermöglichen. Bei Ocypode ceratophthalma ragen die Augenstiele in hornartigen Fortsätzen über die Hornhaut hinaus – ein Merkmal, das dieser Art ihren Namen verleiht. Die fünf Beinpaare sind lang und kräftig, wobei das erste Paar zu asymmetrischen Scheren umgebildet ist: Eine Schere ist deutlich größer als die andere und dient sowohl der Nahrungsaufnahme als auch dem Revierkampf. Die übrigen vier Laufbeinpaare sind schlank und enden in spitzen Dactyli, die dem Tier hervorragenden Halt im lockeren Sand geben.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gattung Ocypode erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Küstenregionen aller großen Ozeane. Arten wie Ocypode quadrata besiedeln die Atlantikküste von den USA bis nach Brasilien, während Ocypode ceratophthalma im gesamten Indopazifik vorkommt – vom östlichen Afrika über Südostasien bis nach Hawaii. Ocypode cursor ist entlang der westafrikanischen Küste und im östlichen Mittelmeer verbreitet.
Das bevorzugte Habitat sind offene Sandstrände oberhalb der Hochwasserlinie, insbesondere die sogenannte Supralitoralzone. Dort graben die Tiere ihre Wohnröhren in den feuchten, aber nicht permanent überfluteten Sand. Die Bauten können je nach Art und Bodenbeschaffenheit eine Tiefe von 30 cm bis über einen Meter erreichen. Der Eingang wird häufig von einem halbkreisförmigen Sandwall umgeben, der als Aushubmaterial beim Graben entsteht. Jüngere Tiere siedeln oft näher an der Wasserlinie, während adulte Exemplare ihre Röhren weiter landeinwärts anlegen – ein Phänomen, das als Größenzonierung beschrieben wird.
Ernährung
Geisterkrabben sind Allesfresser mit einer stark opportunistischen Ernährungsweise. Ihre Nahrung umfasst Aas, Detritus, Insekten, kleinere Krebstiere wie Sandflöhe (Amphipoda), Muschelreste, angespülte Quallen und Fischreste. Einige Arten erbeuten auch gezielt die Gelege von Meeresschildkröten oder frisch geschlüpfte Jungtiere – ein Verhalten, das in den Nistgebieten von Meeresschildkröten wie der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) gut dokumentiert ist.
Die kleinere Schere wird bevorzugt zum Zerkleinern und Sortieren der Nahrung eingesetzt, während die größere Schere als Werkzeug zum Aufbrechen härterer Bestandteile dient. Geisterkrabben filtern zudem organische Partikel aus feuchtem Sand, den sie mit den Mundwerkzeugen (Maxillipeden) durcharbeiten und als kleine Sandkügelchen wieder absetzen – ein Verhalten, das auch bei den nah verwandten Soldatenkrabben (Mictyris) zu beobachten ist.
Verhalten & Lebensweise
Geisterkrabben sind überwiegend nachtaktiv und verlassen ihre Wohnröhren vornehmlich in der Dämmerung und bei Dunkelheit, um auf Nahrungssuche zu gehen. Tagsüber verschließen viele Arten den Eingang ihrer Röhre mit einem Sandpfropfen, um die Feuchtigkeit im Inneren zu halten und sich vor Fressfeinden wie Möwen, Reihern und Waschbären zu schützen.
An Land erreichen Geisterkrabben Laufgeschwindigkeiten von bis zu 3,5 m/s und gehören damit zu den schnellsten landlebenden Krebstieren. Sie bewegen sich seitlich fort – eine bei Brachyura typische Fortbewegungsart – und wechseln dabei die Führungsseite, was ihnen abrupte Richtungswechsel erlaubt. Diese Schnelligkeit ist ein zentraler Schutzmechanismus gegen Prädatoren.
Zur Atmung nutzen die Tiere sowohl Kiemen als auch eine Art Lungenatmung: Die Kiemenkammern werden mit Luft befüllt und die dünnen Membranen der Kiemenblätter ermöglichen den Gasaustausch. Voraussetzung ist, dass die Kiemen feucht bleiben, weshalb die Tiere regelmäßig zum Wasser zurückkehren oder sich in ihren feuchten Röhren aufhalten.
Männchen verteidigen ihre Wohnröhren als Revier gegenüber Artgenossen. Bei Auseinandersetzungen kommt es zu ritualisierten Drohgebärden, bei denen die große Schere demonstrativ erhoben und geöffnet wird. Einige Arten erzeugen zudem Stridulationslaute, indem sie einen Kamm am Innenfinger der großen Schere über eine geriffelte Leiste am Beinglied reiben.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet in der