Geweihträger
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Definition und Überblick
Als Geweihträger werden in der Jäger- und Weidmannssprache alle Hirschartigen (Cerviden) bezeichnet, deren männliche Vertreter ein Geweih ausbilden. Der Begriff grenzt diese Wildarten klar von den Hornträgern (Boviden) ab, zu denen etwa Gämse, Steinbock oder Mufflon zählen. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal: Ein Geweih ist ein knöcherner Kopfschmuck, der jährlich abgeworfen und neu gebildet wird, während Hörner dauerhaft am Schädel verbleiben und aus einem Knocheninneren mit einer Hornscheide bestehen.
In Mitteleuropa gehören zu den Geweihträgern vor allem Rothirsch, Damhirsch, Sikahirsch, Rehwild und Elch. Weltweit umfasst die Familie der Cerviden rund 55 Arten, vom kleinen Muntjak bis zum mächtigen Elch. Der Begriff Geweihträger ist dabei kein streng zoologisch-systematischer Terminus, sondern ein in der jagdlichen Praxis und im weidmännischen Sprachgebrauch fest verankerter Sammelbegriff.
Das Geweih – Aufbau und biologische Besonderheiten
Das Geweih wächst auf den sogenannten Rosenstöcken, knöchernen Stirnzapfen des Schädels. An deren oberem Ende bildet sich die Rose, ein ringförmiger Wulst, der die Basis der jeweiligen Geweihstange markiert. Von den Stangen zweigen die Enden (Sprossen) ab, deren Anzahl, Länge und Form je nach Art, Alter und Ernährungszustand des Tieres variieren.
Das Wachstum des Geweihs wird hormonell gesteuert, insbesondere durch den Testosteronspiegel. Während der Wachstumsphase ist das Geweih von einer stark durchbluteten Haut überzogen, die als Bast bezeichnet wird. Dieser Bast versorgt den wachsenden Knochen mit Nährstoffen und Mineralien. Sobald das Geweih ausgewachsen ist, trocknet der Bast ein und wird vom Tier durch Schlagen und Reiben an Bäumen und Sträuchern entfernt – ein Vorgang, den Jäger als Fegen oder Verfegen bezeichnen. Die dabei geschädigten Bäume und Büsche heißen in der Weidmannssprache Fegestellen.
Nach der Brunft sinkt der Testosteronspiegel, und das Geweih wird abgeworfen. Man spricht vom Abwurf, die am Boden liegenden Stangen werden als Abwurfstangen bezeichnet. Kurz darauf beginnt der Neuaufbau, der je nach Art wenige Wochen bis mehrere Monate dauert. Diese jährliche Erneuerung macht das Geweih zu einem der am schnellsten wachsenden Gewebe im gesamten Tierreich.
Heimische Geweihträger und ihre jagdlichen Bezeichnungen
Die Weidmannssprache unterscheidet die einzelnen Geweihträger durch eine Vielzahl spezifischer Begriffe:
- Rothirsch (Rotwild): Das männliche Tier heißt Hirsch, das weibliche Tier (Alttier), das Jungtier Kalb. Das Geweih wird als Geweih oder Kopfschmuck angesprochen. Ein Hirsch mit zwölf Enden wird als Zwölfender bezeichnet. Die einzelnen Enden tragen Namen wie Augsprosse, Eissprosse, Mittelsprosse und Krone.
- Damhirsch (Damwild): Der männliche Damhirsch heißt ebenfalls Hirsch, das Weibchen Tier. Typisch ist das schaufelförmige Geweih älterer Hirsche mit den breiten, abgeflachten Enden, den sogenannten Schaufeln.
- Rehwild: Beim Rehwild wird das männliche Tier als Rehbock oder kurz Bock bezeichnet, das weibliche als Ricke oder Geiß. Das vergleichsweise kleine Geweih des Rehbocks heißt Gehörn – nicht Geweih. Diese Unterscheidung ist in der Jägersprache verbindlich und wird streng eingehalten. Ein Rehbock mit sechs Enden ist ein Sechserbock.
- Elch (Elchwild): Der männliche Elch wird Elchbulle oder Schaufler genannt, das Weibchen Elchkuh. Das Geweih ist das größte aller lebenden Geweihträger und kann als Schaufelgeweih oder Stangengeweih ausgebildet sein.
- Sikahirsch (Sikawild): In Deutschland lokal vorkommend, trägt der männliche Sikahirsch ein vergleichsweise schlankes Geweih mit wenigen Enden.
Bedeutung des Geweihs in der Jagdpraxis
Das Geweih spielt in der jagdlichen Praxis eine zentrale Rolle. Es dient der Altersansprache, also der Schätzung des Alters eines lebenden Stücks Wild im Feld. Form, Stärke, Endenanzahl und Vereckung der Stangen geben erfahrenen Jägern Aufschluss über das ungefähre Alter und die körperliche Verfassung des Tieres. Dabei gilt: Ein starkes Geweih allein ist kein verlässlicher Altersindikator, da Ernährung, Genetik und Lebensraumqualität erheblichen Einfluss auf die Geweihentwicklung nehmen.
Die Trophäenbewertung nach dem internationalen CIC-System erfasst Geweihmerkmale wie Stangenlänge, Auslage, Gewicht, Endenzahl und Perlung (die raue Oberfläche der Stangen). In der Hege nutzen Revierinhaber die Beurteilung des Geweihs, um Abschusspläne zu erstellen und die Qualität des Wildbestands langfristig zu sichern.
Das Sammeln von Abwurfstangen ist in vielen Regionen beliebt und wird teilweise durch Schonzeitregelungen eingeschränkt, um die Tiere in der energetisch anspruchsvollen Winterzeit nicht durch Störungen