Gescheide
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Definition und Überblick
Als Gescheide bezeichnet man in der Jäger- und Weidmannssprache die Gesamtheit der Eingeweide von Haarwild, insbesondere die Gedärme und inneren Organe des Bauchraums. Der Begriff wird vorwiegend beim Niederwild verwendet, also bei Hasen, Kaninchen und teilweise auch bei Federwild. Beim Hochwild – etwa bei Reh, Hirsch oder Wildschwein – spricht man hingegen vom Aufbruch oder Geräusch, wenn die inneren Organe gemeint sind. Das Gescheide umfasst in erster Linie den Magen-Darm-Trakt samt Inhalt, kann aber je nach regionaler Verwendung auch Leber, Niere und weitere Bauchorgane einschließen.
Die Kenntnis dieses Fachbegriffs gehört zum Grundwissen jedes Jägers und ist fester Bestandteil der Jägerprüfung. Die Weidmannssprache differenziert bei den inneren Organen des Wildes sehr genau – eine Unterscheidung, die nicht nur sprachlicher Tradition folgt, sondern auch praktische Bedeutung beim Aufbrechen und bei der Wildbrethygiene hat.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Die Jägersprache kennt eine Vielzahl von Bezeichnungen für die inneren Organe des Wildes, die je nach Wildart und anatomischer Zuordnung variieren:
- Aufbruch: Sammelbezeichnung für sämtliche Eingeweide beim Schalenwild (Reh, Hirsch, Gams, Schwarzwild). Der Aufbruch entsteht beim Aufbrechen des erlegten Stückes und umfasst Magen, Darm, Lunge, Herz, Leber, Milz und Nieren.
- Geräusch: Bezeichnet speziell Herz und Lunge beim Schalenwild, also die Brustorgane. Diese Organe werden auch als kleines Geräusch bezeichnet, während der gesamte Organinhalt des Brustkorbs als großes Geräusch gelten kann.
- Gescheide: Bezieht sich auf den Darm- und Magentrakt beim Niederwild, speziell beim Hasen und Kaninchen.
- Gekröse: In der allgemeinen Anatomie das Bauchfell, das die Darmschlingen mit der hinteren Bauchwand verbindet. In der Jägersprache wird der Begriff gelegentlich synonym zum Gescheide verwendet.
Diese begriffliche Differenzierung mag auf den ersten Blick umständlich erscheinen, sie erlaubt Jägern jedoch eine präzise Verständigung bei der Wildversorgung und beim Zerwirken.
Praktische Bedeutung beim Aufbrechen
Das Gescheide spielt eine zentrale Rolle beim Ausweiden des erlegten Niederwildes. Nach dem Erlegen eines Hasen oder Kaninchens muss das Stück zeitnah versorgt werden, um die Qualität des Wildbrets sicherzustellen. Dabei wird das Gescheide möglichst unversehrt aus der Bauchhöhle entfernt. Ein Anschneiden des Magens oder der Gedärme würde den Darminhalt freisetzen und das Fleisch kontaminieren, was sowohl den Geschmack als auch die hygienische Unbedenklichkeit beeinträchtigt.
Beim Hasen erfolgt das Ausweiden in der Regel wie folgt: Der Jäger öffnet die Bauchdecke vorsichtig mit dem Jagdmesser oder dem Nicker vom Schloss (Becken) bis zum Brustbein. Anschließend wird das Gescheide herausgelöst, wobei Leber und Nieren – sofern sie als Kleinod verwendet werden sollen – gesondert entnommen werden. Die Leber wird zudem auf Veränderungen untersucht, da sie Hinweise auf Krankheiten wie die Kokzidiose oder den Befall mit dem Großen Leberegel geben kann. Fleckige, vergrößerte oder verfärbte Lebern deuten auf Erkrankungen hin und erfordern gegebenenfalls die Entsorgung des gesamten Stückes.
Wildbrethygiene und Beurteilung
Die Begutachtung des Gescheides ist ein wesentlicher Bestandteil der amtlichen Fleischuntersuchung und der Eigenkontrolle durch den Jäger als kundige Person. Auffälligkeiten am Gescheide – etwa Verfärbungen, ungewöhnlicher Geruch, Verwachsungen, Geschwülste oder parasitärer Befall – können auf Krankheiten des erlegten Wildes hinweisen, die eine Genusstauglichkeit des Wildbrets ausschließen.
Zu den häufigsten Befunden am Gescheide von Feldhasen und Wildkaninchen gehören:
- Kokzidiose: Befall mit einzelligen Parasiten, der sich durch weißliche Knötchen auf der Leber und veränderte Darmschleimhaut zeigt.
- Tularämie (Hasenpest): Eine bakterielle Erkrankung, die sich durch eine vergrößerte Milz, punktförmige Blutungen auf den Organen und geschwollene Lymphknoten äußert. Tularämie ist auf den Menschen übertragbar und erfordert besondere Vorsicht beim Umgang mit dem Gescheide.
- Bandwurmfinnen: Blasenförmige Gebilde in der Leber oder am Bauchfell, die auf einen Befall mit Larvenstadien von Bandwürmern hinweisen.
- Pseudotuberkulose: Kleine, gelblich-weiße Herde auf Leber, Milz und in den Darmwänden.
Bei verdächtigen Befunden am Gescheide ist der Jäger verpflichtet, das erlegte Stück der amtlichen Untersuchung zuzuführen oder es als untauglich aus der Lebensmittelkette zu nehmen und unschädlich zu beseitigen.
Verwendung des Gescheides
Das entnommene Gescheide wird traditionell als Aufbruch im weiteren Sinne bezeichnet und dient in der jagdlichen Praxis häufig als Futter für Jagdhunde oder als Luder bei der Raubwildbejagung. Insbesondere bei der Ausbildung von Jagdhunden wird das Gescheide als Belohnung oder zur Gewöhnung an den Um