Gelbhalsmaus
GTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Apodemus flavicollis
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
- Gattung: Waldmäuse (Apodemus)
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Parks, Gärten
- Kopf-Rumpf-Länge: 88–130 mm
- Schwanzlänge: 92–134 mm
- Gewicht: 20–50 g
- Lebenserwartung: ca. 2 Jahre in freier Wildbahn, bis 4 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Die Gelbhalsmaus ist eine mittelgroße Vertreterin der Gattung Apodemus und wird häufig mit der eng verwandten Waldmaus (Apodemus sylvaticus) verwechselt. Gegenüber dieser ist sie insgesamt kräftiger gebaut. Das Fell ist auf der Oberseite warm rotbraun bis kastanienbraun gefärbt und hebt sich deutlich von der reinweißen Unterseite ab. Zwischen Ober- und Unterseite verläuft eine scharfe Farbgrenze – ein Merkmal, das bei der Waldmaus weniger ausgeprägt ist.
Das namensgebende Kennzeichen ist ein ockergelbes bis orangegelbes Halsband, das als breites Band quer über den Kehlbereich verläuft und die weiße Unterseite unterbricht. Bei der Waldmaus findet sich an dieser Stelle allenfalls ein kleiner, diffuser gelblicher Brustfleck. Die großen, dunklen Augen und die auffallend langen Ohren verleihen der Gelbhalsmaus ein aufmerksames Erscheinungsbild. Die Ohrlänge beträgt etwa 18–20 mm und überragt damit die der Waldmaus. Der Schwanz ist annähernd so lang wie oder etwas länger als der restliche Körper, dünn beschuppt und spärlich behaart. Die Hinterfüße sind kräftig und verhältnismäßig lang, was die Art zu einer hervorragenden Springerin und Kletterin macht.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gelbhalsmaus erstreckt sich über weite Teile Europas und reicht im Osten bis in den Kaukasus und den Ural. Verbreitungsschwerpunkte liegen in Mittel- und Südosteuropa. In Skandinavien kommt die Art nur im südlichen Teil vor; auf den Britischen Inseln fehlt sie mit Ausnahme kleiner Populationen in Südwales und angrenzenden englischen Grafschaften.
Das bevorzugte Habitat sind alte, strukturreiche Laubwälder und Mischwälder mit geschlossener Baumschicht und reichlich Totholz. Buchenwälder und Eichenwälder werden besonders häufig besiedelt. Im Gegensatz zur Waldmaus meidet die Gelbhalsmaus offene Landschaften weitgehend. Gelegentlich tritt sie in parkartigen Kulturlandschaften, Streuobstwiesen und naturnahen Gärten auf, sofern ein Anschluss an Waldbestände besteht. In Gebirgsregionen besiedelt sie Biotope bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern. In strengen Wintern dringt die Art mitunter in Gebäude und Scheunen vor, zeigt aber insgesamt eine geringere Synanthropie als die Hausmaus.
Ernährung
Die Gelbhalsmaus ernährt sich omnivor, wobei pflanzliche Kost den Hauptanteil ausmacht. Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse, Ahornsamen und andere Baumsamen bilden die Nahrungsgrundlage. Im Herbst legt die Art umfangreiche Vorräte an, indem sie Samen in Baumhöhlen, unter Wurzeln oder in selbst gegrabenen Erdgängen deponiert. Dieses Hortungsverhalten (Scatter Hoarding) spielt eine ökologisch bedeutende Rolle bei der Ausbreitung von Waldbäumen, da nicht alle Depots wiedergefunden werden und die Samen dort keimen können.
Im Frühjahr und Sommer ergänzt tierische Nahrung den Speiseplan erheblich. Insekten, Larven, Spinnen, Regenwürmer und gelegentlich Schnecken liefern das für die Fortpflanzungszeit benötigte Protein. Auch Knospen, Beeren und Pilze werden aufgenommen. Der hohe Anteil an Baumfrüchten in der Ernährung koppelt die Populationsdynamik eng an das Angebot an Baumsamen – in sogenannten Mastjahren, wenn Buchen und Eichen besonders reichlich fruchten, steigen die Bestandsdichten deutlich an.
Verhalten & Lebensweise
Die Gelbhalsmaus ist streng nachtaktiv. Ihre Aktivitätsphase beginnt kurz nach Einbruch der Dämmerung und endet vor Morgengrauen. Tagsüber ruht sie in Nestern, die sie in Baumhöhlen, Nistkästen, unter Baumwurzeln oder in unterirdischen Gängen anlegt. Im Unterschied zur Waldmaus ist sie eine ausgesprochen gute Kletterin und bewegt sich regelmäßig im Kronenbereich der Bäume. Sprünge von über einem Meter zwischen Ästen wurden dokumentiert.
Die Art lebt überwiegend solitär. Individuelle Streifgebiete überlappen sich zwar, doch insbesondere die Reviere dominanter Männchen werden aggressiv gegen Artgenossen verteidigt. Die Aktionsräume der Männchen sind mit 0,5–4 Hektar deutlich größer als die der Weibchen (0,2–1 Hektar). Zur Orientierung und Kommunikation dienen Duftmarken, die über Urin und Sekrete der Flankendrüsen abgesetzt werden. Bei Bedrohung kann die Gelbhalsmaus die Schwanzhaut abwerfen – ein als Autotomie bezeichneter Mechanismus, der ihr die Flucht vor Fressfeinden ermöglicht. Der Schwanz regeneriert sich allerdings nicht vollständig.
Zu den wichtigsten Prädatoren zählen Waldkauz, Schleiereule, Waldohreule, Rotfuchs, Hermelin, Mauswiesel und die Schlingnatter.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in Mitteleuropa von März bis Oktober, wobei der Schwerpunkt auf den Monaten April bis September liegt. In Mastjahren mit gutem Nahrungsangebot kann die Reproduktionsperiode bis in den Winter hinein ausgedehnt werden. Die Weibchen bringen pro Jahr zwei bis drei