Giebel
GTierart – Fische > Süßwasserfische – heimisch
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Carassius gibelio (Bloch, 1782)
- Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
- Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
- Gattung: Carassius
- Lebensraum: Stehende und langsam fließende Süßgewässer, Teiche, Altarme, Seen
- Größe: 15–35 cm, maximal bis 45 cm
- Gewicht: 0,5–1,5 kg, selten bis 3 kg
- Lebenserwartung: 8–15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Giebel ist ein gedrungener, hochrückiger Süßwasserfisch mit seitlich abgeflachtem Körper. Er ähnelt in seiner Gestalt stark dem Karausche (Carassius carassius), mit der er häufig verwechselt wird. Die Unterscheidung beider Arten ist selbst für erfahrene Angler nicht immer einfach, da Giebel und Karausche einander in Körperform und Färbung ähneln und Hybride zwischen beiden Arten vorkommen.
Die Schuppen des Giebels sind relativ groß und besitzen einen silbrigen bis messingfarbenen Glanz. Die Grundfärbung variiert von silbergrau über olivgrün bis hin zu bronzefarben und hängt stark vom jeweiligen Gewässer und der Nahrungsgrundlage ab. Der Bauch ist heller, oft weißlich bis gelblich. Die Flossen sind grau bis leicht rötlich getönt.
Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zur Karausche ist die Form der Rückenflosse: Beim Giebel ist der Außenrand der Dorsale leicht konkav (nach innen gewölbt), während er bei der Karausche konvex (nach außen gewölbt) verläuft. Zudem besitzt der Giebel in der Regel eine etwas schlankere Körperform und ein leicht unterständiges Maul. Die Seitenlinie ist vollständig ausgebildet und umfasst 28–33 Schuppen. Die Kiemenreusendornen sind feiner und zahlreicher als bei der Karausche – ein sicheres Bestimmungsmerkmal, das allerdings eine genauere Untersuchung erfordert.
Lebensraum & Verbreitung
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Giebels erstreckt sich von Osteuropa über Sibirien bis nach Ostasien. Durch gezielte Aussetzung sowie unbeabsichtigte Verschleppung – häufig als Beifisch in Karpfenlieferungen – hat sich die Art seit dem 17. Jahrhundert nach Mittel- und Westeuropa ausgebreitet. In Deutschland kommt der Giebel heute in nahezu allen Bundesländern vor und gilt als etablierter Neozoon.
Sein bevorzugtes Habitat sind stehende oder langsam fließende Gewässer mit schlammigem Grund und dichtem Pflanzenbewuchs. Altarme, Baggerseen, Teiche, Gräben und die Uferregionen größerer Seen bieten dem Giebel ideale Lebensbedingungen. Er toleriert sauerstoffarmes und trübes Wasser erstaunlich gut und besiedelt selbst stark eutrophierte Biotope, in denen andere Fischarten kaum überleben können. Auch erhöhte Wassertemperaturen und kurzzeitige Austrocknungsphasen übersteht er durch seine ausgeprägte physiologische Anpassungsfähigkeit.
Ernährung
Der Giebel ist ein Allesfresser (Omnivore) mit einem breiten Nahrungsspektrum. Seine Ernährung umfasst Zooplankton, Insektenlarven, kleine Würmer, Schnecken und andere wirbellose Tiere des Gewässerbodens. Darüber hinaus frisst er pflanzliche Kost wie Algen, Detritus und Teile höherer Wasserpflanzen. Jungfische ernähren sich zunächst überwiegend von Plankton, bevor sie mit zunehmendem Wachstum auf benthische Nahrung umsteigen.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt vorwiegend in den Dämmerungs- und Nachtstunden. Beim Gründeln durchwühlt der Giebel den Gewässerboden und kann dadurch in flachen Gewässern erhebliche Trübungen verursachen, was wiederum Auswirkungen auf die Unterwasservegetation und andere Tierarten haben kann.
Verhalten & Lebensweise
Giebel sind gesellige Fische, die häufig in Schwärmen auftreten. Sie halten sich bevorzugt in der Nähe von Uferzonen, Schilfgürteln und Unterwasserpflanzen auf, wo sie sowohl Nahrung als auch Deckung vor Raubfischen finden. Ihre Aktivität ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, tagsüber ziehen sie sich in tiefere oder geschütztere Wasserbereiche zurück.
Im Winter reduziert der Giebel seine Stoffwechselaktivität deutlich und hält sich in Bodennähe auf, ohne eine echte Winterruhe einzulegen. Er ist äußerst anpassungsfähig und kann auch unter widrigen Bedingungen – etwa in zufrierenden Gewässern mit minimalem Sauerstoffgehalt – überleben, indem er seinen Stoffwechsel auf anaerobe Prozesse umstellt. Dabei wandelt er Milchsäure in Ethanol um und gibt dieses über die Kiemen ab – eine Fähigkeit, die er mit der Karausche teilt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit des Giebels fällt in die Monate Mai bis Juli, wenn die Wassertemperaturen 17–20 °C erreichen. Die Weibchen geben ihre klebrigen Eier portionsweise an Wasserpflanzen, Wurzeln oder andere Substrate ab. Ein einzelnes Weibchen kann je nach Größe zwischen 30.000 und 300.000 Eier produzieren.
Eine biologische Besonderheit des Giebels ist die Gynogenese, eine Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung. In vielen Populationen überwiegen die Weibchen deutlich oder es existieren ausschließlich weibliche Bestände. Diese Weibchen benötigen zwar Spermien artfremder Männchen – etwa von Karpfen, Karauschen oder anderen Cypriniden – um die Eientwicklung auszulösen, doch das väterliche Erbgut wird dabei nicht in die Eizelle integriert. Die Nachkommen sind genetisch identische Klone der Mutter. Dieser Fortpflanzungsmodus ermöglicht eine sehr rasche Bestandszunahme und erklärt die ausgeprägte Ausbreitungsfähigkeit der Art.