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Goldwespe

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Tierart – Insekten > Hautflügler

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Chrysididae (Familie); bekannteste Gattung: Chrysis
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
  • Familie: Goldwespen (Chrysididae)
  • Lebensraum: Trockenwarme Standorte, Magerrasen, Löss- und Lehmwände, Totholz, Siedlungsbereiche
  • Größe: 4–13 mm (je nach Art)
  • Gewicht: unter 0,1 g
  • Lebenserwartung: wenige Wochen bis Monate als Imago; gesamter Entwicklungszyklus etwa ein Jahr
  • Anzahl der Arten weltweit: ca. 3.000, davon rund 100 in Mitteleuropa

Aussehen & Merkmale

Goldwespen gehören zu den farbenprächtigsten Insekten der heimischen Fauna. Ihr Körper schimmert in intensiven Metalltönen – von leuchtendem Smaragdgrün über Kupferrot bis hin zu tiefem Violettblau. Diese Färbung entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch die physikalische Struktur der Kutikula: Dünne, übereinanderliegende Chitinschichten brechen das einfallende Licht und erzeugen so genannte Strukturfarben, vergleichbar mit dem Schillern eines Ölfilms auf Wasser. Die Oberfläche des Chitinpanzers ist zudem dicht mit winzigen Grübchen besetzt, was den Tieren ein skulpturiertes Aussehen verleiht.

Der Körperbau gliedert sich in die drei typischen Abschnitte der Insekten: Kopf, Thorax (Brust) und Abdomen (Hinterleib). Im Unterschied zu vielen anderen Hautflüglern besitzen Goldwespen ein auffallend reduziertes Abdomen mit nur drei bis vier sichtbaren Segmenten auf der Unterseite. Die Segmente sind teleskopisch ineinandergeschoben, was das Einrollen zu einer Kugel ermöglicht – eine Verteidigungsstrategie, die an Asseln oder Gürteltiere erinnert. Die Unterseite des Abdomens ist konkav ausgehöhlt, sodass Kopf und Beine beim Einrollen vollständig geschützt werden.

Die Flügeladerung ist stark vereinfacht. Goldwespen besitzen wie alle Hymenopteren zwei Flügelpaare, wobei die Hinterflügel deutlich kleiner ausfallen als die Vorderflügel. Die Fühler sind gekniet und bestehen aus 13 Gliedern. Ein Stachel fehlt den meisten Arten oder ist funktionslos zurückgebildet – Goldwespen können also nicht stechen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Goldwespen erstreckt sich über alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis. Die höchste Artendiversität findet sich in den Tropen und Subtropen sowie im Mittelmeerraum. In Mitteleuropa besiedeln Goldwespen bevorzugt trockenwarme Habitate: Magerrasen, Sandgruben, südexponierte Böschungen, alte Lehmfachwerkwände und Lösssteilwände. Auch in Siedlungsbereichen treten sie auf, etwa an Insektennisthilfen in Gärten oder an Holzbalken alter Gebäude, in denen ihre Wirte nisten.

Die Bindung an den jeweiligen Lebensraum wird weniger durch die Goldwespe selbst bestimmt als durch das Vorkommen ihrer Wirtsarten. Als Brutparasiten sind sie vollständig auf das Vorhandensein geeigneter Wirte angewiesen. Biotope mit hoher Wildbienen- und Grabwespendichte beherbergen daher in der Regel auch diverse Goldwespen-Populationen.

Ernährung

Adulte Goldwespen ernähren sich von Nektar und Honigtau, den sie mit ihren kurzen Mundwerkzeugen von Blüten und Blattoberflächen aufnehmen. Besonders häufig werden sie an Doldenblütlern (Apiaceae) und Wolfsmilchgewächsen (Euphorbiaceae) beobachtet. Die Larven hingegen leben als Parasitoide: Sie verzehren den Nahrungsvorrat oder die Larven anderer Hautflügler – dazu weiter unten mehr.

Verhalten & Lebensweise

Goldwespen sind tagaktive Einzelgänger. Ihre Flugzeit erstreckt sich in Mitteleuropa je nach Art von Mai bis September, mit einem Schwerpunkt in den Sommermonaten. Die Tiere verbringen einen Großteil ihres Imaginallebens mit der Suche nach Wirtnestern. Dabei patrouillieren die Weibchen systematisch an Steilwänden, Totholz und Nisthilfen entlang und untersuchen potenzielle Eingänge mit ihren Fühlern.

Wird ein Weibchen von der zurückkehrenden Wirtsart an deren Nest entdeckt, rollt es sich reflexartig zu einer gepanzerten Kugel zusammen. Der mit Grübchen besetzte Chitinpanzer bietet wirksamen Schutz gegen Stiche und Bisse. In dieser Abwehrstellung kann die Goldwespe mehrere Minuten verharren, bis die Gefahr vorüber ist.

Fortpflanzung & Aufzucht

Alle Goldwespen sind obligate Brutparasiten oder Kleptoparasiten. Das Weibchen wartet einen günstigen Moment ab, in dem die Wirtsart das Nest verlässt, und dringt dann ein, um ein einzelnes Ei abzulegen. Je nach Art unterscheidet sich die Strategie:

  • Kleptoparasitismus: Die Goldwespenlarve schlüpft vor der Wirtslarve und frisst den eingetragenen Proviant (Pollen, gelähmte Beutetiere) auf. Die Wirtslarve verhungert.
  • Parasitoider Parasitismus: Die Goldwespenlarve wartet, bis die Wirtslarve ein bestimmtes Entwicklungsstadium erreicht hat, und verzehrt diese dann von außen (ektoparasitoid).

Zu den Wirtsarten zählen verschiedene Solitärbienen (etwa Mauerbienen der Gattung Osmia), Grabwespen (Sphecidae, Crabronidae), Lehmwespen (Eumeninae) und Pillenwespen. Einige Goldwespen-Gattungen wie Cleptes parasitieren sogar Blattwespen (Symphyta). Die Wirtsspezifität variiert: