Gleithörnchen
GTierart – Säugetiere > Nagetiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pteromyini (Tribus innerhalb der Familie Sciuridae)
- Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
- Familie: Hörnchen (Sciuridae)
- Unterfamilie: Sciurinae
- Anzahl der Arten: ca. 50 Arten in 15 Gattungen
- Lebensraum: Wälder der gemäßigten und tropischen Zonen Nordamerikas, Europas und Asiens
- Größe: 8–60 cm Kopf-Rumpf-Länge (je nach Art)
- Gewicht: 30 g (Zwerg-Gleithörnchen) bis 1,5 kg (Riesengleithörnchen)
- Lebenserwartung: 5–6 Jahre in freier Wildbahn, bis 15 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Gleithörnchen ähneln im Grundbauplan anderen Vertretern der Familie der Hörnchen, unterscheiden sich jedoch durch ein auffälliges anatomisches Merkmal: die Gleitmembran, das sogenannte Patagium. Diese dehnbare Hautfalte erstreckt sich beidseitig zwischen den Vorder- und Hintergliedmaßen und wird bei einigen Arten zusätzlich durch einen knorpeligen Sporn am Handgelenk gestützt. Im Ruhezustand liegt die Membran eng am Körper an und ist kaum sichtbar. Erst beim Absprung von einem Baum breiten die Tiere alle vier Extremitäten aus, wodurch das Patagium als Tragfläche gespannt wird.
Das Fell ist dicht, seidig weich und je nach Art grau, braun, rötlich oder schwarz gefärbt. Die Unterseite ist in der Regel deutlich heller, oft weiß bis cremefarben. Gleithörnchen besitzen große, dunkle Augen – eine Anpassung an ihre überwiegend nachtaktive Lebensweise. Die Ohren sind verhältnismäßig klein und abgerundet. Der buschige Schwanz dient als Steuerruder während des Gleitflugs und als Balancierhilfe beim Klettern. Er erreicht bei vielen Arten annähernd die Länge des restlichen Körpers.
Die Größenunterschiede innerhalb der Tribus sind erheblich: Das Zwerg-Gleithörnchen (Petaurillus) aus Südostasien zählt mit einer Kopf-Rumpf-Länge von nur etwa 8 cm und einem Gewicht von rund 30 g zu den kleinsten Vertretern, während das Riesengleithörnchen (Petaurista) bis zu 60 cm Körperlänge und 1,5 kg Gewicht erreichen kann.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Gleithörnchen umfasst weite Teile der Nordhalbkugel. Die größte Artenvielfalt findet sich in den tropischen und subtropischen Wäldern Südost- und Ostasiens. In Nordamerika sind zwei Arten heimisch: das Nördliche Gleithörnchen (Glaucomys sabrinus) und das Südliche Gleithörnchen (Glaucomys volans). In Europa kommt mit dem Europäischen Gleithörnchen (Pteromys volans), auch Flughörnchen genannt, nur eine einzige Art vor. Ihr Habitat erstreckt sich von Finnland und dem Baltikum ostwärts durch die borealen Nadelwälder Sibiriens bis nach Japan und Korea.
Gleithörnchen sind an Waldlebensräume gebunden. Sie besiedeln vorwiegend alte Laub-, Misch- und Nadelwälder mit hohem Baumbestand und ausreichend Totholz, das Baumhöhlen als Schlafplätze und Nistmöglichkeiten bietet. In den Tropen bewohnen einige Gattungen auch dichte Regenwälder und Bergwälder in Höhenlagen bis über 3.000 Meter. Offene Landschaften, Steppen oder baumlose Gebiete werden gemieden, da die Tiere zum Gleiten auf ausreichend hohe Absprungpunkte angewiesen sind.
Ernährung
Die Ernährung der Gleithörnchen ist überwiegend pflanzlich, variiert jedoch je nach Art, Habitat und Jahreszeit. Zu den Hauptnahrungsquellen zählen Nüsse, Samen, Knospen, Blüten, Baumrinde, Früchte und Beeren. Daneben fressen viele Arten auch Pilze, Flechten und Baumsäfte. Als Ergänzung stehen tierische Proteine in Form von Insekten, Larven, Spinnen, Vogeleiern und gelegentlich kleinen Wirbellosen auf dem Speiseplan. Das Europäische Gleithörnchen ernährt sich im Winter vor allem von Knospen und Kätzchen der Birke und Erle, die es teils auch als Vorräte in seinen Baumhöhlen lagert.
Verhalten & Lebensweise
Gleithörnchen sind nahezu ausnahmslos nachtaktiv und verbringen den Tag schlafend in Baumhöhlen, verlassenen Spechtnestern oder selbst gebauten Nestern aus Blättern, Moos und Rinde. In kalten Nächten oder im Winter ruhen manche Arten in kleinen Gruppen zusammen, um Wärme zu sparen – ein Verhalten, das bei den nordamerikanischen Arten gut dokumentiert ist. Einen echten Winterschlaf halten Gleithörnchen nicht, sie können jedoch in Kälteperioden ihre Aktivität stark reduzieren.
Die namensgebende Fortbewegungsart, der Gleitflug, ist keine aktive Flugleistung, sondern ein kontrolliertes Gleiten. Das Tier springt von einem erhöhten Punkt ab, spreizt die Gliedmaßen und nutzt das Patagium als Tragfläche. Durch Veränderung der Körperhaltung, Neigung der Membran und Einsatz des Schwanzes kann es Richtung, Geschwindigkeit und Landewinkel präzise steuern. Je nach Art und Absprunghöhe werden Gleitdistanzen von 20 bis 50 Metern erreicht; das Riesengleithörnchen kann in Einzelfällen über 100 Meter weit gleiten. Kurz vor der Landung richtet das Tier den Körper steil auf, um abzubremsen, und setzt sich mit allen vier Pfoten am Zielstamm fest.
Die meisten Arten leben einzelgängerisch und beanspruchen ein eigenes Revier, das über Duftmarken ab